20 wir hatten den Verlust keines Mitgliedes unserer Schulgemeinde zu beklagen: aber noch bis in den März hinein wirkten Rückfälle der Krankheit sowohl bei Lehrern als bei Schülern störend auf den ruhigen Fortgang des Schulbetriebes ein.—
Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs wurde Montag den 27. Januar in der festlich geschmückten Aula durch einen Redeakt begangen, welcher mit Gesangvorträgen des Sängerchors und mit Deklamationen von Schülern verbunden war. Die Bibellektion und das Gebet für Se. Majestät sprach der Direktor, die Festrede über das Wort: Seid der Heimat eingedenk! hielt der Professor Dr. Weidenmüller.
In der Woche vom 17. bis zum 21. Februar fertigten die diesjährigen Abiturienten die schriftlichen Arbeiten der Reifeprüfung an.
Am 6. März bestand der wissenschaftliche Hilfslehrer Fritz Klincksieck die Prüfung zur Erlangung der philosophischen Doktorwürde bei hiesiger Universität. Die von ihm für diese Gelegenheit verfasste Abhandlung unter dem Titel»Beiträge zu einer Entwicklungsgeschichte des Realismus im französischen Roman des 19. Jahrhunderts« wird demnächst im Druck erscheinen.
Sonmnabend den S. März beging die Anstalt in der letzten Vormittagsstunde eine liturgische Gedenkfeier des in diesem Jahr auf einen Sonntag fallenden Todestages des Hochseligen Kaisers Wilhelms IJ. durch Bibellektion, Gesang, Gebet und eine Ansprache des Direktors.
Am 17. und 18. März fand unter dem Vorsitz des unterzeichneten Direktors, welcher durch Verfügung des Kgl. Prov.-Schulkollegiums vom 23. Januar mit Versehung der Geschäfte des Königlichen Kommissarius beauftragt worden war, die mündliche Entlassungsprüfung statt, an deren Schluss 20 Oberprimanern das Zeugnis der Reiſe zuerkannt wurde. Fünf der- selben konnten auf Grund ihrer schriftlichen Prüfungsarbeiten und ihrer sittlichen Führung während ihrer Lehrzeit in der Prima von der mündlichen Prüfung befreit werden.
Die öffentlichen Schlussprüfungen wurden dies Mal in der vorletzten Schulwoche am 20. und 21. März in der am Schluss dieses Jahresberichtes angegebenen Ordnung abgehalten. Die Prüfung der Sexta und des Turnvereins der Gymnasiasten im Turnen hatte in der Turnhalle ein zahlreiches Publikum versammelt, welches sich von der tüchtigen, zum teil ausgezeichneten Ausführung der UÜbungen sehr befriedigt zeigte.
Am 22. März als an dem Geburtstage weiland Sr. Majestät des verewigten Kaisers Wilhelms IJ. hielt das Gymnasium in der letzten Morgenstunde eine Gedächtnisfeier ab, deren liturgischen Teil der Direktor leitete, während der Sängerchor einige geistliche Chöre zur Aufführung brachte.
Iin Anschluss an diese vaterländische Feier vollzog der Direktor unter gleichzeitiger Austeilung der Reifezeugnisse die Entlassung der 20 diesjährigen Abiturienten. Nachdem der Primus omnium Felix Rosenfeld im eignen, wie im Namen seiner Mitschüler dem Lehrer- kollegium gedankt und der Schule und ihren Angehörigen ein Lebewohl zugerufen, entliess der Direktor die Scheidenden unter Hinweis auf ein gemeinsam mit denselben in der Homerstunde gelesenes Dichterwort(Iliade IX, 443) mit der ernsten Mahnung, auch dereinst»Wohlberedt in Worten zu sein und rüstig in Thaten«.
Mit dem Schluss des laufenden Schuljahres steht unserm Gymnasium ein grosser Ver- lust bevor, indem unser lieber Kollege, der Technische Lehrer Emil Müller, einem ehrenvollen Rufe als Vorsteher der Evangelischen Erziehungs-Anstalt St. Martin zu Boppard am Rhein Folge leisten wird. Herr Müller hat 16 ½ Jahre lang als Lehrer der verschiedenen Elementarfächer, sowie des Zeichnens, des Gesangs und des Turnens, endlich in den letzten Jahren auch der eng- lischen Sprache in den oberen Klassen mit einer Hingabe und Treue und mit einem so hervor-


