Jahrgang 
1925
Einzelbild herunterladen

12

Schulanfang fertig zu haben. Dazu kam das Ausscheiden von Lehrern, die infolge der Ver- kürzung der Stundenzahl, der Erhöhung der Pflichtstunden und der Verordnungen über den Personalabbau hier überzählig waren. Außerdem traten mehrere Lehrer neu ins Kollegium ein. Auch bei den Schülern war größere Bewegung als sonst, weil die aus dem besetzten Gebiet aufgenommenen Schüler im Berichtsjahr fast alle zurückkehrten. Am 23. 5. 24 revi- dierte der Referent im Ministerium, Herr Oberschulrat Dr. Sondag, die Schule, am 21. 11. der Dezernent im Provinzialschulkollegium, Herr Vizepräsident Geheimrat Dr. Borbein, der auch am 24. 2. 25 die mündliche Reifeprüfung abhielt. Da der Verfassungstag in die Ferien fiel, wurde der 19. 8. 24 für die nachträgliche Feier bestimmt. In Uebereinstimmung mit der Uni- versität wurde der Reichsgründungstag durch öffentliche Schulfeier begangen. Die Abiturienten- entlassung fand am 4. 3. 25, statt; bei ihr wurde des Todes des Reichspräsidenten gedacht. Sonst sind bemerkenswerte Ereignisse im Schulleben nicht zu verzeichnen.

VII. Erlasse und Verfügungen.

1. Durch Erlaß vom 12. 3. 1924 hat der Herr Minister festgesetzt, daß für die Auf- nahme in die Sexta Folgendes zu fordern ist:

Heimatkunde. Bekanntschaft mit der heimatlichen Umwelt, Fähigkeit zur Wiedergabe einiger heimatlicher Sagen und Geschichten, soweit die Umwelt Anknüpfungspunkte dafür bietet, Verständnis der wichtigsten erdkundlichen Grundbegriffe, für die die Heimat den anschaulichen Inhalt liefert, einiges Verständnis eines einfachen Planes des Heimatortes und einer einfachen Karte seiner nächsten Umgebung(Kreiskarte), Kenntnis einiger wichtiger Pflanzen und Tiere der Heimat.

Deutsch. Fähigkeit zur Anfertigung einer kurzen Niederschrift über einen Gegenstand, der der kindlichen Erfahrung oder Einbildungskraft naheliegt, ohne wesentliche Verstöße gegen die Rechtschreibung(in Bezug auf lauttreue Schreibung, Umlaut, Kürze und Länge der Selbst- laute, Großschreibung der Dingwörter) und den Satzbau. Bei der Wahl des Gegenstandes und der Fassung der Aufgabe ist einige Freiheit zu lassen. Kenntnis der lateinischen Schrift. Fließendes, lautrichtiges und sinngemäßes Lesen leicht faßlicher Lesestücke in deutscher und lateinischer Druckschrift. Wiedererzählung des Hauptinhalts, sofern sich das Stück dazu eignet. Sprechen einiger selbstgewählter Gedichte mit deutlicher Aussprache und schlichtem Vortrag. Einige Sicherheit im Bestimmen der Teile eines einfachen Satzes(Satzgegenstand und Satz- aussage) und der wichtigsten Wortarten(Dingwort, Zeitwort, Eigenschaftswort, Zahlwort, Für- wort). Erkennen und Bilden der wichtigsten Biegungsformen des Dingwortes und des Zeit- wortes(Gegenwart, 1. N usendein und Zukunft der Wirklichkeit in der Tätigkeitsform).

Rechnen. Schätzem anschaulich gegebener Längen, Kenntnis der Geldscheine und Geldstücke und der wichtigsten Längen- und Flächenmaße und Gewichte. Verständige Lösung kleiner Sachaufgaben aus dem Gesic treis der Kinder, deren sprachliche Einkleidung keine Schwierigkeiten bietet. Sicherheit im kleinen Einmaleins: und in den darauf zurückgehenden Teilungsaufgaben, im Zusammenzählen. ziehen und Vervielfältigen. Kopfrechenaufgaben mit leicht behaltbaren Zahlen. Bekanntschaft mit den einfachén Brüchen. Lösung leichter entsprechender Aufgaben. Schriftliches Zusammenzählen. Abziehen. Malnehmen und Teilen (das letzte mit höchstens zweistelligen Teilern) im Zahlenraum bis etwa zur Million.

Zeichnen. Zeichnen eines einfachen, dem Kinde vertrauten Gegenstandes aus dem Gedächtnis(mit Stift oder Kohle).

2. Im Bedürfnisfall kann an der Schule wahlfreier Unterricht besonders im Hebräischen und Französischen eingerichtet werden; die Kosten sind von den Teilnehmern zu tragen; sie werden vierteljährlich von der Kasse repartiert und eingezogen. Wer sich für den Unterricht meldet, ist zur Teilnahme für mindestens ein Halbjahr verpflichtet..

3. Die Ferien für das kommende Schuljahr sind vom Oberpräsidenten wie folgt festgesetzt: Ostern 1925 vom 4. 4. 1925 bis 21. 4. 1925. Pfngsten vom 29. 5. 1925 bis 9. 6. 1925. Sommer vom 17. 7. 1925 bis 18. 8. 1925. Herbst vom 29. 9. 1925 bis 14. 10. 1925. Weihnachten 1925 vom 23. 12. 1925 bis 7. 1. 1926. Ostern 1926 vom 27. 3. 1926.

Marburg, den 1. Mai 1925. Der Direktor: Dr. phil. Cornelius Hölk.