Reallehrer Ulrich von der Realſchule zu Limburg.— Der Curſus war mit 52. Schülern eröffnet worden, wovon 25 auf die untere Klaſſe, 18 auf die zweite und 9 auf die erſte Klaſſe kamen.
Im Herbſte dieſes Jahres erwirkte ſich Herr Rektor Braun die Erlaubniß von H. Lan⸗ des⸗Regierung, in Verbindung mit den Reallehrern und unterſtützt von zwei Seminarlehrern eine höhere Töchterſchule zu gründen, die auch ſofort bei Eröffnung des Wintercurſus ins Leben trat und ziemlich zahlreich beſucht wurde. Da aber Herr Rektor Braun verſäumt hatte, mit dem Schulvorſtande in dieſer Angelegenheit in Berathung zu treten, ſo wurde er von demſelben bei den oberſten Schulbehörden des Landes hart verklagt und ſchließlich bewogen, von der Sache ganz zurückzutreten und das Weitere den Eltern zu überlaſſen. Dieſe erwirkten nun die Erlaub⸗ niß, die Anſtalt fortführen zu dürfen für ſich, erwählten einen Ausſchuß, der die Leitung der Sache in die Hand nahm. Die junge Anſtalt wirkte Schönes und erzielte ſehr befriedigende Reſultate.
Die Frühlingsprüfung fand am 2. und 3. April 1855 ſtatt.
Das neue Schuljahr 1855— 56 begann am 23. April unter trüben Ahnungen. Der Rektor Braun kränkelte im Nachwinter lüngere Zeit und war auch bei Eröffnung des neuen Curſus noch nicht wohl.
Plötzlich ſtarb er am 23. Mai 1855 an einem Herzfehler. An ihm verlor die Anſtalt einen pflichttreuen Dirigenten, einen gewandten Lehrer, das Lehrerperſonal einen wohlwollenden Vorgeſetzten, die pädagogiſche Wiſſenſchaft einen begabten Pfleger. Seine Stelle als Lehrer der Anſtalt wurde vorerſt zum großen Nachtheil der Anſtalt nicht wieder beſetzt; die Schulinſpektion über die Realſchule erhielt Herr Seminardirektor Kehrein.
Der Zeitraum von 1855—60 zeichnet ſich dadurch aus, daß ungewöhnlich viele von unſern Schülern auf höhere Unterrichtsanſtalten übergingen, um dort ihre Studien weiter fort⸗ zuſetzen, und daß ſie alle nicht nur in die resp. Klaſſen aufgenommen wurden, wohin ſie ihrem Alter und ihren Kenntniſſen gemäß ſtreben konnten, ſondern daß ſie auch zu den geſittetſten jungen Leuten dieſer Anſtalten gezählt wurden. Und dieß geſchah gerade zu einer Zeit, wo unſre Anſtalt mancherlei Bedrückungen ausgeſetzt, die faſt ſchutzloſe Zielſcheibe knabenhafter Angriffe und gewiſſenloſer Verleumdungen nur in der opferwilligſten Hingebung der Lehrer im Dienſte ihrer Pflichten ihre einzige Stütze, ihren ſicherſten Schutz gegen unverdienten Unter⸗ gang fand.
Im Herbſte 1857 löſte ſich auch die höhere Töchterſchule aus Mangel an Schülerinnen auf. Man hatte ihr den Zugang an Schülerinnen abgeſchnitten. Man verſuchte auch die Exiſtenz der Realſchule zu untergraben, doch ohne Erfolg. Erhielten wir auch keine oder nur ſehr wenig Schüler aus der Stadt Montabaur ſelbſt, ſo kamen deren genügend von Auswärts. Veränderungen im Lehrerperſonal der Realſchule während der zweiten Hälfte dieſes Jahrzehnts waren folgende:
Dr. Schaab von Höchſt wurde 1856 als dritter Lehrer nach Montabaur und Reallehrer Ulrich 1858 von Montabaur nach Höchſt verſetzt.— Da die Anſtalt in den letzten 5 Jahren außerordentlich an Frequenz abgenommen, ſo wurde Ulrichs Stelle nicht wieder beſetzt und unſre Realſchule war wieder eine zweiklaſſige. Die gewöhnlichen Geldverwilligungen zur Ver⸗ mehrung der Bibliothek und der Apparatenſammlung floſſen der Anſtalt alljährlich zu beſtimm⸗
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