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h) Schülerselbstverwaltung.
An der Schule besteht ein Schülerturnverein und ein Musikverein; beide werden von den Schülern selbständig verwaltet, das Orchester unter ständiger Hilfe des Musiklehrers. Zur Verwaltung der Hilfs- und Unterstützungsbücherei werden die Schüler herangezogen, ebenso für die Verwaltung der Sammlungen für Physik, Naturwissenschaft, Erdkunde und Geschichte. In jeder Klasse ist ein von den Schülern selbständig gewählter Vertrauensmann. Ein Nach- mittag in der Woche war aufgabenfrei. Tageswanderungen machte jede Klasse zweimal im Semester, die Oberklassen in Gestalt einer 2 tägigen Wanderung. Zweimal fuhren die Schüler zum Besuch des Theaters nach Cassel. Rudersport können wir nicht treiben. Ein Schularzt ist nicht vorhanden.
i)
Das Schulgeld beträgt vom 1. 4. 1926 ab 200 Mk. im Jahr, monatlich zahlbar in Beträgen von 17, 17 u. 16 Mk. Von dem Bruttoaufkommen an Schulgeld werden 20% zu sozialen Zwecken verwandt. Da hier in Marburg die sogenannten Geschwisterermäßigungen mehr als 15% des Schulgeldes in Anspruch nehmen, bleiben, wenn nicht eine Aenderung der
Bestimmungen eintritt, für Schulgeldermäßigungen, Freistellen und Unterstützungs- sowie Hilfs- bibliothek nur sehr geringe Mittel— nicht ein Fünftel der bisher vorhandenen— zur Verfügung.
k)
Auch in diesem Jahr fanden besondere Veranstaltungen zur Berufsberatung nicht statt. Die Schule läßt keine Gelegenheit unbenutit, um zur Kenntnis der Eltern und der Schüler zu bringen, was sie über besondere Berufseignung beobachtet, in der Regel so gut wie ohne jeden Erfolg. Die Angaben über den gewählten Beruf bei der Liste der Abiturienten sind ohne Zuverlässigkeit.
Das Bestreben der Schule, Berufskenntnis durch Führung in technischen Betrieben zu schaffen, begegnet z. T. unüberwindlichen Schwierigkeiten infolge der Haftpflichtgesetzgebung.
IWV. Der Elternbeirat
wurde am 3. 6. 1924 neugewählt; aus ihm schieden aus: infolge Todesfalls: Oberlandmesser Sauer; weil er keine Kinder mehr auf der Schule hatte, zu Ostern 1926: Sanitätsrat Dr. Hoff- mann und sein Ersatzmann: Rechnungsrat Voeckel. Danach besteht jetzt der Elternbeirat aus: Herrn Oberst v. Bartenwerffer, als Vorsitzendem, Frau Pfarrer Ganss, Herrn Prof. Dr. Claussen, Herrn Juwelier Freund, Herrn Architekten Bauer.
Der Elternbeirat berief eine Elternversammlung, um von sich aus zu helfen, daß die baulichen Verhältnisse der Schule möglichst bald eine Besserung erführen.
V. Verschiedenes.
1. Bei der strengen Kälte des letzten Winters zeigte sich wieder mit erschreckender Deutlichkeit die absolute Unzulänglichkeit der Heizungs- und Abortverhältnisse; auch machte sich bei der großen Stärke der Oberklassen der Mangel von Reserveklassen fühlbar. Hoffent- lich gelingt es, bis zum nächsten Jahr die erheblichen Mittel zur Abstellung der Uebelstände zu beschaffen.
Ein Teil der Klassen und Treppenhaus und Flur konnten endlich in einen würdigen Zustand versetzt werden.
2. Der Ausbau der physikalischen Lehrmittelsammlung geriet infolge der allgemeinen Notlage ins Stocken.
3. Die Oberprimaner Hamann und Uffenorde trugen für die hiesige Ortsgruppe des Gymnasialvereins an einem Abend Platons Kriton in deutscher Uebersetzung vor. Vorher ging die Aufführung vom Aeschylus Persern in der Uebersetzung durch Unterprimaner. Beide Leistungen belohnte reicher Beifall des zahlreichen Publikums.


