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3. Ubersicht übar die währond des abgelaufenen Schuljahres behandelten Pensen.
Prima f. (Ordinarius der Direktor.)
Religionslehre. a) Evangelische: Glaubens- und Sittenlehre in Gestalt einer Er- klärung der Confessio Augustana, nebst kurzer Einleitung über die drei alten Symbole. Wieder- holungen aus der Kirchengeschichte. Erklärung des Römerbriefes. 2 St. w.(Lange.)— b) Katholische: Die katholische Glaubenslehre von Gott, von der Schöpfung und von der
Erlösung, nach Dreher, Lehrbuch der katholischen teligion.— Ausführliche Mitteilungen aus der Kirchengeschichte bis auf die Zeiten Karls des Grossen, nach Dreher, Abriss der Kirchengeschichte. 2 St. w.(Weber.)— c) Jüdische: Die Glaubenslehre. Von Gott. Von der menschlichen Seele.
Von Israel. Nach Feilchenfeld. Lehrbuch der israelitischen Religion. Lektüre ausgewählter Stellen —₰—₰ aus den Büchern Hiob und Sprüchen Salomos im Urtext. Geschichte der Juden vom babylonischen Exil bis z. J. 1040 nach Cassel, Lehrbuch der jüd. Geschichte und Litteratur. 2 St. w.(Munk. ,]
Deutsch. Ubersicht über die Entwicklung der neueren deutschen Litteratur vom 16. Jahr- hundert an bis auf unsere Zeit; besonders eingehend urden Klopstock, Lessing, Goethe. Schiller, die Vaterlandsdichter und die Romantiker behandelt. Mehrere Dramen der drei grossen Dramatiker und einige Gedichte aus der Gedankenlyrik Schillers wurden genauer durchgenommen; einzelne Dramen(Goethes Iphigenie, Lessings Emilia Galotti und Philotas), ferner Shakespeares Julius Caesar wurden vollständig gelesen und einige Monologe und Gedichte auswendig gelernt. Aus Lessings Hlamburgischer Dramaturgie wurden die wichtigsten Abschnitte unter Borücksichtigung von
8 8 82 8 8 Aristoteles' Poetik gelesen und besprochen. Die Schüler hielten freie Vorträge über selbstgewählte Themata, welche sich meist an die gelesenen griechischen und deutschen Dichter anschlossen
2 8 8 7 oder in welchen sie über Gegenstände der Privatlektüre berichteten. Häusliche und Klassen- aufsätze. 3 St. W.(Buchenau.)
Themata der deutschen Aufsätze:
Im Sommer: 1) Mutter und Sohn in Goethes Hermann und Dorothea, verglichen mit Homers Iliade b. 348— 530. 2) Welchen Einfluss pflegen grosse Drangsale auf die Entwicklung der Völker auszuüben? (Klassenarbeit). 3) Diomedes das Ideal„eines jugendlichen Helden. 4) Worin besteht Gustav Adolfs Grösse?(Tentamenarbeit.)— Im Winter: 1) Welche Züge treten in dem Charakterbild der Goethischen Iphigenie besonders hervor? 2) Warum gehen so viele unserer Hoffnungen nicht in Erfüllung?(Klassen- aufsatz). 3) Wodurch unterschied sich das altgriechische Theaterwesen von unserm heutigen?— Aufsätze der Reifeprüfungen: 1) Im Herbst 1895: Worin besteht Gustav Adolfs Grösse?— 2) Zu Ostern 1896: Welches sind die Folgen der franzäsischen Revolution?
Latein. Lektüre: Tacitus' Annalen, Horaz' Oden, Satiren und Episteln mit Auswahl. Cicero Philippica II. Wöchentliche Ubungen im unvorbereiteten Ubersetzen aus Livius. Privat-
lektüre aus Livius und Cicero.— Übersetzungen aus dem Deutschen ins Lateinische alle 14 Tage. Ubersetzungen aus dem Lateinischen ins Deutsche als Klassenarbeiten alle 6 Wochen. Grammatische und stilistische Wiederholungen.— Auswendiglernen passender Stellen aus IHloraz. 6 St. w.(Lange.)
Griechisch. Homers Iliade—IX wiederholt; X-XXIV mit Ausnahme einiger minder- wichtigen Stellen, welche von dem Lehrer übersetzt wurden, genauer gelesen und besprochen. Aus verschiedenen Büchern des Gedichtes, namentlich aus dem 1. und 6., lernten die Schüler geeignete längere und kürzere Stellen auswendig.— Sophokles' Oedipus rex; Thucydides II, 1— 65 unter Weg-


