Jahrgang 
1904
Einzelbild herunterladen

20

pädagogischen Geschicks und seines Pflichteifers wegen bei Lehrern und Schülern ein dauerndes dankbares Gedächtnis zu sichern. Wer von den Angehörigen der Anstalt in den Sommerferien in Marburg weilte, der gab dem so früh seiner Familie und seinem Amte entrissenen treuen Lehrer das letzte Geleite.

War dieser Todesfall für alle, die den Entschlafenen gekannt hatten, sehr ergreifend, so wirkte die Nachricht von dem plötzlichen Abscheiden des Herrn Professors Otto Böhmel am 24. Januar 1904 geradezu erschütternd. Nur sieben Tage war der grosse, kräftige Mann an der Influenza, wie man anfänglich glaubte, erkrankt, da entriss ihn der Tod seinem mit treuer Liebe und reichem Segen ausgeführten Berufe in dem besten Mannesalter von noch nicht 50 Jahren. Fast 25 Jahre lang hat Professor Böhmel mit grossem Eifer reichen Samen an unserer Anstalt, deren Ausbau er sich sehr hatte angelegen sein lassen, ausgestreut und herrliche Früchte geerntet. Das Andenken seiner Kollegen und die treue Liebe und Dankbarkeit seiner Schüler, namentlich der Primaner, wird ihn nie vergessen. Was er der Oberrealschule gewesen ist, was er auch sonst geleistet hat, versuchte der Berichterstatter in einem Nachrufe an seinem Sarge und in einer Andacht im Schulsaale den Leidtragenden und besonders den Schülern nahe zu bringen. In der Mittagsstunde am Kaisersgeburtstage geleiteten Lehrer und Schüler und viele Freunde von hier und auswärts, darunter vornehmlich die Mitglieder des Kuratoriums, seine irdische Hülle zur Gruft.

Brachten diese erschütternden Trauerfälle Veränderungen in den Gang des Unterrichts, so wurden diese noch vermehrt durch Krankheiten und Beurlaubungen. Leider musste Herr Oberlehrer Dr. Schäfer noch weiter während des ganzen Schuljahres beurlaubt werden, und auch Herr Oberlehrer Schürmann sah sich zu unserem grossen Bedauern genötigt, vom Dezember an bis zum Schlusse des Jahres in Urlaub zu gehen. Wegen einer militärischen Dienstleistung war von Beginn des Schuljahres an bis zum 27. Mai Herr Oberlehrer Dr. Schmidt beurlaubt. Zu Ende des Sommerhalbjahrs verliess unsere Anstalt Herr wissenschaftlicher Hilfslehrer Dr. Madert, um zunächst in München seiner Militärpflicht zu genügen. Der herzlichste Dank und die besten Wünsche für seine Zukunft folgen ihm, der 1 ½ Jahre lang in eifrigster, segens- reicher Weise an der Oberrealschule gewirkt hat.

Für das Entgegenkommen, das bei diesen zahlreich erforderlichen Vertretungen der Oberrealschule entgegen gebracht wurde, sei abermals dem K. Provinzial-Schulkollegium, dem Kuratorium und dem Stadtschulinspektor, Herrn Direktor der höheren Mädchenschule Dr. See- haussen, sowie für die bereitwillige Gewährung der Mittel den städtischen Behörden der ver- bindlichste Dank abgestattet.

In das Lehrerkollegium traten mit Anfang des Schuljahres wegen der Trennung der Ober- von der Unter-Prima und wegen der Teilung der Quarta in zwei Parallelklassen als wissenschaftliche Hilfslehrer ein die Herren cand. prob. Dr. Niemeier und Apel, als Vertreter für die Herren Oberlehrer Dr. Schäfer und Lehrer Schneider die Herren cand. prob. Fuchs und Bürgerschullehrer Wickenhöfer, als Ersatz für die Herren wiss. Hilfslehrer Dr. Madert und Professor Böhmel die Herren cand. prob. Barlen und Dr. Kirchberger.

Niemeier, Alfred, geb. am 11. Juli 1876 zu Braunschweig, luth. Konfession, besuchte das Herzogliche

Neue Gymnasium seiner Vaterstadt, studierte in Göttingen und Berlin Geschichte und Deutsch, erlangte in Berlin 1900 die Doktorwürde und bestand im September 1901 in'Braunschweig das philologische Staatsexamen.