I. Vorwort an das Elternhaus.
2* hans, teils um mehrere Punkte, die wir sonst in den Abschnitt II B verweisen würden, desonders hervorzuheben, teils um die verehrten Eltern mit verschiedenen Pinriehtungen und Wünschen der Schule bekannt zu machen.
Die Seminarabteilung unserer Selekta(Tb) wurde mit Beginn des Schuljahres mit 9 Schülerinnen eröffnet, von denen eine am Schlusse des Sommersemesters austrat. Den übrigen konnte am Ende des Schuljahres das Zeugnis der Reife zum Besuche der obersten Darmstädter Seminar- klasse erteilt werden. Da von Ostern d. J. ab der Seminarkursus voraussichtlich nicht mehr zwei-, sondern dreijährig sein wird, so haben Schülerinnen unserer Anstalt in Zukunft, nach erfolgreichem Besuche der Seminarabteilung, noch zwei Jahre in Darmstadt zu verbringen, wo sie auf Grund unseres Zeugnisses o 1 ne besondere Prüfung in die mittlere Seminarklasse eintreten können. Wer aus unserer 1. Klasse am Schlusse des Schuljahres als reif für den Besuch der Seminarabteilung be- zeichnet vird tindet in ihr ohne Prüfung Aufnahme; Mädchen dagegen, die von auswärts kommend die Seminarabteilung zu besuchen wünschen, haben sich einer besonderen Aufnahmeprüfung*) zu unter- ziehen.
Am 1. Oktober konnten wir unsere Schülerinnen-Bibliothek eröffnen. Freilich erwies sie sich von vornherein als viel zu klein, um dem starken Zuspruch seitens unserer Mädchen zu ge- nügen, und selbst die vielen Geschenke, über die wir an einer anderen Stelle berichten werden, brachten kaum Besserung. Durch geeignete Neuanschaffungen gedenken wir auch auf diesem Gebiete im nächsten Jahre wieder einen Schritt vorwärts zu thun; doch ist dem Wohlwollen gegen unsere Anstalt und seiner praktischen Bethätigung nach der angedeuteten Richtung hin nach wie vor ein weites Feld geöffnet.
Die freiwilligen Spielstunden unter Aufsicht einer Lehrkraft erfreuten sich zwar ziem- lich reger Beteiligung; doch läge es im Interesse unserer Mädchen, wenn diese künftig noch zunähme. Dass nichts mehr ein heilsames Gegengewicht zu bieten vermag gegen geistige Anstrengung als gerade das Bewegungsspiel in freier Luft, ist feststehende Thatsache; aber auch sein wohlthätiger Einfluss auf die Entfaltung des Charakters sowie auf das ganze Gemütsleben der Spielenden ist nicht zu unter- schätzen. Die Rücksicht auf das leibliche wie auf das geistige Wohl ihrer Kinder sollte daher die Eltern bestimmen, letztere zu möglichst regelmässigem Besuche der Spielstunden anzuhalten.
Um eine Geberbürdung der Schülerinnen durch Hausaufgaben zu verhüten, ersuchen wir die verehrten Eltern, darüber zu wachen, dass die gesetzlich zulässige, den Kindern bekannt ge- gebene Vorbereitungszeit, namentlich bei schwächeren Schülerinnen, täglich knen wirklich ausge- nutzt werde und dass, insbesondere in den mittleren und oberen Klassen, an den Tagen, an denen
*) Zu dieser haben sie sich spätestens 8 Tage vor Beginn des Schuljahres bei der Direktion zu melden und ihrem diesbezüglichen Gesuche beizulegen: 1) einen Lebenslauf, 2) einen Tauf- oder Geburtsschein, 3) Zeugnisse über die bis- her empfangene Schulbildung, 4) einen Impfschein.


