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Freitag den 14. Januar 1898 war Herr Geh. Rat Dr. Lahmeyer von(assel hier anwesend und wohnte während des Vormittags dem Unterricht in verschiedenen Klassen des Gymnasiums an.
Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs wurde Donnerstag den 27. Januar in der festlich geschmückten Aula mit einem Festakt gefeiert, bei welchem Vorträge des Sängerchors mit Deklamationen der Schüler abwechselten. Die Bibellektion und das Gebet sprach der Direktor. Die Festrede»Über die dichterische Gestaltung des Mythus der Götter- dämmerung durch Richard Wagner« hielt der Oberlehrer Schenkheld. Am Schluss der Feier übergab der Direktor die von Sr. Majestät dem Kaiser und König Allergnädigst als Prämie für besonders gute Schüler zur Verfügung gestellten 3 Exemplare des Werkes»Deutschlands Seemacht sonst und jetzt« von Kapitänlieutenant a. D. Wislicenus mit Worten ehrerbietigen Dankes für den hohen Geber an die von dem Lehrerkollegium ausgewählten Schüler, den Oberprimaner Wilhelm Achelis, den Unterprimaner Rudolf Manger und den Obersekundaner Hans Niese.
In den Tagen vom 31. Januar bis zum 5. Februar fertigten die diesjährigen Abiturienten die schriftlichen Arbeiten der Reifeprüfung an.
Dienstag den 8. Februar gab der von Herrn Musikmeister Noack geleitete Musikverein der Schüler eine zweite Abendunterhaltung. Auch diesmal erfreuten sich die Leistungen und das Streben der jungen Künstler des wohlverdienten Beifalls der Zuhörer. Einen Teil des Reinertrags überwies der Vorstand des Vereins in dankenswerter Weise dem in der Gründung begriffenen»Stipendium früherer Schüler«.
In den Tagen vom 26. Februar bis zum 3. März schrieben die Schüler der Untersekunda die Arbeiten der Abschlussprüfung.
Oberlehrer Dr. Schäfer I., welcher als Geschworener einberufen war, konnte am 7. März und den folgenden Tagen nur einen Teil seines Unterrichts übernehmen.
Nachdem der Oberlehrer Dr. Euler bei der Neuwahl der städtischen Behörden zum Stadtverordneten gewählt war, genehmigte das K. Prov.-Schulkollegium durch Verfügung vom 9. März die Annahme dieser Wahl.
Am Nachmittag des 14. März hielt der Schüler-Turnverein sein alljährliches Schau-— turnen ab. Dasselbe erfreute sich eines sehr zahlreichen Besuches von Eltern und Angehörigen der Schüler und von andern Turnfreunden. Gestützt auf das Urteil der Turnlehrer und anderer Sachverständigen konnte der Direktor am Schluss der Ubungen den jungen Turnern für ihre ausgezeichneten Leistungen und den guten Geist der Ordnung und Zucht, der in diesem sich selbst regierenden Schülerverein waltet, volle Anerkennung aussprechen. Die Vorstellung schloss mit einem dreifachen Gutheil für Se. Majestät, den hohen Förderer der körperlichen Ausbildung der Jugend.
Am 22. und 23. März wurde unter dem Vorsitz des unterz. Direktors die Entlassungs- prüfung abgehalten, an deren Schluss 21 Oberprimanern das Zeugnis der Reife zuerkannt werden konnte. Neun derselben wurden auf Grund ihrer Schulleistungen, ihrer schriftlichen
Berlin und Marburg klassische Philologie und deutsche Sprache. Im Mai 1889 promovierte er und bestand im Dezember desselben Jahres die Prüfung pro facultate docendi vor der wiss. Prüfungskommission zu Marburg. Von Herbst 1889 bis ebendahin 1890 leistete er sein pädagogisches Probejahr am K. Gymnasium zu Hanau ab und war dann als wiss. Hilfslehrer bis Ostern 1894 an dieser Anstalt thätig. Während dieser Zeit genügte er auch seiner Militärpflicht. Von Ostern 1894 bis Herbst 1897 wirkte er als Hauslehrer in Antwerpen, Lausanne und Darmstadt. Dann vertrat er während eines Vierteljahres den Oberlehrer Zimmermann am K. Wilhelmsgymnasium zu Cassel und ward im Januar 1898 zur Vertretung des beurlaubten Prof. Hohenthal hierher berufen.


