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Schule und Seminar beteiligten sich an der am 1. Mai gelegentlich der Brückeneinweihung von Grossherzoglicher Bürgermeisterei veranstalteten Kaiser-Huldigung, indem sie gleich den übrigen höheren Lehranstalten sowie den Schülern und Schülerinnen der Volksschule am diesseitigen Rheinufer Auf- stellung nahmen, die älteren Mädchen mit Schärpen geschmückt, die jüngeren mit rot-weissen und schwarz-weiss-roten Fähnchen in der Hand.
Am 10. Mai wurde Marie Steinbach, Schülerin der Klasse Ib, von schwerem, wochenlangem Leiden durch einen sanften Tod erlöst. Da die Bestattung in aller Stille stattfand, so mussten sich die Mitschülerinnen der Entschlafenen zum Ausdrucke ihrer Teilnahme auf eine Kranzspende beschränken.
Der übliche Schulausflug, am 17. Mai bei herrlichstem Wetter unternommen, führte das Lehrerinnen-Seminar, Selekta und die Klassen lab von Wiesbaden über die Platte und den Schläfers- kopf nach dem Chausseehaus, wo die Mädchen nach eingenommenem Mittagsmahle die Zeit bis zur Heimkehr mit Deklamationen, Spiel und Tanz sich köstlich zu vertreiben wussten. Die drei 2. Klassen hatten sich den Feldberg als Ausflugsziel erwählt, während die beiden dritten dem lauschig gelegenen Waldhäuschen bei Wiesbaden einen Besuch abstatteten. Alle übrigen Klassen beschränkten sich bei ihrem nur halbtägigen Spaziergange auf die nächste und nähere Umgebung der Stadt.
Vom 3. bis 30. Juni war Herr Professor Dr. Ledroit zu einer militärischen Dienstleistung ein- berufen; mehrere Mitglieder des Kollegiums teilten sich während dieser Zeit in seine Vertretung.
Die Wiederimpfung der 1893 geborenen Schülerinnen erfolgte am 3. Juni; ihr schloss sich acht Tage später die amtlich vorgeschriebene Nachschau an.
Am 1. Juli hatten wir den Verlust unseres unvergesslichen Kollegen Professor Dr. Emil Daub zu beklagen. Wir beschränken uns hier auf diese Mitteilung und verweisen im übrigen auf das dem Heimgegangenen gewidmete Gedenkblatt am Ende unseres Jahresberichts.— Den grössten Teil von Herrn Daubs Unterrichtsstunden übernahm, mit Genehmigung Grossherzoglichen Ministeriums, vom 7. Juli bis zum Schlusse des Sommerhalbjahres Herr Lehramtsaccessist Otto Schmidtgen aus Mainz.
Ein zweiter Verlust traf unsere Anstalt am Ende des Sommerhalbjahrs mit der Ernennung des Herrn Oberlehrers Dr. Hermann Büttner zum Direktor der Höheren Mädchenschule zu Aschersleben. Wir haben in dem genannten Kollegen einen sehr tüchtigen Lehrer schätzen gelernt, den unsere besten Wünsche in die neue Heimat begleiten. Zu seinem Nachfolger wurde Herr Dr. Franz Bender ernannt, bisher Oberlehrer an der Grossherzoglichen Oberrealschule zu Giessen.
Dr. Franz Bender, geboren am 27. August 1863 zu Gernsheim a. Rh., besuchte zunächst die Höhere Bürgerschule seines Heimatsortes, dann das Lehrerseminar zu Bensheim. Nach seinem Abgange von dieser Anstalt war er 1883— 1885 zu Fürth im Odenwald, von 1885— 1897 aber zu Mainz im Volksschuldienste tätig. Im Herbst 1897 bestand er an dem hiesigen Realgymnasium als Externer die Maturitätsprüfung und widmete sich darauf an den Hochschulen zu Berlin und Giessen dem Studium des Französischen, Englischen und Deutschen. Nachdem er im August 1901 an letztgenannter Universität die Staatsprüfung bestanden hatte, wurde er durch Verfügung Grossherzoglichen Ministeriums vom 23. September 1901 mit der Verwaltung einer Oberlehrerstelle am Realgymnasium und der Realschule zu Giessen beauftragt. Die Doktorwürde erwarb er sich durch eine besondere Prüfung am 5. Dezember 1902, nachdem bereits am 15. Oktober desselben Jahres seine provisorische Verwendung durch Allerhöchstes Dekret in definitive Anstellung umgewandelt worden war. Seine Versetzung von Giessen an die Höhere Mädchenschule und das Lehrerinnen-Seminar zu Mainz erfolgte durch Allerhöchstes Dekret vom 27. August 1904. Durch wiederholten Aufenthalt in Frankreich, teils in Paris, teils in der Provinz, hat er sich im praktischen Gebrauche der Sprache dieses Landes weiterzubilden bemüht.
An Stelle des verstorbenen Professors Dr. Daub wurde durch Allerhöchstes Dekret vom 20. September 1904 Herr Oberlehrer Dr. Heinrich Wagner aus Oppenheim berufen.
Dr. Heinrich Wagner, geboren am 21. März 1877 zu Giessen, bestand Ostern 1895 am Realgymnasium seiner Vaterstadt die Reifeprüfung und widmete sich alsdann an der Grossherzoglichen Landesuniversität dem Studium der Mathematik, Physik, Geographie und der deutschen Sprache. Ostern 1899 legte er die Staatsprüfung ab und diente darauf bis zum 1. April 1900 als Einjährig-Freiwilliger bei dem Infanterie-Regiment No. 116. Nach kurzem Besuche des pädagogischen Seminars zu Giessen fand er nacheinander an verschiedenen höheren Lehr- anstalten des Landes Verwendung, bis er durch Allerhöchstes Dekret vom 10. September 1904 an der Grossherzog-


