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Lehrplan für Musik(Hering). Methodische Bemerkungen.
Der Musikunterricht der Unterstufe(VI, V) wird sein Hauptarbeitsgebiet im-Gesange haben; denn alle psychischen Spannungen und Lösungen beim Erleben der Musik finden in ihm ihren Ausdruck und damit die geeignetste Kontrolle.
Er vermittelt die grundlegenden theoretischen Kenntnisse und erweckt die Ton- vorstellungen(als Beziehungsvorstellungen) und ruft das Gefühl für die zwischen den Tönen wirkenden Kräfte wach, zunächst unbewußt.
Die Mittelstufe(IV— O III) wird die Tonvorstellungen weiter verknüpfen und die harmonischen bezw. linearen Beziehungen in ihrer formgestaltenden Kraft erkennen lehren und das im Innern bei aktiver Mitarbeit entstehende subjektive Klangbild mit dem objektiv Gehörten vereinigen, evtl. unter Korrektur des Gehörten.
Die Oberstufe(U II— O I) wird das in dem Ablauf der Musik erkannte und rein formal erlebte Kräftespiel zu dem persönlichen Erleben und zu den in den anderen Fächern erworbenen Kenntnissen in Beziehung zu setzen haben. Die gleichzeitige Erkenntnis des organischen Auf- baus der musikalischen Form wird den Sinn für das Wesentliche in der Musik erwecken und damit dem Urteil eine Grundlage geben.
Um zum aktiven Musikhören zu erziehen, werden auf allen Stufen Improvisation und Tondiktat gepflegt. Auf der Unterstufe empfiehlt es sich, zu den im Deutschunterricht gelernten Gedichten Melodien erfinden zu lassen, um am Beispiel das Empfinden für die Beziehungen zwischen Wort und Ton wachzurufen. In späteren Stufen werden Vertonungen der behandelten Gedichte besprochen und gegebenenfalls verschiedene Vertonungen desselben Gedichtes neben- einander gestellt.
Zur Einführung in die Verschiedenheiten des musikalischen Stiles und der Gestaltung eignen sich am besten Variationswerke.
Die musikgeschichtlichen Belehrungen sollen den Blick für die Eigenheiten der einzelnen Stilperioden wecken und die Beziehung ihrer Eigenart zu dem Gesamtcharakter des Zeit- alters zeigen.
Auf allen Stufen werden Volkslieder und Choräle in angemessener Auswahl gesungen.
Da die Möglichkeit zum Hören größerer Musikaufführungen in Marburg beschränkt ist, werden die Schüler für die Aufführungen des Konzertvereins im Unterricht vorbereitet.(Für Schüler stets halbe Preise).
Das Instrumentalspiel wird in einer Wochenstunde gepflegt; es werden besonders die Werke der vorklassischen Periode durchgearbeitet.
Bei der Tonbildung ist auf die Gewinnung der richtigen Luftfunktion(d. h. dem Gleich- gewicht zwischen dem geringsten Luftdruck und der Stimmbandspannung) besonderes Gewicht zu legen(„Minimalluft“). Nur bei dieser Funktion haben die Stimmorgane die geringste An- spannung, der Hals öffnet sich und gleichzeitig erweitern sich die oberen Resonanzräume ge- schmeidig. Nach Gewinnung dieser Grundfunktion wird das Gefühl für eine bestimmte Führung des Tones in die vordere Resonanz angebahnt unter steter Bewahrung des ungezwungenen Halses.
Getrennte Atmungsübungen(sogen. Tiefatmungsübungen, Uebungen im langsamen gleich- mäbßigen Ausatmen) bewirken leicht eine Festlegung der Halsmuskulatur und, wenn nicht völligen Verschluß, so doch mindestens Verengung der oberen Resonanz. Bei bewußter Tief- atmung tritt meist Registerbruch ein, während sich bei der rechten Luftfunktion der Ausgleich der Register automatisch ergibt.
Zur Gewinnung der Minimalluftfunktion ist es ratsam, von der Residualluft auszugehen. Bei zurückgehaltenem Atem(Stauung) tritt eine Versteifung der Atemmuskulatur ein, und so wird das Zwerchfell in seiner Tätigkeit als phonatorischer Muskel behindert.
Die Zeit bis zur Gewinnung der einheitlichen Luftfunktion wird in der Sexta zur Grundlegung der rhythmischen Kenntnisse genützt. Ausgehend von dem Metrum des Wortes werden die elementaren rhythmischen Grundbegriffe gewonnen(Taktart, Auftakt, Volltakt usw.), gestützt durch Schrittübungen nach Musik, um die körperliche Erfassung des Rhythmischen zu wecken.


