Jahrgang 
1867
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Geſchichte der Realſchule zu Montabaur

von 1840 67.

Du den anſehnlichſten, betriebſamſten Städten der ehemals trieriſchen ſpäter naſſauiſchen Lande gehört die Stadt Montabaur. Handel und Gewerbe waren dort ſchon in den älteren Zeiten in blühendem Zuſtande. Neben dem Streben für den gewerblichen und commerciellen Flor der Stadt war auch der Sinn für geiſtige Bildung geweckt. Bereits 1558 wurde der Altar der Hospitalskapelle zur Gründung einer Schule verwendet. Die lateiniſche Schule ent⸗ ſtand in der erſten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Anfangs hatte dieſelbe nur zwei Lehrek) er⸗ hielt 1745 durch Privatwohlthätigkeit deren fünf und wurde 1806 unter Naſſau zu einem ſechsklaſſigen Gymnaſium in Verbindung mit einer Normalſchule für den Volksunterricht er⸗ hoben, das bis 1817 beſtand. Sogar in den kriegeriſchen Zeiten des letzten Jahrzehnts des 18. und des erſten des 19. Jahrhunderts waren dieſe Anſtalten von Einheimiſchen und Frem⸗ den, ſelbſt aus weiter Ferne zahlreich beſucht und wirkten rühmlich und wohlthätig für Stadt und Land; dennoch fanden beide nur zu bald ein oft beklagtes Ende. Das Landesherrliche Edikt vom 24. März 1817, das eine gänzliche, tiefeingreifende Umgeſtaltung des Geſammtſchul⸗ weſens, des Gelehrten wie des Volksſchulweſens in Naſſau anordnete, beſtimmte auch, welche beſtehende Anſtalten aufgehoben und welche andere an ihre Stelle treten ſollten. Das Loos der Aufhebung traf auch das Gymnaſium und die Normalſchule zu Montabaur.

Jene Unterrichtsanſtalten aber, welche dem erwähnten Edikt gemäß in den Städten des Landes an die Stelle der aufgehobenen treten, oder die auch an jenen Orten neu errichtet werden ſollten, wo bisher noch keine höhere Bildungsanſtalt beſtanden hatte, waren Real⸗ ſchulen, Anſtalten, die den Söhnen des gebildeten Bürgerſtandes, die nicht ſtudiren wollten, ſolche Kenntniſſe und Fertigkeiten mittheilen ſollten, die erfahrungsgemäß die beſte Grundlage für die künftigen Berufskenntniſſe abgeben und die der Geſchäftsmann deßhalb ungern ent⸗ behrt. Auch Montabaur ſollte eine ſolche Realſchule erhalten und erhielt ſie auch in der That. Profeſſor Abel war ihr einziger Lehrer. Ihre Exiſtenz war jedoch nur von kurzer Dauer; nach wenigen Jahren ſchon löſte ſie ſich auf und Montabaur war nun mehr ohne jegliche höhere Bildungsanſtalt. Erſt im Jahre 1838 wurde die Errichtung einer Realſchule bei un⸗ fern ſtädtiſchen Behörden wieder in Anregung gebracht und der Nutzen einer ſolchen Anſtalt für die Stadt und Umgegend auf das Nachdrücklichſte hervorgehoben. Aehnliches war in an⸗ dern Städten geſchehen; als deßhalb unter dem 30. März 1840 eine Regierungsverordnung

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