Jahrgang 
1926
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IV. Zur Geschichte der Xnstalt.

zum ersten Mal seit ihrem Bestehen gibt die Handelsrealschule einen gedruckten Bericht.

heraus. Wir halten es deshalb für angebracht, soweit es der zur Verfügung stehende Raum ge- stattet, einiges über die Gründung und Geschichte der Handelsrealschule der Offentlichkeit zu

übergeben.

Die Keimzelle der Gründung der Handelsrealschule verdankt dem Jahre 1902/03 ihre

Entstehung. Damals wurden mit Genehmigung des Ministeriums des Innern die Schüler der Unter- terfia, Obertertia und Untersekunda an der Oberrealschule in Mainz, die sich dem kaufmönnischen oder einem gewerblichen Beruf widmen wollten, zusammengetabt und nach einem besonderen, von der damaligen Reichsschulkommission genehmigten Lehrplan unterrichtet. Diese doch mehr behelfsmäßige Einrichtung veranlaßte im Jahre 1905 die Handelskammer in Mainz, in einer Denk- schrift auf die Notwendigkeit der Errichtung einer Handelsrealschule in Mainz hinzuweisen. Aber die in diesem Sinne gepflogenen Verhandlungen ergaben, daß die aufgeworfene Frage noch nicht spruchreif war.

Erst als die stetig wachsende Schüler- und damit wachsende Klassenzahl der Oberreal-

schule eine Enflastung nofwendig machte, tauchte im Jahre 1912 die Frage der Abzweigung

einer Handelsrealschule von der Oberrealschule wieder auf. Die neu einsetzenden Verhandlungen, die sich hauptsächlich darum drehten, ob eine Längs- oder Querteilung durchgeführt werden sollte, schienen sich wieder in die Länge ziehen zu sollen, und es bedurfte eines zweiten energischen

BHinweises der Handelskammer im Septfember 1913, um eine beschleunigtere Erledigung der An- gelegenheit, und zwar im Sinne einer Löngsteilung, zu bewirken. In diesem Schreiben, das an das Ministerium, den Oberbürgermeister und die Stadtverordneten von Mainz gerichtet wurde, heißt es unter anderem:... Diese Handelsrealschule soll nicht eine einseitige Fachschule, sondern eine den anderen höheren Schulen gleichwertige Anstalt sein, die den Bedürfnissen des praktischen Lebens mehr als jene Rechnung tfrägt.... Oberbürgermeister und Stadtver-

ordnete brachten ihre Übereinstimmung mit dieser Erklärung zum Ausdruck. Das damalige Gr. Ministerium gab deshalb in einem an die Handelskammer gerichteten Schreiben vom 4. 12. 1912

seine Zustimmung, in welchem es heißt:Auf Ihre Eingabe vom 7. Oktober Il. J. teilen wir Ihnen

mit, daß wir in Übereinstimmung mit der Stadtverwaltung in Aussicht genommen haben, an

Ostern 1914 mehrere Klassen der Oberrealschule von der Hauptanstalt abzuzweigen und in dem

seitherigen Realgymnasialgebäude unterzubringen. Aus diesen Klassen wird sich(voraussichtlich bis Ostern 1916) eine sechsklassige Realschule entwickeln, die einem besonderen Direktor unter-

stellt werden wird. Hinsichtlich des Lehrplans soll sie besonders den Bedürfnissen derjenigen Schüler angepaßt werden, die sich dem kaufmönnischen Beruf zuwenden wollen..... 4 In der Tat wurden mit Beginn des Schuljahres 1914/15 zunächst 8 Klassen der Oberreal-

schule, 2 Parallelklassen der Sexta, Quinta, Quarta und Untertertia in das Schulgebäude Steingasse 6,

in welchem bis dahin das Realgymnasium untergebracht war, verlegt. Die Raumfrage ließ sich deshalb so leicht lösen, weil zur selben Zeit das Realgymnasium den Neubau an der Diether von Isenburgstraße bezog. Durch Verfügung vom 13. 4. 1914 wurde dem Oberlehrer Prof. A. Uebel die

Leitung dieser Klassen übertragen. Der Unterricht sollte nach einem besonderen Lehrplan durch-

geführt werden. Leider brachte der im August ausbrechende Krieg für die Entwicklung der Schule

einen gewaltigen Rückschlag. Das Schulhaus, Steingasse 6, wurde zu Einquartierungszwecken be-,

nötigt, später mußten darin Klassen der Volksschule untergebracht werden. Die gerade abge-

zweigten Klassen wurden wieder in das Schulhaus der Oberrealschule zurückverlegt, der besondere

Lehrplan konnte nicht durchgeführt werden, Prof. A. Uebel behielt nur die Aufsicht und Verwaltung

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