Jahrgang 
1867
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Werke vermehrt, ein Apparat für Mechanik und Statik angeſchafft, eine Sammlung Süßwaſſer⸗ muſcheln und 2 Centurien⸗Pflanzen erworben. Am Schluſſe des Winterſemeſters 1844 45 wurde wie gewöhnlich die Frühlingsprüfung unter zahlreicher Theilnahme des Publikums aus allen Kreiſen der Geſellſchaft abgehalten und nach den geſetzmäßigen Ferien der neue Curſus 184546 mit 87 Schülern eröffnet, die nun nicht mehr in 3, ſondern in 4 Klaſſen, je zwei unter einem Lehrer, ihren Unterricht erhielten. Im Laufe der letzten Jahre hatte ſich unterdeſ⸗ ſen ein neues Bedürfniß fühlbar gemacht, dem nunmehr Rechnung getragen werden mußte, das Bedürfniß den Unterricht in den altklaſſiſchen Sprachen in Parallelklaſſen in unſrer Anſtalt einzuführen. Schon waren, wie es ſchien, bei Herzogl. Landes⸗Regierung zu dieſem Zwecke ge⸗ eignete Schritte gethan worden, als die Angelegenheit durch einen unerwarteten Todesfall wie⸗ der ins Stocken gerieth. Am 18. Mai 1845 ſtarb nämlich nach kaum 18ſtündigem Kranken⸗ lager der Dekan und Schulinſpektor Joſeph Heimann nach kaum 41jährigem Wirken in hieſiger Pfarrei im kräftigſten Mannesalter. Die Diöceſe verlor an ihm eine Zierde des geiſt⸗ lichen Standes, der Staat einen gewandten Geſchäftsmann, ſeine Pfarrkinder einen eifrigen Seelſorger, die Schule einen einſichtsvollen treuen Pfleger, pflichttreue Lehrer einen edeln Gönner, die Armen einen mildthätigen Wohlthäter, ſeine Freunde einen wahren Freund. Die Realſchule verehrt in ihm einen ihrer vorzüglichſten Gönner und Förderer. Selbſt ein tüchti⸗ ger ausgezeichneter Religionslehrer, wußte er Gutes und Löbliches auch an andern Lehrern zu ſchätzen und zu ertragen.

Die Anregung, welche Herzogliche Landes Regterung bezüglich des Unterrichts in den alt⸗ klaſſiſchen Sprachen durch den verſtorbenen Schulinſpektor Heimann erhalten hatte, war nicht mit ihm zu Grabe getragen worden. Mit Anfang des Winterſemeſters 184546 wurde der Unterricht in dieſen Gegenſtänden dem Kaplan Junk übertragen, ebenſo dem franzöſiſchen Sprach⸗ lehrer Andreas Göttelmann mehrere Unterrichtsſtunden in der franzöſiſchen Sprache. Aber die wichtigſte und folgereichſte Aenderung im Ganzen der Anſtalt trat kurze Zeit darauf dadurch ein, daß der quiescirte Pädagogial⸗Rektor Joſeph Braun zu Dillenburg zum Realſchulin⸗ ſpektor und erſten Lehrer an unſrer Realſchule ernannt wurde, der ſein nenes Amt zu Anfang des Jahres 1846 antrat.

In Folge dieſer Verſetzung eines in der pädagogiſchen Welt nicht unbekannten Mannes an unſre Realſchule erhielt dieſelbe eine vorher nicht geahnte Wichtigkeit. Gutmüthige Sangui⸗ niker träumten ſchon von einer vielklaſſigen höhern Bürgerſchule oder wohl gar von einem Real⸗ gymnaſium, welches ſich ſofort daraus entwickeln würde und man war erſtaunt und unzufrieden, daß zu dem, was ſchon geſchehen war, nicht noch mehr geſchah. In Wirklichkeit hatte aber die Realſchule nun mehr 3 Klaſſen und neben dieſen 3 Realklaſſen 4 parallele Gymnaſialklaſſen. Das Lehrerperſonal beſtand jetzt aus folgenden Mitgliedern:

Rektor Braun, Realſchulinſpektor und Ordinarius der erſten Klaſſe.

Reallehrer Bode, Ordinarius der zweiten Klaſſe.

Reallehrer Ch. Wolff, Ordinarius der dritten Klaſſe.

Lehrer A. Göttelmann für das Franzöſiſche vorzüglich in den untern Klaſſen. B. Chriſt, Schreib⸗ und Geſanglehrer.

Kaplan Junk, Lehrer der altklaſſiſchen Sprachen.

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