Zahlen, Uebung im Schreiben der Zahlen nach Diktat: Kenntnis der wichtigsten Geschichten aus dem alten Testament und des Lebens Jesu.
Ich weise ausdrücklich auf folgende Ausführungen des Herrn Ministers der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten im Herrenhaus hin:„Ich komme zu den Bedenken, die in der Richtungt her- vorgetreten sind, daß die Versetzung aus den unteren Klassen in die höheren zu leicht gemacht würde. Wenn das geschähe, so entspräche das keineswegs der Absicht der Unterrichtsverwaltung. Im Ge- genteil, bei der Versetzung soll eine strenge Siebung der Schüler stattfinden, und nur der soll in eine höhere Klasse aufsteigen, der befähigt ist, dem Pensum in der höheren Klasse zu folgen.“ Eine höhere Schule stellt höhere Anforderungen. Wer diesen nicht genügen kann oder will, gehört nicht dahin.
Ferner mache ich folgenden Ministerial-Erlaß bekannt:
Die Gefahren, die durch die überhand nehmende Schundliteratur der Jugend und damit der Zukunft des ganzen Volkes drohen, sind in den letzten Jahren immer mehr zutage getreten. Neuerdings hat sich wieder mehrfach gezeigt, daß durch die Abenteurer- Gauner- und Schmutzgeschichten, wie sie namentlich auch in einzelnen illustrierten Zeitschriften verbreitet werden, die Phantasie verdorben und das sittliche Empfinden und Wollen derart verwirrt worden ist, daß sich die jugendlichen Leser zu schlechten und selbst gerichtlich strafbaren Handlungen haben hinreißen lassen. Die Schule hat es auch bisher nicht daran fehlen lassen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln dieses Übel zu be- kämpfen und alles zu tun, um bei den Schülern und Schülerinnen das rechte Verständnis für gute Literatur, Freude an ihren Werken zu wecken und dadurch die sittliche Festigung in Gedanken, Worten und Taten herbeizuführen. In fast allen Schulen finden sich reichhaltige Büchereien, die von den Schülern und Schülerinnen kostenlos benutzt werden können. Aber die Schule ist machtlos, wenn sie von dem Flternhause nicht ausreichend unterstützt wird. Nur wenn die Eltern in klarer Erkenntnis der ihren Kindern drohenden Gefahren und im Bewußztsein ihrer Verantwortung die Lesestoffe ihrer Kinder, einschließlich der Tagespresse, sorgsam überwachen, das versteckte Wandern häßlicher Schriften von Hand zu Hand verhindern, das Betreten aller Buch- und Schreibwarenhandlungen, in denen Erzeug- nisse der Schundliteratur feilgeboten werden, streng verbieten und selbst überall gegen Prscheinungen dieser Art vorbildlich und tatkräftig Stellung nehmen, nur dann ist Hoffnung vorhanden, daß dem Übel gesteuert werden kann. Bei der Auswahl guter und wertvoller Bücher wird die Schule den Eltern wie auch den Schülern und Schülerinnen selbst mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihnen diejenigen Bücher angeben, die sich für die Altersstufe und für ihre geistige Entwickelung eignen. Zu diesem Zwecke werden es sich die Lehrer und Lehrerinnen gern angelegen sein lassen, sich über die in Betracht kommende Jugendliteratur fortlaufend zu unterrichten. Das in dem Weidmannschen Verlage zu Berlin erschienene Buch des Direktors Dr. P. Johannesson„Was sollen unsere Jungen lesen?“ wird den Schülern und auch den Schülerinnen wie deren Eltern als zuverlässiger Wegweiser dabei dienen können.
Die Liste der ehemaligen Schüler der Anstalt, die am Deutschen Weltkrieg teilnehmen, kann diesmal noch nicht gedruckt werden, da die eingelaufenen Anzeigen noch viel zu lückenhaft sind. Nur von verhältnismäßsig wenigen der Kriegsteilnehmer sind bisher Angaben über die Truppenteile, Beför- derungen und Auszeichnungen, sowie über ihre Schicksale bekannt geworden. Es wird beabsichtigt, die Liste dem nächsten Jahresberichte zuzufügen. Für weitere Mitteilungen ist die Schule dankbar.
Marburg a. d. L., am 31. März 1915.
Der Oberrealschuldirektor:
i. V.: Prof. Jänicke.


