12
Am 29. Juli wurde dem Herrn Professor Dr. Schumann der Rote Adler-Orden 4. Klasse verliehen.
Eine Reifeprüfung fand am 16. September unter dem Vorsitz des Herrn Provinzial- schulrat Kanzow statt. Den beiden Prüflingen mußte das Zeugnis versagt werden.
Der 52. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner, die vom 30. Sept. bis zum 3. Oktober in Marburg tagte, wurde als Festgabe gewidmet die Abhandlung von Herrn Oberlehrer Dr. Klee, Lessings Stellung zu den positiven Religionen. Am 29. Sept. fand in der Aula unserer Anstalt die zahlreich besuchte Jahresversammlung des deutschen Gymnasial- vereins statt. Am Nachmittag veranstalteten wir eine Schüleraufführung, und zwar wurden gespielt: 1. Die Spürhunde des Sophokles(frei übersetzt und ergänzt von C. Robert), 2. die Schiedsgerichtsszene aus Menanders Epitrepontes(in der noch ungedruckten Ubersetzung von A. Körte), 3. zwei Szenen aus der Absurda Comica oder Herr Peter Squentz von Andreas Gryphius. Zu besonderm Danke sind wir Herrn Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Robert in Halle verpflichtet, der uns die Benutzung seiner Ubersetzung gestattete und freundlichst vermittelte, daß uns der Lauchstedter Theaterverein die Kostüme zu den beiden ersten Stücken unentgeltlich lieh, sowie Herrn Universitäts-Musikdirektor Prof. Dr. Jenner, der zu den Spürhunden die Musik geschrieben und ihre Einübung selbst übernommen hatte. Die Stücke waren von Herrn Oberlehrer Dr. Klee aufs sorgsamste eingeübt. Die zahlreich erschienenen Gäste nahmen die„stimmungsvolle Aufführung“(s. Berliner Philol. Wochenschrift 1914 Sp. 1) freundlich auf. Auf vielfachen Wunsch fand am folgenden Tage für die Mitglieder der Philologenversammlung eine Wiederholung statt. Der Gymnasialverein hat uns durch seinen Vorsitzenden, Herrn Geh. Hofrat Prof. Dr. Uhlig in Heidelberg, zur Erinnerung an die Aufführung den Kopf des Sophokles aus dem Lateran geschenkt, der fortan einen Schmuck der einen Prima bildet, und der Vorstand der Philologenversammlung hat uns zum Ersatz eines Teiles der beträchtlichen Unkosten 300 Mk. überwiesen; wir gedenken sie als Grundstock einer„Spürhunde-Stiftung“ anzulegen, aus der bedürftige Schüler bei Turnfahrten u. dgl. eine kleine Unterstützung erhalten sollen. Den Spendern aber sagen wir auch an dieser Stelle unsern verbindlichsten Dank.
Das Wintersemester begann mit der Einführung des Herrn Oberlehrer Lieberknechts), der aus Weilburg an das Gymnasium Philippinum in die durch Abgang des Herrn Professor Dr. Brackmann frei gewordene Stelle versetzt war. Herr Kandidat Dr. G. Schmidt, der die Stelle verwaltet hatte, wurde als Oberlehrer an das Königliche Gymnasium in Weilburg versetzt. Wir sahen ihn nur ungern von uns scheiden und entließen ihn mit den besten Wünschen für seine Zukunft. Gleichzeitig trat Herr Pfarrer Dr. Weber von der Stellung als katholischer Religionslehrer zurück, die er 31 Jahre mit großem Erfolg versehen hatte. Aus Anlaß des Rücktrittes wurde ihm der Rote Adler-Orden 4. Klasse verliehen. Der Kandidat Herr Dr. Heukrath blieb auch weiter am Gymnasium Philippinum, während der Kandidat Herr Dr. Steinbrecher an die Oberrealschule hierselbst überwiesen wurde. Der Kandidat des höheren Lehramts Herr Dr. Wöbbeking trat sein Probejahr an.
Am 18. Oktober beteiligten wir uns nach der Verteilung der überwiesenen Bücher an dem Festzug durch die Stadt und dem Feldgottesdienst auf dem Kämpfrasen und nach- mittags an dem Schauturnen.
Das Reformationfest feierten wir am 31. Oktober in gewohnter Weise. Die An- sprache hielt Herr Oberlehrer Lieberknecht.
Am 3. und 4. Dezember unterzog Herr Provinzialschulrat Kanzow die Anstalt einer Revision. Wir sind ihm für vielfache Ratschläge und Anregungen zu aufrichtigem Dank verpflichtet.
*) Friedrich Ferdinand Immanuel Lieberknecht, geboren am 28. September 1879 in Breitau, Reg.-Bez. Cassel, besuchte das Gymnasium in Bad Homburg v. d. Höhe und Marburg, studierte von Ostern 1898 in Erlangen, Halle, Basel und Marburg Theologie und Philologie, bestand Frühjahr 1905 die Prüfung für das höhere Schulamt, leistete 1905 in Frankfurt a. M. sein Seminarjahr und 1906 in Marburg am kKgl. Gymnasium sein Probejahr ab unter gleichzeitiger Bekleidung einer wissenschaftlichen Hilfslehrerstelle. Zum 1. Juli 1909 wurde er zum Oberlehrer am Kgl. Gymnasium in Weilburg ernannt.


