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ſondern auch Aufrechterhaltung des Zuſammenhangs der ehemaligen Schüler mit der Schule, der ſie in treuer Liebe und Anhänglichkeit zugetan ſind. Das zeigen ſie zunächſt durch die Feier von größeren Studienerinnerungsfeſten, die in größeren Abſtänden begangen werden. Das letzte war im Jahre 1911, das nächſte wird vorausſichtlich zuſammen mit dem fünfzig⸗ jährigen Jubiläum der Anſtalt im Sommer 1918 gefeiert werden. Daneben iſt es faſt zur Sitte geworden, daß die Abiturienten der einzelnen Jahrgänge ſich nach 25 Jahren am Sitz der Schule zu einer Erinnerungsfeier verſammeln, an der die Schule jedesmal herzlichſten An⸗ teil nimmt. So fand im Berichtsjahr das Jubiläum der Abiturienten von 1888, zu denen auch unſer Herr Profeſſor Reuß gehört, am 23. April in ſtimmungsvoller Weiſe ſtatt; Direktor und Lehrerkollegium waren der Einladung zur Teilnahme gern gefolgt. Aber auch in werk⸗ tätiger Weiſe zeigt der Verein ehemaliger Schüler ſeine Anhänglichkeit an die Anſtalt. Bei Gelegenheit des Sommerausfluges wurde dem Unterzeichneten vom Vorſtand eine Summe zur Verfügung geſtellt, um auch unbemittelten Schülern die Teilnahme am Ausfluge zu ermöglichen, und zu Weihnachten erhielten wieder ſechs würdige und bedürftige Schüler eine Gabe von je 50 Mark. Durch das Intereſſe, das die ehemaligen Schüler der Anſtalt entgegenbringen, ehren ſie nicht nur ſich ſelbſt, ſondern ſie ehren und fördern auch die Schule, die ihnen dafür zu aufrichtigem Dank verpflichtet iſt.
Zu einer dauernden Einrichtung unſerer Anſtalt werden ſich hoffentlich auch die populär⸗ wiſſenſchaftlichen Vorträge auswachſen, die in dieſem Jahre zum erſten Male in der Aula unſeres Gymnaſiums unter der erfreulichſten Beteiligung der Bürgerſchaft veranſtaltet wurden. Es ſprachen: 1. Herr Geh. Regierungsrat Landrat Büchting aus Limburg als Vorſitzender des Weſterwaldklubs über das Thema:„Land und Leute im Weſterwalde“, Lichtbildervortrag; eingeſtreut Weſterwälder Volkslieder, geſungen von Frau Zielinſki zur Lautenbegleitung des Herrn Zielinſki aus Limburg. 2. Der Berichterſtatter über das Thema:„Sizilien“, mit Lichtbildern. 3. Herr Profeſſor Dr. Otto aus Hadamar über das Thema:„Das Zere⸗ moniell der Kaiſerkrönungen in der Peterskirche“, mit Lichtbildern. 4. Herr Domkapitular Profeſſor Reuß von hier über das Thema:„Der Jenſeitsglaube im Wandel der Jahrtauſende“. Der Ertrag fließt der Wernekeſtiftung zu.
6. Reviſionen und Prüfungen.
Am 27. Auguſt nahm Herr Profeſſor Jung von der Königlichen Akademie der bildenden Künſte in Caſſel im Auftrage des Herrn Miniſters der geiſtlichen und Unterrichtsangelegenheiten eine Reviſion des Zeichenunterrichts in allen Klaſſen vor. Herr Zeichenlehrer Bormes hatte eine Ausſtellung von Schülerzeichnungen veranſtaltet, die an den folgenden Tagen von zahl⸗ reichen Beſuchern aus der Stadt mit großem Intereſſe beſichtigt wurde.
Zur Reifeprüfung hatten ſich zum vorgeſchriebenen Termin alle 26 Schüler der Oberprima gemeldet. Die ſchriftliche Prüfung fand in den Tagen vom 9.—14. Februar ſtatt. Die münd⸗ liche Prüfung begann am 26. März unter dem Vorſitze des Herrn Geheimen und Oberregierungs⸗ rates Dr. Paehler aus Caſſel und wurde an den beiden folgenden Tagen unter dem Vor⸗ ſitze des Unterzeichneten fortgeſetzt und endigte mit dem Ergebnis, daß ſämtlichen 26 Ober⸗ primanern das Zeugnis der Reife zuerkannt werden konnte. Die feierliche Entlaſſung fand am Samstag, den 28. März ſtatt.
7. Der Geſundheitszuſtand
im Lehrerkollegium war inſofern kein befriedigender, als der beurlaubte Oberlehrer Herr Dr. Eſſer leider noch immer keine Heilung von ſeinem Leiden gefunden hat. Auch Herr Profeſſor Dr. Marx mußte wegen eines Nervenleidens während des größten Teiles des Jahres beurlaubt werden. Der Geſundheitszuſtand der Schüler hingegen war im allgemeinen gut.


