Jahrgang 
1929
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Die starke Kälte konnten wir dank der Sammelheizung, die uns das Jubiläum gebracht hatte, ohne aussetzen zu müssen überwinden; nur der Turnunterricht mußte ein paar Wochen ausfallen. Hoffentlich bringt das neue Jahr die lang ersehnte massive Turnhalle mit Sammel- heizung. Da der Schulgründungstag, der 30. Mai, in die Ferien fiel, mußte die Feier des Frühlingsfestes nach Pfingsten verschoben werden: sie fand am 12. Juni in der üblichen Weise statt.

Am Tage vorher hatte der Direktor in der Aula bekannt gegeben, daß aus dem Er- trag der Jubiläumsstiftung der Stadt Marburg den beiden Oberprimanern Kappner und Meyer je 50 M., und aus den Zinsen der Stiftung ehemaliger Schüler usw. ebenfalls je 50 M. an Stippich UI und Wüstenberg OII verliehen worden seien.

Dann zog die Schule geschlossen zum Dammelsberg, wo Turnvorführungen, Sackhüpfen usw. stattfand; dann wurdeder fahrende Schüler im Paradeis von Hans Sachs aufgeführt; nach einigen Stunden Tanz marschierten wir zurück, und der Direktor überraschte die Schüler, wie üblich, mit der Eröffnung, daß am nächsten Tag der Unterricht erst mit der 3. Stunde beginne.

Die Stiftung der Behring-Werke, Besuch des Deutschen Museums in München, wurde dem Oberprimaner Tuczek zugesprochen; die Bücherspende von Herrn Verlagshändler Braun erhielten: Ritter O III und Trusheim IV.

Die von der Behörde angeordneten Erinnerungsfeiern wurden in angemessener Weise durch Festakt in der Aula gefeiert: zur Verfassungsfeier, an der zugleich Jahns gedacht wurde, sprach am 21. 8. 28 St.-R. Dr. Heckmann; zu Lessings 200. Geburtstag St.-A. Dr. Hadermann; beim Katechismus-Jubiläum St.-R. Dr. Westerburg, derselbe am Volkstrauertag. Am 26. 6. 28 besuchten die Primaner die Kunstausstellung, am 27. 6. die ganze Schule das Festspiel von St. Elisabeth auf dem Schloß. Am 28. 6. besichtigte St.-R. Dr. Heckmann mit der UII das Braunkohlenbergwerk in Frielendorf. Im Juli machte die UI unter Führung von St.-R. Dr. Wysk eine 10tägige Fahrt ins Frankenland; durch kunstgeschichtliche Vorträge wurde die Fahrt vorbereitet...

Auch in diesem Jahr fand eine Weihnachtsaufführung der größeren Schüler für die kleineren, ihre Geschwister und Angehörigen statt, an 2 Nachmittagen. Die Tannenbäume holten wie üblich die Oberklassen aus dem Wald. Die Vorbereitung lag in den Händen von Herrn Dr. Wysk und Dr. Hering; die Ausführung leisteten neben 2 Schülerinnen des Ober- lyzeums unsere Schüler, der Chor, der Orchesterverein.

Herrn Oberschullehrer Dr. Hering sind wir nebst seiner Frau Gemahlin zu besonderem Dank für die Ausgestaltung der Schubertfeier verpflichtet. Herr Dr. Hering half auch mit dem Chor bei einem Abend der Freunde des humanistischen Gymnasiums, wo uns altgriechische Lieder in ihrer Originalmelodie vorgeführt wurden.

Besonderes Interesse fand bei den Schülern der Oberklassen ein Vortrag mit Licht- bildern des Herrn Dr. Rehm aus Bremen über die Verwendung von Mathematik und Physik in der Seefahrt..

An 3 Tagen im Juli mußte hitzefrei gegeben werden.

Die Reifeprüfung begann am 17. 1. 29 mit der praktischen Turnprüfung. Am 20. 2. 29 fand unter dem Vorsitz des Herrn Oberschulrats Prof. Dr. Zühlke die mündliche Reifeprüfung statt, bei der alle Oberprimaner bestanden. Die Entlassung der Abiturienten folgte am 27. 2. 29 in der Aula, bei der der Direktor die Abschiedsrede hielt..

Auch in diesem Jahr konnten durch die Güte von Herrn Geheimrat Birt an 4 Abiturienten als Prämien 4 Werke von ihm verliehen werden. Im Anschluß an die Entlassung fand im Zeichensaal eine Ausstellung der Schülerarbeiten statt, die sich zahlreichen Besuchs erfreute und Herrn Zeichenlehrer Willgerodt viel Anerkennung einbrachte.

Am 1. 3. 29 revidierte der Fachberater für Musik Herr St.-R. Lehmann aus Kassel den Musikunterricht.

Gegen Ende des Schuljahres feierten die Abiturienten des Jahres 1879 ihr 50 jähriges Abiturientenjubiläum, das leider eine Einschränkung dadurch erfuhr, daß 2 der 5 Herren wegen Grippe im letzten Augenblick auf die Teilnahme verzichten mußten. Zur Erinnerung an die Feier schenkten die Herren für die Aula eine schöne Büste des jungen Goethe.

Der im Vorjahr eingeführte Milchausschank bewährte sich auch in diesem Jahr und wurde fleißig ausgenutzt:.