20
ihm Ostern 1886 hierzu Gelegenheit bot. 12 wöchentliche Lehrstunden am hiesigen Gymnasium übernommen. Und obwohl sich sein Leiden sichtlich verschlimmerte, so widmete der körper- lich Gebrochene und augenscheinlich Hinschwindende dennoch sich auch noch während des Winters von 1886/87 mit der ganzen Energie eines stark ausgeprägten Pflichtgefühls den anstrengenden Arbeiten seines Berufs. Am 1. April vorigen Jahres erschien er zum letzten Mal in unserer Mitte, um an diesem Tage seine Klasse öffentlich zu prüfen, und kaum 14 Tage später schon folgten dem Heimgegangenen die in den Ferien hier anwesenden Lehrer und Schüler zu seiner letzten Ruhestätte. Der Direktor, welchem der Verewigte einst ein lieber Schüler, dann ein zuverlässiger, treuer Mitarbeiter an zwei Gymnasien gewesen war, folgte nicht allein dem Drange seines Herzens, sondern einem Gebote der Pflicht, indem er in der Schlussandacht der ersten Schulwoche der versammelten Schulgemeinde das Lebensbild des so früh Heimgegangenen, der unserer Anstalt als Schüler und Lehrer angehört hatte, zu zeichnen versuchte. Das Andenken unseres lieben Julius Winneberger als eines in seiner Pflicht bis zum Tod Getreuen wird an unserer Anstalt in Ehren fortleben.
Nachdem Montag den 18. April von morgens 8 Uhr an die Prüfung der Neu- angemeldeten stattgefunden hatte, wurde an demselben Tage nachmittags um 4 Uhr das neue Schuljahr durch eine gemeinsame Andacht eröffnet. Nach derselben begrüsste der Direktor den als Oberlehrer von dem Friedrichsgymnasium zu Cassel an das hiesige be- rufenen Dr. Siegmund Paulus*), sowie den als wissenschaftlichen Hilfslehrer vom Gymnasium zu Corbach hierher versetzten Dr. Ferdinand Heymach**) und stellte dieselben ebenso wie den zur Ableistung des pädagogischen Probejahrs dem hiesigen Gym-
*) Siegmund Paulus, geb. zu Ersen(Kr. Hofgeismar) am 26. Juli 1839, evangelischer Konfession, erhielt seine Schulbildung auf den Gymnasien zu Cassel und Rinteln, bestand am 24. März 1860 die Reifeprüfung, besuchte von 1860 bis 1863 die Universität Marburg und bestand am 10. Juni 1863 die erste, am 25. Oktober 1865 die zweite theologische und am 26. August 1868 die Prüfung pro rectoratu. Vom 31. Oktober 1868 bis 31. März 1872 war derselbe Rektor zu Wolfhagen, wurde dann Hilfslehrer und nach bestandener Prüfung pro facultate docendi ordentlicher Lehrer am Gymnasium zu Cassel. Im Juli 1875 promovierte er auf Grund seiner Dissertation»Über Bedeutung, Wesen und Umfang des Cartesianischen Zweifels“ und wurde am 4. September 1884 zum Oberlehrer befördert. Durch Erlass vom 30. December 1886 genehmigte der Herr Minister seine Berufung in die 2. Oberlehrerstelle am hiesigen Gymnasium für den 1. April 1887.
**) Ferdinand Heymach, evang. Konfession, wurde am 10. April 1855 zu Idstein(RB. Wiesbaden) geboren und Mich. 1876 vom Kgl. Gymnasium zu Weilburg mit dem Zeugnis der Reife entlassen. Nach- dem er in Göttingen und Strassburg Geschichte und Germanistik studiert hatte und von letzterer Universität auf Grund einer Dissertation über Gerhard v. Eppenstein, Erzbischof von Mainz, promoviert war, ging er 1881 nach der französischen Schweiz und bestand im Juli 1883 in Strassburg die Prüfung pro facultate docendi. Nachdem er von Michaelis 1883 bis 1884 an der Oberrealschule zu Wiesbaden sein Probejahr abgeleistet hatte und noch ein weiteres Jahr an dieser Anstalt thätig gewesen war, wurde er Michaelis 1885 als wissenschaftlicher Hilfslehrer dem Fürstl. Gymnasium zu Corbach überwiesen und endlich durch Verfügung Kgl. Prov.-Schulkollegiums vom 12. April 1887 in gleicher Eigenschaft an das hiesige Gymnasium versetzt.— Im Druck erschien von ihm noch als Beilage zum vorjährigen Programm des Gymnasiums zu Corbach: Ramond de Carbonnières. Ein Beitrag zur Geschichte der Sturm- und Drangperiode.


