Jahrgang 
1894
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An den Gedenktagen der beiden ver- storbenen hochseligen Kaiser, nämlich am 9. März, sowie am 15. Juni und 18. Oktober, wurde zu Anfang des Morgen- unterrichts in pietätvoller Weise des Lebens und Wirkens beider für unser Vaterland unvergesslichen Regenten gedacht. Am 2. Septbr. war die Feier des nationalen Gedenktages mit Deklamationen und Ge sang patriotischer Gedichte verbunden. Am 31. Oktbr. wurde ein Schulaktus zum An- denken an die Gründung der evangelischen Reformation gefeiert, wo der Unter- zeichnete wie im vor. Jahre den segens- reichen Anteil, welchen Melanchton an dem grossen Reformationswerk hatte, schil- derte.

In herkömmlicher Weise wurde der Ge burtstag Sr. Majestät unseres Kaisers und Königs Wilhelm II. am 27. Januar gefeiert. Der Unterzeichnete versuchte in kurz- bemessener Zeit darzustellen, wie mehrere Kurfürsten von Brandenburg mit Erfolg darauf bedacht waren, in friedfertiger Weise allzeit Mehrer des Reiches zu sein und wie insbesondere das Herzogtum Preussen als souveräner Besitz mit Kur-Brandenburg vereinigt wurde.

Mit dem Schulschlusse am 23. Dezbr. v. J. war wie seither eine lithurgische Weihnachtsfeier verbunden.

Die alljährige Turnfahrt fand am 8. Juni statt. Die II reiste mit Herrn Oberlehrer Schürmann das Lahnthal hinunter bis Coblenz, den Rhein per Schiff herauf bis Rüdesheim. Sie besuchten hier das National- denkmalGermania und kamen über Frankfurt zurück.

Die OIII und UIII fuhren mit den Herren Oberlehrern Dr. Schäfer und Böhmel per Bahn bis Wildungen, gingen von hier nach Schloss Waldeck, welches in reizender Gegend an der Edder liegt, und wieder zurück nach Wildungen, von wo sie mit der Bahn wieder nach Marburg gelangten.

Die IV war mit den Herren Oberlehrern Leimbach und Hölzerkopf nach Wetzlar gefahren, von da nach Braunfels gegangen. Nach Besichtigung des Schlosses und länge-

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rem Aufenthalt reisten sie mit der Bahn nach Marburg zurück.

Die Vging mit Herrn Turnlehrer Schneider und dem Unterzeichneten über Hachborn und Treys nach dem Staufenberg; nach einigem Aufenthalt daselbst nach Fron- hausen und gelangten mit der Bahn nach der Heimat zurück.

Die VI war mit Herrn Haase über Spie- gelslust, die Brandstätte, Bauerbach und Grossseelheim nach Amöneburg gegangen. Nach vergnügten Spielen in der Ruine kehrten sie über Kirchhain nach Hause zurück. Das Wetter war recht günstig und so bot die Tour ihren Teilnehmern viel Vergnügen und Erholung.

Am 31. Okt., dem Wahltag zum Hause der Abgeordneten, am 1. Novbr., dem Tage der Versammlung des evangelischen Bundes dahier, sowie am Tage des oberhessischen Missionsfestes(von 10 Uhr an) fiel der Un- terricht aus, um in den beiden letzten Fällen den Schülern Gelegenheit zum Besuche des evangelischen Gottesdienstes zu geben.

Die Ferien des verflossenen Schuljahres waren folgende: Zu Pfingsten vom 5. Juni bis zum 9. Juni; im Sommer vom 3. Juli bis zum 1. August; im Herbst vom 25. Septbr. bis zum 10. Oktober; zu Weihnachten vom 23. Dezbr. bis zum 10. Januar.

Die vorjährige Reifeprüfung wurde aus besonderen Gründen so nahe vor dem Schluss des Schuljahres gehalten, dass eine kurze Darstellung derselben und die Mitteilung der gestellten Aufgaben, sowie die Perso- nalien der Abiturienten, welche das Examen bestanden, nicht mehr im vorjährigen Pro- gramm mitgeteilt werden konnten. Es ist solches mithin hier nachzuholen.

Die schriftliche Prüfung fand am 20., 21., 22., 23. März v. J. statt. Im deut- schen Aufsatz war das Thema: Wie sah das Städtchen aus, welches Goethe zum Schauplatze seines GedichtesHermann und Dorothea erwählt hat.

Im Lateinischen, Französischen und Englischen war eine Ubersetzung aus dem Deutschen in diese Sprachen anzufertigen.

In der Mathematik lautete die algebra-