Jahrgang 
1929
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IV. Zur Geschichte der Anstalt.

Um die Drucklegung einer wissenschaftlichen Beigabe auch zum Jahresbericht des laufendes Schuljahres zu er⸗ möglichen, muß der Berichterstatter in der Gesehichte der Anstalt sich gedrängter Kürze befleißigen.

as Schuljahr 1928/29 nahm seinen Arfang Montag. den 23. April 1928 mit den Aufnahme-

prüfungen. Von dem Kreis- oder Stadtschulamt wurden auf Antrag der Eltern einundzwanzig

Schüler nach nur dreijährigem Besuch der Grundschule zur Aufnahme in unsere Anstalt zu- gelassen. Die vorgeschriebene Prüfung wurde von allen bestanden.

Die Anstalt hatte im Laufe des Schuljahres den unerwarteten Tod zweier tüchtiger Lehr- kräfte zu beklagen:

Am frühen Morgen des ersten Schultags, am 23. April, erlag plötzlich und unerwartet Herr Prof. Dr. Faust einem Herzschlag nach eben vollendetem 60. Lebensjahr.

Direktor und Lehrerschaft des Gymnasiums widmeten ihm, ob seines frühen Todes tief er- schüttert, in den hiesigen Tagesblättern folgenden Nachruf:

Sechsunddreibig Jahre hat Herr Prof. Dr. Faust im Dienste der Jugendbildung und Er- ziehung gestanden, neunundzwanzig davon hat er an unserem Gymnasium erfolgreich gewirkt. Von Charakter ernst und streng hat er auch an seine Schüler hohe Anforderungen gestellt und sich bemüht, sie in einer Zeit, die so sehr am Aeußerlichen und am Scheine hängt, zu ernsten und gegen sich selbst strengen Menschen zu bilden und für die Unerbittlichkeiten des Lebens tüchtig zu machen. Durch die ruhige, zurückhaltende und abgewogene Art des persönlichen Verkehrs, die ihm eigen war, hat er es verstanden, sich die Achtung und Wertschätzung seiner Amtsgenossen zu erwerben und zu festigen. Als Verwalter unserer großen Bücherei und in den letzten beiden Jahren als Vertreter des Oberstudienrats hat er sich ebenfalls durch sehr gewissenhafte und äußerst zuverlässige Amtsführung ausgezeichnet. Die Anstalt bedauert in seinem Hinscheiden den Verlust einer wissenschaftlich und pädagogisch tüchtigen und schätzenswerten Kraft. Sein An- denken wird stets in Ehren gehalten werden.

Am Ende der Sommerferien, am 2. August 1928, verstarb Herr Studienrat Dr. Holzapfel, eben aus der Sommerfrische zurückgekehrt, im Krankenhause zu Nieder-Ingelheim an den Folgen einer Blinddarmoperation; er hat nur ein Alter von 37 Jahren erreicht.

Von den Gefühlen der Wertschätzung, deren sich der Verstorbene in unserem Kreise erfreute, gibt der Nachruf Zeugnis, mit dem Direktor und Lehrerschaft in den hiesigen Zeitungen seinen Tod vermeldeten:

Nur dreieinhalb Jahre hat der Verstorbene an unserer Anstalt gewirkt, aber während dieser kurzen Zeit ihr und der ihr anvertrauten Jugend hervorragende Dienste geleistet. Hohen wissen- schaftlichen Sinnes hat er die Fortschritte seiner Fachwissenschaften stets mit großem Eifer ver- folgt, sie mit kritischem Geiste auf ihre Verwertbarkeit in der Praxis des Unterrichts geprüft und ihre Ergebnisse fruchtbar gemacht. Seinen Schülern war er ein wohlwollender Lehrer und Freund, der auf ihre wissenschaftliche und sittliche Förderung große Mühe und Sorgfalt verwandte. Wegen seines aufrichtigen, offenen und freundlichen Wesens war er den Kollegen ein wertgeschätzter Amtsgenosse und nie versagender Mitarbeiter geworden. Für Jugend und Staat hätte er noch zu großen Hoffnungen berechtigt. Sein Andenken wird bei allen, die ihn gekannt, in Ehren gehalten werden.

Bei der Beerdigung der beiden früh hinweggenommenen Kollegen legte der Direktor im Namen der Anstalt je eine Kranzspende nieder, ebenso ein Vertreter der Klasse, die die Verstor- benen zuletzt geführt. Für Herrn Prof. Faust fand am 3. Mai vormittags 8 Uhr in der Kar- melitenkirche ein Requiem statt, das von den Kollegen und den katholischen Schülern besucht ward.

Von früheren, am Gymnasium viele Jahre tätigen Lehrern starben im Laufe des Berichts- jahres am 7. Juni 1928 Herr Prof. Dr. Nover im Alter von 84 Jahren, am 7. Januar 1929 Herr Prof. Vogt im Alter von 80 Jahren und am 3. Januar 1929 Herr prof Dr. Reeb, seit 1924 Ober- studienrat am hiesigen Realgymnasium, im Alter von 63 Jahren. Der Direktor und eine große Zahl von Amtsgenossen nahmen an den Beisetzungen teil. Ehre ihrem Andenken!

Am 15. August 1923 hatte Herr Rektor Goetz, der langjährige Zeichenlehrer des Gym- nasiums, und am 17. November 1928 Herr Geh. Schulrat Prof. Scholl, der langjährige Lehrer der neueren Sprachen an unserer Anstalt, das seltene Glück, in ausgezeichneter geistiger und körper-

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