V. Zur Geschichte der Anstalt.
Am 1. Oktober 1911 wurden die Lehramtsreferendare Hermann Baas und Herbert Hölzer zu Lehramtsassessoren ernannt und verliessen die Anstalt, um als Volontäre der erstere an das Ostergymnasium, der letztere an die Realschule und das Progymnasium in Bingen über- zutreten.— An Stelle des Herrn Lehramtsaspiranten Johann Rüdinger, der an die höhere Mädchenschule in Bingen versetzt wurde, trat als Vertreter des naturwissenschaftlichen Unterrichts zu Anfang des neuen Schuljahrs Herr Prof. Dr. Fritz Meyer, durch Versetzung von der Ober- realschule in Worms an das Ostergymnasium in Mainz.— Herr Lehramtsassessor Dr. Franz Weber, bisher am Gymnasium in Offenbach verwendet, trat am 4. März 1912 als Volontär an unserer Anstalt ein und übernahm zunächst zehn Stunden zur Entlastung des erkrankten Herrn Prof. Grösser.
In den Herbstferien hatte die Anstalt den Verlust eines lieben und guten Schülers zu be- klagen. Der eben in die Sexta versetzte Hermann Külb wurde nach kurzem, schweren Leiden vom Tod dahingerafft.
Am 24. Oktober 1911 wurde der am 22. Oktober nach längerem Leiden verstorbene Geheime Oberschulrat i. P., Georg Weihrich, der frühere Direktor des Ostergymnasiums und vom 1. Oktober 1900 des vereinigten Oster- und Herbstgymnasiums, in Gonsenheim beerdigt, wohin er sich seit seiner Versetzung in den Ruhestand zurückgezogen hatte. Der grösste Teil des Lehrer- kollegiums folgte seiner Bahre. Herr Direktor Helm vom Ostergymnasium widmete dem durch Geist und Herz gleich ausgezeichneten Manne einen tiefempfundenen Nachruf, und der Unter- zeichnete legte im Namen des Lehrerkollegiums des Herbstgymnasiums dem treuen Freunde der Anstalt einen Kranz am Grabe nieder.
Ein von Herrn Oberstabsarzt Dr. Volkenrath abgehaltener Krankenträgerkursus für die Schüler des Oster- und Herbstgymnasiums fand am 16. Dezember durch eine theoretische und praktische Prüfung in der Turnhalle des Ostergymnasiums seinen Abschluss. Wir danken auch hier dem Herrn Oberstabsarzt für seine opferwilligen Bemühungen um die Ausbildung unserer Schüler, und in gleicher Weise Herrn Medizinalrat Dr. Balser, welcher auch in diesem Jahre am 17. Februar den Abiturienten der höheren Schulen einen Vortrag über sittliche und alkoholische Gefährdung hielt.
Die Abiturientenprüfung fand am 23. März unter dem Vorsitz des Herrn Geh. Oberschulrats Nodnagel statt. Alle bestanden, 10 Schüler wurden von der mündlichen Prüfung befreit.
Die Geburtstage Sr. Kgl. Hoheit des Grossherzogs und Sr. Majestät des Kaisers wurden in üblicher Weise mit Chorgesang und Schülervorträgen gefeiert. Am Grossherzogstage sprach Herr Pfarrer Vogt über Grossherzogin Alice von Hessen, am Kaisertage Herr Prof. Rudershausen über die Entwicklung des preussisch-deutschen Heeres. Zum Gedächtnis an den Geburtstag Friedrich des Grossen vor 200 Jahren schloss sich unter Leitung von Herrn Prof. Klassert an die Aufführung von„Die Potsdamer Wachtparade“, Erinnerungsblätter aus der Hohenzollern-Geschichte. Melodramatisches Festspiel für patriotische Gedenktage, Dichtung von Karl Georg Engel, Musik von Clemens Schmahlstisch. Am Klavier waren Herr Prof. Klassert selbst und die Oberprimaner Walter v. Langsdorff und Joseph Hammer tätig. An den Vorträgen beteiligten sich in folgender Reihe die Schüler: Wilh. Westenberger, Leop. Fischer und Fritz Schubert(0 II); Franz Schmitt und Fritz Kronenberger(Ul); Kurt Schollmayer(O III); Heinrich Fendel-Schollmayer(UI); Walter Rupp(011).
Für mancherlei Geschenke an unsere Lehrer- und Schülerbibliothek sind wir den Gebern zu Dank verpflichtet.


