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Führer einiger jungen Deutschen eine Reise durch Italien, Spanien und Frankreich zu machen. Der grösste Theil der Reise, welche sogar auf einige Gegenden von Afrika ausgedehnt wurde, war auch bereits recht glücklich vollendet, als unser College plötzlich in Madrid am Typhus erkrankte. Ja die Krankheit war so bedeutend, dass sie ihn nicht blos am zeitigen Wiederbeginn seiner Thätigkeit hinderte, sondern ihn noch einige Monate in Madrid zurückhielt. Nur der ausdauernden Hülfe Deutscher Landsleute und der aufopfernden Pflege seiner Geschwister verdankt er seine Herstellung. Die durch das Ausbleiben des Gymnasiallehrers Fritze entstandene Lücke wurde dadurch ausgefüllt, dass ein früherer Schüler unseres Gymnasiums, der Studiosus der Philologie Karl Endemann einen grossen Theil der für Fritze bestimmten Lectionen auf einen Monat übernahm, wodurch der augenblicklichen Verlegenheit ein Ende gemacht wurde.
Vom 16. bis 18. Mai nahm Herr Provinzial-Schulrath Dr. Rumpel eine Revision des Gymnasiums vor, an deren Schluss er die Lehrer zu einer Conferenz versammelte, um das Ergebnis seiner Beobachtungen sowie Rathschläge, welche den Unterricht und die Erziehung betrafen, mitzutheilen.
Am 3. Juni versammelte der Director vor Beginn der Lectionen die Lehrer und Schüler des Gymnasiums, um unseren Gefühlen über das am Tage zuvor begangene ver- ruchte Attentat Ausdruck zu geben. Die Versammlung schloss mit einem Gebet für unseren geliebten Kaiser, an welchen im Namen des Gymnasiums ein Telegramm abgesendet wurde.
Am 4. Juni beschloss Studiosus Endemann seine aushelfende Thätigkeit, wofür ihm hier herzlicher Dank ausgesprochen wird, und der Candidat des höheren Schulamts Wilhelm Schunk, welcher bisher am Gymnasium zu Kassel thätig gewesen war, übernahm zufolge eines Beschlusses des Königlichen Provinzial-Schulcollegiums vom 27. Mai an die Vertretung für Gymnasiallehrer Fritze.
Am 13. Juni nahm das herkömmliche Tentamen der Primaner seinen Anfang und dauerte 8 Tage.
Am 15. Juni starb nach langem Leiden ein sehr braver Schüler, der Obes-Tertianer Heinrich Rudolph, 15 Jahr alt, an einem Herzleiden. Die Lehrer und Schüler ge- leiteten seine Leiche am 18. Iuni zu ihrer Ruhestätte. Fast zu gleicher Zeit, den 17. Juni. starb ein früherer Schüler, der erst im Herbst 1877 zum Studium der Theologie mit dem Zeugnis der Reife entlassen worden war, August Vilmar, ein Enkel des ehemaligen Directors unseres Gymnasiums. Seine früheren Lehrer sowie seine Bekannten unter den Schülern schlossen sich am 20. Juni der Leichenbegleitung an.
Am 21. Juni wurde das sogenannte Frühlingsfest gefeiert. Die Gymnasiasten, von ihren Lehrern begleitet, zogen mit ihren Fahnen in den hinter dem sogenannten Glaskopf gelegenen Wald und vergnügten sich dort durch allerlei Kurzweil. Die Primaner führten einige kleine dramatische Stücke auf, und der Sängerchor trug mehrere schöne Lieder vor.
Am 6. Juli begannen die dreiwöchentlichen Sommerferien und dauerten bis zum 29. Juli, an welchem Tage die Lectionen wieder begannen. Zu allgemeiner Freude war


