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23. Jan. 1914. Je ein Exemplar Graf E. von Reventlow, Deutschland zur See, und Leberecht, Auf, über, unter Wasser, werden als Prämien an besonders gute Schüler zur Ver- teilung am Geburtstage S. Majestät übersandt.
31. Jan. 17 auswärtige Prüflinge werden zur Ablegung der Reifeprüfung überwiesen.
16. März. Der sechsstündige Vormittagsunterricht wird bis auf weiteres genehmigt.
III. Chronik der Schule.
Am Ende des vergangenen Schuljahres schied Herr Professor Dr. Brackmann aus dem Kollegium aus, dem er seit Ostern 1905 angehört hatte, und trat ganz zur Universität über. Dem Gymnasium Philippinum ist seine reiche Kraft leider nur wenig zustatten gekommen; denn er ist nur kurze Zeit(Ostern 1905— 6 und Ostern 1907 bis zu den Sommerferien) an ihm tätig gewesen, und auch dann nur mit der Hälfte der Pflichtstunden.
Das neue Schuljahr begann am 4. April unter großen Schwierigkeiten: der Bericht- erstatter konnte sein Amt erst am 1. Mai antreten, zugleich war Herr Oberlehrer Dr. Klee zu einer Reise ins Heilige Land beurlaubt und der Herr Kandidat Dr. Schmidt zu einer militärischen Ubung eingezogen. Die Vertretung übernahmen die Herren Kandidat G. Vilmar, den das Königliche Provinzial-Schulkollegium zur Aushilfe überwiesen hatte, Kandidat Dr. Heukrath und die Mitglieder des Kollegiums.— Der Kandidat des höheren Lehramts Herr Dr. R. Manns trat sein Probejahr an.
Die Einführung des Berichterstatters“*) fand am 3. Mai durch den Herrn Provinzial- schulrat Kanzow statt, der dabei in warmen Worten des verstorbenen Herrn Direktor Dr. Aly gedachte. Nach einer kurzen Begrüßung namens des Kollegiums durch Herrn Professor Dr. Schumann suchte der Berichterstatter u. a. kurz zu zeigen, wie unberechtigt der Vorwurf sei, daß das Gymnasium sich um die Charakterbildung seiner Zöglinge nicht kümmere.
Das fünfundzwanzigjährige Regierungsjubiläum Seiner Majestät des Kaisers und Königs begingen wir am 16. Juni. Die Festrede hielt der Direktor.
Am 15. Juli besuchte mit Erlaubnis der vorgesetzten Behörde Herr Lundquist aus Skara(Schweden) den Unterricht, am 23. August Herr Davison aus Middleburg, Vermont.
Die Freude der Sommerferien wurde leider durch eine tief erschütternde Trauer- nachricht getrübt: am 22. Juli wurde ein wackerer Schüler, Bernd Richarz 0II, im Alter von fast 15 Jahren bei Braunwald in der Schweiz vom Blitz erschlagen. Und kaum hatte die Schule wieder begonnen, da mußten wir einen andern trefflichen Schüler derselben Klasse, Hans Walter Mogk, zu Grabe geleiten, der am 24. August nach kurzem, aber schwerem Leiden im Alter von 16 Jahren abberufen war. Wir betrauerten mit den Eltern den Tod der hoffnungsvollen Jünglinge.
*) Karl Heinrich Fuhr, geb. den 13. August 1853 in Bückeburg, vorgebildet auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt und den Universitäten Halle, Leipzig und Bonn, wurde am 15. März 1877 in Bonn auf Grund der Dissertation„Animadversiones in oratores Atticos“ zum Doktor promoviert und bestand die Staatsprüfung ebendort am 11. Dezember 1877. Das am Kgl. Gymnasium zu Bonn begonnene Probejahr vollendete er von Ostern 1878 an am städtischen Gymnasium in Elberfeld unter gleichzeitiger Bekleidung einer wissenschaftlichen Hilfslehrerstelle. Herbst 1879 wurde er ordentlicher Lehrer, Ostern 1886 Oberlehrer. Ostern 1891 wurde er als Professor an das Kgl. Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin berufen. Durch allerhöchsten Erlaß vom 19 Sept. 1911 wurde er zum Gymnasialdirektor ernannt und erhielt die Direktion des Kgl. Gymnasiums in Luckau.
Außer Aufsätzen und Besprechungen in dem Rhein. Museum, der Wochenschrift f. kl. Philologie, der Deutschen Literaturzeitung und der Berliner Philologischen Wochenschrift, deren alleiniger Herausgeber er seit 1906 ist, sind im Druck erschienen: Miszellen in der Festschrift f. W. Crecelius und Rhetorica in den Novae symbolae Joachimicae. Von den ausgewählten Biographien Plutarchs, hrsg. von C. Sintenis, hat er die 4. Aufl. des 2. und des 3. Bändchens besorgt, von den Ausgewählten Reden des Lysias, hrsg. von R. Rauchen- stein die 8.— 11. Aufl., von den Ausgewählten Reden des Demosthenes von C. Rehdantz u. F. Blaß die 9. Aufl. des 1. Heftes des I. und die 2. Aufl. des II. Bandes, von der Andokidesausgabe von F. Blaß die 4. Aufl., sowie die Herausgabe des I. Bandes der Kleinen Schriften von H. Usener. Herausgegeben hat er die Reden des Demosthenes, Band I.


