21 III. Chronik des Gymnasiums.
Nachdem Montag den 10. April die Prüfung der angemeldeten Schüler vorgenommen worden war, wurde am Dienstag den 11. April vormittags 7 Uhr das neue Schuljahr mit einer gemeinsamen Andacht eröffnet, an welche sich die Verlesung und Erläuterung der Schulordnung und sodann die feierliche Aufnahme und Verpflichtung von 55 neu eintretenden Schülern anschloss.
Hierauf widmete der Direktor dem am Schluss des vorigen Schuljahres(s. das Progr. v. 1899 S. 29!) zum Direktor des in der Umwandlung zu einem Gymnasium mit Realschule begriffenen Progymnasiums zu Höchst am Main berufenen Oberlehrer Dr. Adolf Lan ge warme Worte des Dankes für seine unserem Gymnasium in sechsjähriger Arbeit gewidmete verdienst- volle Thätigkeit und wünschte demselben im Namen seiner bisherigen Amtsgenossen und Schüler Gottes reichsten Segen in seinem neuen Amte.— Da Herr Oberlehrer Dr. Lange einstweilen, bis zu seiner demnächstigen Bestätigung als Direktor, aus seiner hiesigen Stellung nur beurlaubt werden konnte, so musste zunächst für ihn eine Vertretung beschafft werden. Zu dieser hatte das K. Prov.-Schulkollegium den Kandidaten des höheren Schulamts Franz Pellens*) aus Frankfurt a. M. bestimmt, welcher zum Schluss der Eröffnungsfeier von dem Direktor den Lehrern und Schülern vorgestellt wurde.
Für die erste Woche des neuen Schuljahrs war der Oberlehrer Schenkheld beur- laubt; seinen Unterricht übernahm der Hilfslehrer Karl Lorch, dem für seine schon so oft bewährte Freundlichkeit gegen unsere Anstalt auch jetzt der wärmste Dank gebührt.
Nachdem die Direktoren des Gymnasiums und der Oberrealschule sich günstig über die von ihnen im vorigen Sommer mit der Ausdehnung des Vormittagsunterrichts gemachten Er- fahrungen ausgesprochen hatten, trat diese Einrichtung auch im laufenden Sommerhalbjahr ins Leben und wird bis auf weiteres für die Sommerhalbjahre beibehalten werden.
Mit dem Schulanfang übernahm der Kandidat Dr. Wilhelm Vilmar, der nach wohl- bestandenem Berliner Turnkursus in seine hiesige Heimat zurückgekehrt war, mit Genehmigung des K. Prov.-Schulkollegiums aushilfsweise für die Monate April und Mai den Turnunterricht in drei Klassen..
Durch Erlass des Herrn Ministers der geistl. etc. Angelegenheiten wurde der Direktor auch für das Geschäftsjahr 1899 zum stellvertretenden Direktor der K. Wiss. Prüf.-Kommission und zu deren Mitglied für die allgemeine Prüfung mit Ausnahme der katholischen Religionslehre, ferner der Professor Loeber zum Mitglied für das Deutsche ernannt.
Der am 10. Mai in Hanau abgehaltenen 24. Jahresversammlung der Lehrer höherer Unterrichtsanstalten der Provinz Hessen-Nassau und des Fürstentums Waldeck wohnten zwei
Lehrer unseres Gymnasiums bei.
*) Franz Pellens, geb. den 1. Mai 1859 zu Hannover, evangel. Konfession, besuchte eine Realschule und darauf ein Gymnasium(Lyceum I) seiner Vaterstadt, studierte in Göttingen und Strassburg Theologie und Philologie und bestand im Sommer 1887 in Strassburg die Prüfung pro fac. doc. in Religion, Lateinisch und Griechisch, später im Mai 1897 zu Marburg die im Hebräischen. Nach Ableistung des Probejahres an dem Real- gymnasium zu Wiesbaden(von Ostern 1889 an) und weiterer Beschäftigung an dieser Anstalt als wiss. Hilfslehrer, nahm er vom Oktober 1890 bis April 1891 an einem Kursus zur Ausbildung von Turnlehrern in der Königl. Turn- lehrer-Bildungsanstalt zu Berlin teil und war seit Oktober 1891 bis Ostern 1899 teilweise als Haus- oder Privat- lehrer, teilweise zur Vertretung beurlaubter Lehrer an den Gymnasien, bezw. Realgymnasien zu Cassel, Hersfeld und Frankfurt a. M. beschäftigt. Endlich wurde er durch Verf. des K. Prov.-Schulkollegiums vom 5. April. d. Js.
mit einer Vertretung am hiesigen Gymnasium beauftragt.


