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2. Zur Nachricht.
a) Zum Schluss ist es mir Bedürfnis wie Pflicht, mit einigen Worten eine nicht gerade sehr erfreuliche Angelegenheit hier offen zu besprechen, welche mich und das Lehrerkollegium in diesem Winter leider vielfach beschäftigt hat. Ich meine das Unwesen der verbotenen Schülervenbindungen, welches uns wieder einmal in seiner ganzen hässlichen Gestalt entgegengetreten ist und leider die Verhängung zahlreicher schwerer Schulstrafen, ja gegen vier Schüler die der Ausweisung notwendig gemacht hat. Ich verfehle daher nicht, mich auch an dieser Stelle, wie ich es mündlich schon mehrfach gethan habe, an die geehrten Eltern und Angehörigen unserer Schüler mit der herzlichen Bitte zu wenden, mich bei der Unterdrückung dieser gefährlichen Krankheit des Schullebens mehr als es bisher hier geschehen ist, ihrerseits unterstützen zu wollen. Es scheint mir in manchen Kreisen die rechte Einsicht in die absolute Unverträglichkeit dieses Treibens mit einem regelmässigen Fortschreiten in der Schule, ja überhaupt mit einer gedeihlichen Entwicklung des Charakters nnd der Sittlichkeit unserer Jugend immer noch nicht genügend verbreitet zu sein. Wo aber der Geist der Lüge erst einmal so tief, wie es durch die verbotenen Verbindungen notwendig geschieht, in die jugendlichen Herzen sich eingenistet hat, da ist es nicht nur mit der Lust am Lernen und dem Vertrauem zn den Lehrern, sondern— und darüber mögen sich die Eltern ja nicht täuschen— auch mit der Ehrfurcht, vor Gottes Wort und mit der Liebe zu den Eltern gründlich vorbei. Es thut mir leid, es aussprechen zu müssen, dass sich die Unwahrhaftigkeit und Täuschung in vielen Fällen gegen die armen Eltern selbst gerichtet hat, und wenn diese, nachdem sie einmal eine Spur des unsaubern Treibens bei ihren Söhnen entdeckt haben, vermeinten, durch ein strenges Einschreiten ihrerseits das Uebel gründlich ausrotten zu können, so muss ich nach den Ergebnissen der von mir in diesem Winter geführten Untersuchungen dies als eine irrige Meinung bezeichnen, indem die Versuchung und die in der Heimlichkeit des Verbindungswesens liegende Vorstellung von einer besondern Wichtigkeit der eigenen Person bei den betr. Schülern in sehr vielen Fällen nur allzu schnell den Sieg über die den Eltern gegebenen Versprechungen davongetragen haben. Und so ist denn die einzige Sicherheit für eine wirkliche und vollständige Unterdrückung des an Leib und Seele der Jugend fressenden Uebels nur von der sofortigen Mitteilung einer jeden, auch noch so ge- ringen Spur von dem Vorhandensein einer dieser gefährlichen Verbindungen an den Anstaltsvorsteher zu erwarten. Ich hoffe daher keine Fehlbitte zu thun, wenn ich alle Eltern, die ihre Söhne vor hässlicher Genusssucht, vor Schaden an ihrer Gesundheit, vor Lug und Trug und endlich vor dem so häufig eintretenden vollständigen Scheitern in ihrem Lebensgange bewahren möchten, hiermit aufs herzlichste bitte, mir volles Vertrauen und rückhaltlose Offenheit gerade in Betreff dieser Dinge entgegenzubringen. Von den Pensionshaltern aber erwarte ich, dass sie, ihrer Pflicht eingedenk, die bei ihnen wohnenden Schüler streng überwachen und mir von einem etwaigen gesetzwidriegn Treiben derselben


