Gassel, 12. März 1898. Genehmigung zur Einführung folgender beiden Lehrbücher von Ostern d. Js. an: 1) Lange, UÜbungsbuch zum Obersetzen aus dem Deutschen ins Lateinische für Prima, 2) Schülke, vierstellige Logarithmentafeln
Gassel, 22. März 1898. Anfangs Oktober d. Js. beginnt in der Turnlehrer- Bildungs- anstalt zu Berlin ein neuer Kursus zur Ausbildung von Turnlehrern.
III. Chronik des Gymnasiums.
Nachdem Montag den 26. April die Prüfung der neuangemeldeten Schüler vorgenommen worden war, wurde am Dienstag den 27. April das neue Schuljahr mit einer gemeinsamen Andacht eröffnet, an welche sich die Verlesung und Erläuterung der Schulgesetze und sodann die feierliche Aufname und Verpflichtung von 55 neueintretenden Schülern anschloss.
Da, wie im vorjährigen Anstaltsprogramm(S. 27 u. 28) mitgeteilt wurde, der Technische Lehrer Witt zur Wiederherstellung seiner Gesundheit bis zum 30. September 1897 beurlaubt war, so vertrat noch ferner bis zum Herbst der Schulamts-Kandidat Isidor Kullmann*) denselben im grössten Teil seiner Stunden, während im Sommersemester der Lehrer CGorell**) von der städtischen Mädchenschule den Chorgesang leitete.
Für den mit dem Schluss des vorigen Schuljahres als Oberlehrer nach Homburg v. d. Höhe(S. Programm von 1897, S. 28!) berufenen Hilfslehrer Stange hatte ein Ersatz nicht gewonnen werden können: der neusprachliche und der Turn-Unterricht mussten deshalb ander- weitig geordnet werden. Dies geschah in der Weise, dass der Oberlehrer an der hiesigen Real- schule Moritz Pohl***) den englischen Unterricht übernahm, und dass für mathematische Stunden und Turnen der Kandidat des höheren Schulamts Erich von Hanxleden †) dem
*) und**) Uber beide s. S. 27 des vorjährigen Programms.
) Moritz Pohl, geb. am 27. Juni 1867 zu Marburg, evangelischer Konfession, besuchte das Realgym- nasium zu Cassel, das er Ostern 1887 mit dem Zeugnis der Reife verliess. Hierauf genügte er zunächst seiner Militärpflicht als Einjährig-Freiwilliger und studierte sodann von Ostern 1888 an zu Marburg neuere Philologie. Das Seminarjahr leistete er an dem mit dem K. Friedrichs-Gymnasium zu Cassel verbundenen Pädagogischen Seminar ab. Die erste Hälfte des Probejahres brachte er an der Oberrealschule zu Cassel hin, während der zweiten war er mit Versehung einer Hilfslehrerstelle an dem Realprogymnasium zu Geisenheim Poruftragt. Seit Michaelis 1896 ist er Oberlehrer an der hiesigen Realschule.
†) Erich von Hanxleden, geb. am 29. Juli 1868 als Sohn des Oberförsters von Hanxleden zu Netzer Tiergarten im Fürstentum Waldeck, ist evangelischer Konfession. Er besuchte das Fürstl. Landesgymnasium zu Corbach und bestand daselbst Michaelis 1887 die Reifeprüfung. Alsdann genügte er zunächst seiner Militärpflicht im Pionier-Bataillon Nr. 11 zu Castel. Hierauf widmete er sich von Michaelis 1888 bis 1892 auf den Universitäten zu Jena und Marburg dem Studium der Mathematik und Naturwissenschaften. Im Winter 1890/91 unterbrach er das Studium durch einen Kursus an der Turnlehrerbildungsanstalt zu Berlin. Im Herbst 1893 bestand er vor der K. Wiss. Prüfungskommission zu Marburg die Prüfung als Oberlehrer in Mathematik, Physik, Geographie, Zoologie und Botanik. Das Seminar- und das pädagogische Probejahr absolvierte er in Cassel, war dann ein Jahr lang am Gymnasium zu Dortmund als Hilfslehrer beschäftigt und wurde endlich durch Verfügung des K. Prov.-Schulkollegiums zu Cassel vom 22. April 1897 dem Gymnasium zu Marburg zugewiesen.


