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Dr. Adolf Lange*), bis dahin Oberlehrer in Weilburg, in sein hiesiges Amt ein und stellte denselben der versammelten Schulgemeinde vor.
Dienstag den 18. Oktober hielt das Gymnasium nachmittags um 3 Uhr eine Gedächtnis- feier des auf den 18. Oktober fallenden Geburtstages weiland Sr. Majestät des Kaisers und Königs Friedrichs III mit Bibellektion, Gebet, Chorgesängen und einer Ansprache des Direktors ab.
Sonntag den 23. Oktober wurde die herkönmnliche Feier des heil. Abendmahles von den evangelischen Schülern je nach ihrer Konfession in der lutherischen oder reformierten Kirche begangen.— Montag den 31. Oktober wurde der Unterricht aller Klassen um 10 Uhr vormittags geschlossen. Hierauf versammelten sich die evangelischen Lehrer und Schüler in der Aula, um in üblicher Weise durch Bibellektion, Gebet und Gesang eine Gedenkfeier der Reformation zu begehen. Die Festrede hielt der Oberlehrer Dr. Lange über»Luther als Hausvater«.
Am 20. November als dem letzten Sonntag des Kirchenjahres, trug der Sängerchor des Gymnasiums unter Leitung des Gesanglehrers Witt, wie schon in den früheren Jahren, auf Ersuchen des Herrn Pfarrers Scheffer die Gesänge bei einer in der reformierten Kirche ab- gehaltenen liturgischen Andacht vor.
Am nämlichen Tage überreichte mir der Oberlehrer Dr. Weingärtner, welcher durch seine Badekur leider keine volle Genesung gefunden hatte, ein ärztliches Zeugnis, laut welchem er seiner hochgradigen Nervosität wegen in den nächsten 4 Monaten voraussichtlich keinen Unterricht werde erteilen können. Mit seiner Vertretung beauftragte das K. Provinzial- Schulkollegium den bisherigen Hilfslehrer Friedrich Gleim**) von der Klingerschule in Frank-
*) Adolf Lange, geb. am 20. September 1857 zu Rotenburg a. F., evang. Konfession, auf dem Gymnasinm zu Cassel vorgebildet, studierte von Ostern 1875 ab auf den Universitäten Marburg und Leipzig Philo- logie und Theologie. Nachdem er am 21. März 1878 das Examen rigorosum vor der philosophischen Fakultät zu Marburg bestanden hatte, wurde er nach Drucklegung seiner Inaugural-Dissertation: De Aeneae commentario poliorcetico particula prima am 28. Juni 1878 zum Doctor philosophiae promoviert. Am 21. Februar 1879 be- stand er vor der K. Wissensch. Prüfungs-Kommission zu Marburg das Examen pro facultate docendi. Ostern 1879 wurde er zur Ableistung des pädagogischen Probejahres dem K. Gymnasium zu Marburg überwiesen und am 1. Oktober desselben Jahres als etatsmässiger wissensch. Hilfslehrer an das K. Gymnasium zu Cassel versetzt. Am 2. Juni 1881 bestand er vor der theologischen Fakultät zu Marburg das Examen pro licentia contionandi. Am 19. September 1881 wurde er zum ordentlichen Lehrer am Gymnasium zu Cassel ernannt, am 1. Oktober 1885 an das K. Gymnasium zu Weilburg und am 1. Oktober 1892 an das hiesige K. Gymnasium versetzt.— Durch den Druck veröffentlichte derselbe ausser Abhandlungen in wissenschaftl. Zeitschriften: 1) als Fortsetzung seiner Inaugural-Dissertation die Schrift: De Aeneae commentario poliorcetico. Berlin b. Calvary u. Co. 1879. — 2) Animadversiones criticae de Aeneae commentario poliorcetico. Cassel 1885(im Osterprogr, des K. Gym- nasiums).— 3) Als Gratulationsschrift des K. Gymnasiums zu Cassel zum Jubiläum des K. Gymnasiums zu Fulda am 25. Mai 1885: De coniunctivi et optativi usu Thucydideo.— 4) Deutsche Götter- und Heldensagen. Leipzig. B. G. Teubner. 1887.— 5) Ulrich von Hutten. Gütersloh. E. Bertelsmann. 1888.— 6) Auswahl aus Vergils Aeneis.(Für den Schulgebrauch nach den Bestimmungen der neuesten Lehrpläne.) Berlin. R. Gärtner. 1892.— 7) Methodischer Lehrer-Kommentar zu Ovids Metaworphosen. Gotha bei Fr. A. Perthes. 1892.
**) Friedrich Gleim, geb. am 10. Februar 1859 zu Melsungen, evgl. Konfession, besuchte das Real- progymnasium zu Marburg, später das Grossherz. Realgymnasium zu Eisenach, von welchem er am 9. März 1879 mit einem später durch einen Ministerial-Erlass für Preussen anerkannten Reifezeugnis entlassen wurde. Er studierte zu Leipzig und Marburg Mathematik und Naturwissenschaften und bestand die Präfung pro facul- tate docendi vor der K. Wissensch. Prüfungskommission in Marburg am 13. Juli 1885. Das pädagogische Probejahr leistete er an der Klingerschule(Oberrealschule) zu Frankfurt a. M. von Michaelis 1885 bis ebendahin 1886 ab. Von diesem Zeitpunkte un wur er an der nämlichen Schule als wissensch. Hilfslehrer thätig.


