befreit werden. Am folgenden Tage nach dem Schluss des Vormittagsunterrichts wurden diese 21 Abiturienten, Hnachdem deren Primus Ludwig Justi im Namen seiner Mitschüler der Schule den gebührenden Dank ausgesprochen und allen ihren Angehörigen ein herzliches Lebewohl zu- gerufen hatte, von dem Direktor mit einer feierlicher Ansprache entlassen, welche zugleich der Erinnerung an den 9. März, als den Todestag des Hochseligen Kaisers Wilhelms I. gewidmet War.
Am 15. und 16. März wurde mit 38 Untersekundanern die mündliche Abschluss- prüfung abgehalten. 33 derselben erhielten das Zeugnis der Reife für Obersekunda und zu- gleich das der wissenschaftlichen Befähigung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst. Nur 3 der Versetzten traten aus, um sich einem praktischen Berufe zuzuwenden.
Mit dem Schluss des Schuljahres scheiden 3 Lehrer aus unserer Mitte, zunächst der Kandidat Dr. Pappritz. welcher nach Vollendung seines pädagogischen Probejahres in seine Heimat Berlin zurückkehrt, sodann der wissensch. Hilfslchrer Dr. Karl Uckermann, dessen Beauftragung durch den bevorstehenden Eintritt eines neuen Mathematiklehrers gegenstandlos geworden ist, und welcher von Ostern an für ein Halbjahr die Vertretung eines beurlaubten Oberlehrers am Gymnasium zu Neuhaldensleben übernommen hat, endlich der etatsmässige Hilfslehrer August Schedtler, welcher durch Verf. vom 13. März zum Oberlehrer am K. Realgymnasium zu Wiesbaden ernannt worden ist. Unsere besten Wünsche begleiten die 3 Kollegen, welche unserer Anstalt namentlich in der letzten Zeit schwerer Heimsuchung mit Aufopferung gedient haben, auf ihren ferneren Lebensweg.
Zum Schluss ist es mir noch übrig. kurz zu erwähnen, dass unser Gymnasium— wie schon im Sommerhalbjahr 1893— so ganz besonders und in ungewöhnlicher Weise während
des Winters durch wiederholte und lang anhaltende Erkrankungen einer grösseren Anzahl von Lehrern in dem ruhigen Fortgang des Unterrichts immer aufs neue und bis zum letzten Tage des Schuljahrs gestört wurde. Während nämlich zu unserer Freude der Gesundheitszustand der Schüler im allgemeinen ein vortrefflicher genannt werden kann, ergriff neben andern erust- lichen Krankheiten namentlich die Influenza mehrere Lehrer und zeigte sich in einzelnen Fällen so hartnäckig, dass sie die anscheinend Genesenen immer aufs neue an das Haus und das Krankenlager fesselte. Am schwersten wurde in dieser Weise der technische Lehrer Witt be- troffen, welcher, nachdem er 3 heftige Anfälle der heimtückischen Krankheit überwunden, endlich vom 13. Februar an auf ärztliche Anordnung seine Thätigkeit bis Ostern völlig einstellen musste. In dieser Not war es um so dankbarer anzuerkennen, dass zwei ausserhalb der Anstalt stehende Lebrer mit Genehmigung des K. Prov. Schulkollegiums alsbald sich bereit fanden, aushilfsweisen Unterricht während der letzten Wochen zu erteilen. Es waren dies der Universitäts-Zeichenlehrer und Oberlehrer an der hiesigen Realschule Herr Friedrich Schürmann, welcher den ge- samten Zeichenunterricht, und der Pfarramtskandidat Herr August Stausebach aus Kirchhain, ein früherer Schüler des Gymnasiums, welcher den Religionsunterricht in der Sexta übernahm. Diesen beiden werten Herren, sowie allen gesund gebliebénen Kollegen, namentlich den Hilfs- lehrern Schedtler., Dr. Spindler und Dr. Uckermann, sowie dem Kandidaten Dr. Pappritz sei für ihre treue Hilfeleistung hiermit der wärmste Dank ausgesprochen. Nur durch dies bereitwillige Zusammenwirken aller wurde es möglich, den Anforderungen des Dienstes, welcher gerade im letzten Quartal eines Schuljahres bei den umfangreichen Prüfungen eine aussergewöhnliche Anspannung der Kräfte beansprucht, auch in dem nunmehr abge- schlossenen Schuljahr einigermassen zu genügen.


