Jahrgang 
1904
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Ehe wir in unsrem Berichte weiterfahren, schalten wir einige Mitteilungen über den Lebenslauf der von uns übernommenen, zunächst nur mit der provisorischen Verwaltung einer Lehrerinnenstelle betrauten Damen ein:

1. Therese Settegast, geboren am 30. November 1853 zu Koblenz, besuchte von ihrem siebenten Jahre an das Institut der Fräulein Diehl zu Mainz, woselbst sie sich auch zur Prüfung für das höhere Lehramt vorbereitete, die sie im April 1871 in Darmstadt ablegte. Hierauf verbrachte sie zwei Jahre zu Lyon, um sich in der französischen Sprache weiter auszubilden. Nach Mainz zurückgekehrt, war sie zuerst sechs Jahre lang als Lehrerin am Institute von Fräulein Klein tätig und wirkte dann, von Pfingsten 1890 bis Ostern 1903, in gleicher Eigenschaft am Institute der Fräulein Brecher.

2. Anna Schneider, geboren am 16. Mai 1856 zu Bubenheim, gehörte bis zu ihrem 13. Jahre der Volks- schule ihres Heimatortes als Schülerin an und kam dann, nach anderthalbjährigem Besuche der Privat-Lehranstalt des Pfarrers Walther zu Nieder-Ingelheim, in das Institut von Fräulein Auguste Embdt in Mainz. Von 1873 1875 bereitete sie sich in dem mit der höheren Mädchenschule in Koblenz verbundenen Lehrerinnen-Seminar für ihren späteren Beruf vor und bestand daselbst im März 1875 die vorgeschriebene Prüfung. Nach sechzehnjährigem Aufent- halte in England, wo sie in verschiedenen Familien als Lehrerin tätig war, weilte sie 1891 ein halbes Jahr lang in Frankreich, um sich auch in der Sprache dieses Landes zu vervollkommnen, worauf sie die Stelle einer Lehrerin am Peace Institute in Raleigh(North-Carolina) annahm, um jedoch schon 1894 wieder nach England zurückzukehren. Von Ostern 1896 1903 bekleidete sie in Mainz die Stelle einer Lehrerin am Institute der Fräulein Brecher.

3. Emma Mayer, geboren zu Alzey am 13. Januar 1862, besuchte bis Ende des Jahres 1877 die höhere Mädchenschule ihrer Vaterstadt. Im Januar 1878 trat sie in das Grossherzogliche Lehrerinnen-Seminar zu Darmstadt ein und bestand dort im April 1880 die Prüfung für das Lehramt an höheren Mädchenschulen. Im Januar 1881 nahm sie die Stelle einer Lehrerin am Institute der Fräulein Brecher an, in welchem sie bis Ostern 1903 tätig war.

4. Jeanne Béro, geboren zu Mainz am 31. März 1869, besuchte zuerst das Institut der Fräulein Brecher und dann zwei Jahre lang das Grossherzogliche Lehrerinnen-Seminar zu Darmstadt, wo sie sich im März 1887 der Prüfung für das höhere Lehrfach mit Erfolg unterzog. Von Herbst 1887 1890 war sie als Lehrerin am Institute der Fräulein Brecher tätig; dann begab sie sich nach Paris, woselbst sie vier Jahre in einer Familie als Erzieherin wirkte. Im Oktober 1894 kehrte sie an das Institut der Fräulein Brecher zurück und erteilte dort bis zu dessen Auflösung französischen Unterricht.

5. Selma wetter, geboren am 27. Dezember 1878 zu Vohwinkel bei Elberfeld, trat, nachdem sie von Ostern 1885 an in verschiedenen Schulen unterrichtet worden war, am 1. Dezember 1890 in die höhere Mädchen- schule zu Mainz ein, deren sämtliche Klassen, einschliesslich der Selekta, sie von Kl. 5 an durchlief. Von Ostern 1896 an besuchte sie die an jener Anstalt damals neu errichtete unterste Seminarklasse und trat dann Ostern 1897 in die oberste Klasse des damals nur zwei Jahreskurse umfassenden Lehrerinnen-Seminars zu Darmstadt über. Hier bestand sie Ostern 1898 die Prüfung für Anwärterinnen des höheren Lehrfaches. Von Pfingsten desselben Jahres bis Ostern 1900 wohnte sie als Hospitantin an der hiesigen höheren Mädchenschule dem Unterrichte bei und war dann von Ostern bis Herbst 1900 mit der vollständigen Vertretung eines erkrankten Lehrers dieser Anstalt beauftragt. Von Herbst 1900 bis Ostern 1902 und dann wieder von November 1902 bis Ostern 1903 war sie als Lehrerin am Brecherschen Institute beschäftigt. In der Zwischenzeit hielt sie sich zum Zwecke weiterer Ausbildung in der französischen Spraehe in Paris auf, wo sie an den vomVerein Deutscher Lehrerinnen in Frankreich eingerichteten Kursen teilnahm und Vorlesungen an der Sorbonne besuchte.

6. Maria Lehne, geboren am 7. Dezember 1882 zu Mainz, trat am 1. Oktober 1889 in die damals neu eröffnete höhere Mädchenschule ihrer Vaterstadt ein, um diese Anstalt sowie die damit verbundene unterste Seminar- klasse zu durchlaufen. Von Ostern 1900 1902 besuchte sie die Mittel- und Oberklasse des Grossherzoglichen Lehrerinnen-Seminars zu Darmstadt, wo sie Ostern 1902 die Prüfung der Anwärterinnen für das Lehramt an höheren Mädchenschulen bestand. Seitdem war sie bis zu ihrer Verwendung an der höheren Mädchenschule in Mainz als Privatlehrerin tätig, zuletzt ebenfalls am Institute der Fräulein Brecher.

Die Errichtung der neuen Parallelklassen machte ausser der Verwendung der genannten Damen die Berufung von vier weiteren Lehrkräften erforderlich. Es sind dies die Herren Heinrich Kempf und Martin Gleiser, die indes leider erst am 30. Mai von der städtischen Volksschule an die höhere Mädchen- schule übertreten sollten, während die Lehrerinnen, Fräulein Wilhelmine Fleck und Fräulein Sophie Cahn, sich gleich mit Beginn des Schuljahrs der Direktion zur Verfügung stellen konnten. UÜber den Bildungs- gang und die bisherige Taätigkeit der Genannten teilen wir folgendes mit:

7. Heinrich Kempf, geboren zu Mainz am 16. Dezember 1866, besuchte zunächst in seiner Vaterstadt

die Privatschule des Herrn Bayer und dann das Grossherzogliche Realgymnasium zu Mainz bis Ober-Sekunda, die er im Herbst 1883 verliess, um sich von 1884 1887 auf dem Grossherzoglichen Lehrer-Seminar zu Alzey für seinen