Jahrgang 
1908
Einzelbild herunterladen

45

Herr Oberlehrer Dr. Wagner, der einem ehrenvollen Rufe nach Magdeburg gefolgt ist, erhält in Herrn Oberlehrer Klinger einen Nachfolger.

Karl. Klinger, am 6. Februar 1873 zu Darmstadt geboren, gehörte zuerst in seiner Vaterstadt und dann in Mainz dem Grossh. Realgymnasium als Schüler an. Nachdem er im Frühjahr 1892 die Reifeprüfung bestanden hatte, studierte er auf der Grossh. Landesuniversität Mathematik und Natur- wissenschaft und erwarb sich durch die im Frühjahr 1899 abgelegte Staatsprüfung die Lehrbefähigung in Physik, Geographie, Mathematik, Chemie und Mineralogie. Am Neuen Gymnasium zu Darmstadt leistete er hierauf sein Probejahr ab, nach dessen Ablauf er zunächst am Gymnasium und an der Realschule zu Offenbach verwandt war, bis ihm durch Verfügung Grossh. Ministeriums vom 16. April 1900 die provisorische Verwaltung der Stelle des Leiters und ersten Lehrers an der Höheren Bürger- schule zu Beerfelden übertragen ward. Hier wurde er alsdann durch Allerhöchstes Dekret vom 23. März 1904 zum Oberlehrer mit dem Amtstitel Rektor ernannt. Durch Allerhöchstes Dekret vom 19. Dezember 1906 wurde er als Oberlehrer an die Höhere Mädchenschule und das mit ihr verbundene Lehrerinnen-Seminar zu Mainz berufen.

Vom 25. April bis zum 26. Mai musste Fräulein N. Klein ihren Unterricht krankheits- halber aussetzen; einzelne Mitglieder des Kollegiums teilten sich in ihre Vertretung.

Der übliche Schulausflug fand am 15. Mai statt. Die Schülerinnen des Seminars, der Selekta und der obersten Scliulklasse führte ihr Weg über die Hofheimer Kapelle nach dem herrlich gelegenen Eppstein im Taunus; die Klassen 2ab und 3 ab gingen über die Platte nach Niedernhausen; für ihre halbtägigen Spaziergänge fanden die Mittel- und Unterklassen in der näheren Umgebung von Mainz geeignete Ausflugspunkte.

Durch Höchstes Dekret vom 13. Juli 1907 wurden die Schulverwalterinnen Fräulein Antonie Litzendorff, Fräulein Selma Wetter und Fräulein Wilhelmine Fleck als Lehrerinnen fest angestellt. Ueber ihren Lebenslauf geben die Jahresberichte 1902/03 und 1903/04 Auskunft.

Die Hilfslehrerin Fräulein Gerda Mayrhofer wurde durch Verfügung Grossherzog- lichen Ministeriums vom 12. Juli 1907 zur Schulverwalterin ernannt.

Am 20. Mai wurde dem Unterzeichneten die Ehre zu teil, den in der Pfingstwoche hier versammelten Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein in seiner ersten öffentlichen Versammlung im Namen der Grossherzoglichen Regierung, insbesondere der Schulabteilung Grossherzoglichen Ministeriums begrüssen zu dürfen.

Die Wiederimpfung der 1895 geborenen Schülerinnen fand am 5. Juni statt; acht Tage später erfolgte die amtliche Nachschau.

Mit Rücksicht auf das Giessener Universitätsjubiläum begannen im Einverständnis mit der obersten Schulbehörde die Herbstferien diesmal schon am 31. Juli; nach 5 ½-wöchiger Unterbrechung wurde der Unterricht am 9. September wieder aufgenommen.

Vom 3. August an war Herr Oberlehrer Dr. Wimmenauer in seiner Eigenschaft als Reserveoffizier zu einer achtwöchigen militärischen Dienstleistung einberufen.

Am 17. September, dem Allerhöchsten Geburtsfeste Ihrer Königlichen Hoheit der Gross- herzogin, fiel der Unterricht aus.

Die Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand nötigte Herrn Pfarrer Dr. Seitz, sich vom 1. Oktober an für mehrere Wochen beurlauben zu lassen; Herr Dompräbendat Hellmeister hatte die Güte, ihn während seiner Abwesenheit zu vertreten.

Am 15. Oktober wurde unser Neubau eingeweiht(vergl. Seite 25). Eine ausführ- liche Beschreibung desselben nebst einer Anzahl ihn erläuternder Abbildungen hat uns das städtische Hochbauamt für den ersten Teil unseres Jahresberichts in liebenswürdigster Weise