Jahrgang 
1926
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Vaterländiſchen Frauenvereins im Philippshaus, bei einer Liturgiſchen Veſper in der Eliſabeth kirche und bei einer Abendfeier in der Michaeliskapelle.

Zwei Schüler, die ſich ſoliſtiſch auszeichneten, ſeien beſonders genannt: Gretel Unauff OI Rg(Kklavier) und Emil v. Behring Ol Rg(Bioline). Die Aritik ſagt von ihnen, daß ihre Vorträge, heranreifendes Künſtlertum erkennen laſſen.

Den höhepunkt des Sommerhalbjahres bildete die von Oberſtudienrat Brand und den Studienräten Uracke und AKürſchner ſeit langem vorbereitete Rheinfahrt, die über 600 Perſonen, Lehrer, Schüler und ihre Angehörigen wie zu einer großen Familie vereinte. Am 15. September morgens ½ 6 Uhr ſtanden alle Ceilnehmer, in Gruppen eingeteilt, zum Beſteigen des Sonderzuges bereit, der uns in knapp dreiſtündiger Fahrt durch unſer heſſiſches heimat⸗ land nach Mainz⸗AKaſtell führte. Nach Beendigung der franzöſiſchen Paßkontrolle über querten wir den Rhein, den die meiſten Jungen wohl zum erſten Male ſahen, und beſtiegen unſeren DampferAlbertus Magnus, deſſen Schiffskapelle mit ihren fröhlichen Märſchen und Liedern bald das bedrückende Gefühl des Anblicks der vielen franzöſiſchen Soldaten milderte. Dann ging es rheinabwärts aller Schönheit unſeres lieben Rheinlandes entgegen. Golden ſtrahlte die Sonne und ließ alle Herrlichkeiten die Burgen und Städte rechts und links, die Rebenhügel, den Fluß ſelbſt in vollſter Pracht erſtrahlen. An der Loreley vorbei bis St. Goar ging die Fahrt; dann wendete der Dampfer und führte uns zurück bis nach Aßmannshauſen, wo die meiſten Teilnehmer den Dampfer verließen, um das Niederwalddenk⸗ mal zu beſichtigen. Der ſteile Aufſtieg durch die Weingärten wurde belohnt durch einen um faſſenden Ausblick über den Rheingau und die Naheberge. Von Rüdesheim, wo uns der Dampfer erwartete, ging die Fahrt im Abendſonnenſchein unter Jubel und Geſang zurück nach Mainz, wo unſer Sonderzug genau zur feſtgeſetzten Zeit erreicht wurde. Kaum war die Grenze des unbeſetzten Gebietes wieder erreicht, da ertönten aus allen Wagen begeiſtert die im beſetzten Gebiet verbotenen Vaterlandslieder. So wunderſchön einerſeits der Tag auch war, ſo hatte er andrerſeits unſeren Jungen einen Begriff von dem Druck gegeben, der auf dem beſetzten Gebiete laſtet. Der Tag wird uns allen unvergeßlich bleiben.

Am 23. September fand die Entlaſſung der beiden Abiturienten des Realgymnaſiums ſtatt. Ferner entließ der Oberſtudiendirektor mit Worten des Dankes Studienrat Händel, der als Studiendirektor an die Mackenſenſchule in Bitterfeld geht. Direktor Otto verabſchiedete ſich auf zunächſt ½ Jahr von der Schule, um eine Profeſſur für Pädagogik an der Deutſchen Univerſität in Prag zu übernehmen. Der Oberſtudienrat brachte in ſeiner ſich anſchließenden Anſprache die Bedeutung dieſer Berufung als Stützung des Deutſchtums in der Tſchechei zum Ausdruck.

Im Oktober und November wohnte Inſpektor und Lector Einar Boyeſen aus Kriſtiania dem Geſchichtsunterricht, beſonders dem der oberen Klaſſen, bei.

Die Feier des Reformationstages, die unſere evangeliſchen Schüler mit denen des Staat lichen Gymnaſiums und der Nordſchule in der Lutheriſchen Pfarrkirche vereinte, wurde um rahmt durch muſikaliſche Darbietungen unſerer Schüler. Der Chor ſang mit Orcheſter⸗ und Orgelbegleitung aus hHändelsMeſſias den Chor:Denn die herrlichkeit Gottes. Dann gelangten Largo und Adagio von Händel für Violine und Orgel zum Vortrag.

Am 18. Dezember fand eine Adventsfeier ſtatt, zu der Eltern und Freunde der Anſtalt geladen waren; ſie bedeutete eine feſtliche Erhebung aus dem Areiſe der angeſtrengten Pflicht arbeit und eine würdige Vorbereitung für das Weihnachtsfeſt. Die Aula und die neue Bühne,