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Der Sedantag wurde in der üblichen Weise gefeiert. Frühmorgens am 2. Sept. führte das Trommler- und Pfeifer-Corps der Schüler, begleitet von Primanern mit den Schulfahnen, unter Leitung des Pedellen Pohle einen Weckruf durch die Strassen der Stadt aus. Um 9 ½ Uhr vormittags versammelten sich sodann Lehrer und Schüler in der Aula zu einer Schulfeier mit Bibellektion, Gebet, Gesängen und Vorträgen der Schüler. Am Schluss dieser Feier vollzog der Direktor die Verteilung von vier auf Grund einer Allerhöchsten Bewilligung Sr. Majestät des Kaisers und Königs dem Gymnasium von dem Herrn Kultusminister zur Verfügung gestellten Exemplaren der zur Centennarfeier des Hochseligen Kaisers Wilhelms I. erschienenen Festschrift »Unser Heldenkaiser« von Professor Oncken in Giessen. Die zur Anerkennung besonders tüchtiger Leistungen von dem Lehrerkollegium ausgewählten Schüler waren der Oberprimaner Robert v. Büngner, der Unterprimaner Kornelius Duncher, der Obersekundaner Maæ Kowalski und der Unter- sekundaner Maæ Stroinsky. Am Nachmittage machten die einzelnen Klassen in Begleitung ihrer Ordinarien bei herrlichstem Wetter Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung Marburgs.
Dienstag den 21. September fand unter dem Vorsitz des Herrn Provinzial-Schulrats Geh. Rats Dr. Lahmeyer von Cassel die mündliche Entla ssungsprüfung statt, welche leider das höchst ungünstige Ergebnis hatte, dass keinem einzigen der 5 Prüflinge das Zeugnis der Reife zuerkannt werden konnte. Am folgenden Mittwoch, den 22. September, wurden die 4 zur Abschlussprüfung zugelassenen Untersekundaner unter dem Vorsitz des Direktors mündlich geprüft und erhielten alle das Zeugnis der Reiſe für Obersekunda und der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst.
Sonntag den 29. August begingen die evangelischen Lehrer gemeinsam mit den konfir- mierten Schülern dem Herkommen gemäss je nach ihrer Konfession in der reformierten oder lutherischen Kirche die Feier des heiligen Abendmahls.
Wegen allzu grosser Hitze wurde während des Sommerhalbjahres an 14 Tagen, und zwar am 2., 3., 4., 5., 14., 24., 25., 28., 29. und 30. Juni, ferner am 1. und 2. Juli, sowie am 5. und 6. August der Unterricht von 11— 12 Uhr und in den Nachmittagsstunden ausgesetzt.
Mit dem Schluss des Sommersemesters beendigten der Hilfslehrer von Hanxleden und der Schulamts-Kandidat Kullmann ihre Thätigkeit am Gymnasium. Am 25. September nach der Schlussandacht entliess der Direktor die beiden Herren mit einigen freundlichen Worten des Dankes für ihre treue Mitarbeit aus dem Verbande der Anstalt.
Die Herbstferien dauerten vom 26. September bis zum 11. Oktober.
Montag den 11. Oktober fand die Aufnahmeprüfung, Dienstag den 12. Oktober die Eröffnung des Wintersemesters in herkömmlicher Weise durch eine gemeinsame Andacht, durch Verlesung und Erläuterung der Schulordnung, sowie durch die Verpflichtung und Auf- nahme von 10 neu eintretenden Schülern statt.
Mit dem gleichen Tag nahm nach Beendigung seines achtmonatlichen Erholungsurlaubes der Technische Lehrer Witt seine Lehrthätigkeit zum grössten Teil wieder auf, wenn er auch auf Grund ärztlicher Zeugnisse vorerst noch dem Turn- und Singunterricht fernbleiben musste; den ersteren übernahmen(S. die betr. Tabelle!) verschiedene Lehrer der Anstalt, den letzteren behielt noch bis zu Ostern 1898 der städtische Lehrer CGorell.
Mit Beginn des Wintersemesters kehrte auch der Oberlehrer Edmund Stange*), welcher uns erst vor einem halben Jahr verlassen hatte, um eine Oberlehrerstelle in Homburg v. d. Höhe anzunehmen, wieder zu uns zurück, nachdem er durch Verfügung des K. Prov.- Schulkollegiums vom 13. September an unser Gymnasium übernommen worden war.
*) S. über ihn S. 19 des Anstalts-Programms von 1896!


