Jahrgang 
1913
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der Bildung zurückkehren, das war seine felsenfeste Überzeugung, und für diese seine Auf- fassung wußte er auch die ihm anvertraute Jugend zu erwärmen. Ich habe es aus dem Munde manches seiner älteren Schüler gehört, daß sie es, besonders im griechischen Unterricht, wohl empfunden hätten: der Ilerr Direktor gebe ihnen das Beste seines eigenen Innern.

Diese Anschauung vom Werte des humanistischen Gymnasiums führte ihn dann bald in den öffentlichen Kampf um die höhere Schule, und mit Festigkeit und Stärke, mit Mut und Entschlossenheit hat er hier unentwegt für seine Sache gekämpft und sich Achtung und An- erkennung selbst bei denen errungen, die ihm hier nicht in allen Punkten zu folgen vermochten.

Über alle diesem Wogen des Streites vergaß der Heimgegangene aber niemals, die erzieherische Wirksamkeit als die erste Aufgabe der Schule anzusehen.Unser Vaterland wird seine Stellung in der Welt nur dann behaupten, wenn das künftige Geschlecht zur fester Willensstärke und strengem Pflichtbewußtsein herangebildet wird, ähnliche beherzigenswerte Worte habe ich zu wiederholten Malen aus seinem Munde vernommen. Vor allen Dingen suchte er da bei der Ausübung seines Berufs durch sein eigenes Vorbild zu wirken. Wir alle sind des Zeugen, wie er bis zum letzten Augenblick seine Pflichten als Leiter der Austalt und als Lehrer der Jugend mit unermüdlichem Eifer erfüllte. Wohl niemals hat es ihm jemand im Dienste anmerken können, daß er in den letzten Jahren doch manchmal mit körper- lichen Schwächen und Gebrechen zu ringen hatte. Mochte seine Außenseite auch bisweilen herb und rauh erscheinen, wo er auf treuen Fleiß und tüchtigen Sinn traf, da hat er seine Arbeitsgenossen und seine Schüler mit Liebe und Wohlwollen bis weit über die Grenzen der Schule hinaus gern beraten und geleitet.

Als ein treuer Haushalter Jesu Christi suchte er so mit dem ihm anvertrauten Pfunde zu wirken und zu schaffen, solange es Tag war. In solcher Gestalt wird sein Andenken, das kann ich als beauftragter Sprecher des Lehrerkollegiums hier öffentlich erklären, bei Lehrenden und Lernenden unserer Anstalt für alle Zeit fortleben. Requiescat in pace!

Unter Niederlegung von Kränzen sprachen ferner noch am Sarge Herr Professor Dr. Elster, als Vertreter der wissenschaftlichen Prüfungskommission der philosophischen Fakultät der Universität Marburg, deren Vertreter Herr Direktor Aly bis zu seinem Tode gewesen war, im Namen des Lehrerkollegiums der hiesigen Oberrealschule und des Reform-Realgymnasiums Herr Direktor Knabe, im Namen des der Elisabethschule Herr Direktor Dr. Seehaußen. Mit zwei Versen des Liedes:Ich weiß, an wen ich glaube und einem Schlußgebet des Herrn Pfarrer Eisenberg schloß die Feier. Dann wurde der Leichnam unter dem Geleit der Lehrer und Schüler des Gymnasiums und eines zahlreichen Trauergefolges zum Nord- bahnhof überführt, um in Magdeburg die letzte Ruhestätte zu finden. Vom Lehrerkollegium nahmen vier Herren an der Beerdigung teil. Die Schwesteranstalten unserer Stadt drückten dem Gymnasium ihre Teilnahme außerdem schriftlich aus, ebenso das Kgl. Provinzialschul- kollegium zu Cassel, dessen Departementsrat für Marburg leider durch eine Dienstreise ver- hindert war, an der Trauerfeier teilzunehmen. Wir erhielten von dort folgendes Beileidsschreiben:

Der schwere Verlust, den das Gymnasium Philippinum durch den unerwarteten Tod seines bisherigen Leiters, des Herrn Direktors Dr. Aly, erlitten hat, ruft unsere lebendige Teilnahme wach. Wir beklagen mit dem Lehrerkollegium das allzufrühe Abscheiden eines Mannes, der, mit reichen Geistesgaben ausgestattet, unter unermüdlicher Hingabe an sein Amt und mit trefflichem Erfolge mehr als zwölf Jahre lang die Anstalt kraftvoll geleitet und sich um ihre Entwickelung in hohem Maße verdient gemacht hat. Ihm und seiner Wirksamkeit werden wir ein dankbares Andenken bewahren.

gez. Hengstenberg. Paechler.

Unsere Trauer verbot es, den 27. Januar, Seiner Majestät Geburtstag, wie sonst durch Aufführung eines vaterländischen Schauspiels zu feiern, wozu alle Vorbereitungen getroffen waren. Aus demselben Grunde wurde die eng damit zusammenhängende Festrede nicht gehalten. Beides wird im Verlauf des nächsten Schuljahrs nachgeholt werden. Die ganz interne Feier begann mit den beiden ersten Versen des ChoralsLobe den Herren. Darauf hielt Herr Dr. Klee eine Andacht im Anschluß an den 21. Psalm, der stellvertretende