Jahrgang 
1914
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die Montabaurer Höhe nach Höhr zu machen, wo in dieſen Tagen eine keramiſche Ausſtellung eröffnet war. Nach Beſuch der Ausſtellung hatten wir Gelegenheit, unter Führung des Herrn Bürgermeiſters und anderer ſachkundiger Herren von Höhr mehrere größere und kleinere Be⸗ triebe der keramiſchen Induſtrie zu beſichtigen und ſo einen Einblick zu gewinnen in die Reich⸗ haltigkeit und den Betrieb unſerer heimiſchen Toninduſtrie. Den genannten Herren ſei auch hier für ihre Liebenswürdigkeit unſer verbindlichſter Dank ausgeſprochen.

Als ſich im Sommer die Nachricht verbreitete, daß das ehemalige Mitglied unſeres Lehrer⸗ kollegiums Herr Dr. Auguſtinus Kilian zum Biſchof von Limburg ernannt worden ſei, verfehlte das Kollegium nicht, ſeinem ehemaligen Mitglied durch eine von Herrn Profeſſor Eiſel entworfene und von Herrn Zeichenlehrer Bormes ausgeführte Adreſſe ſeinen Glückwunſch aus⸗ zuſprechen. Bei der feierlichen Konſekration und Inthroniſation des Herrn Biſchofs hatten der Direktor und Herr Profeſſor Reuß die Ehre, als geladene Gäſte zugegen zu ſein, und als dann der neue Herr Biſchof im Oktober zum erſten Male die Stadt Montabaur beſuchte, beteiligten ſich die katholiſchen Schüler an dem von der Bürgerſchaft veranſtalteten Fackelzuge zu Ehren des neuen Oberhirten.

In den Faſtnachtstagen haben wir zum erſten Male den Verſuch gemacht, durch Veran⸗ ſtaltung einer Faſtnachtsfeier im Schulkreiſe den Schülern etwas Beſſeres zu bieten, als das für die Jugend nicht geeignete Straßen⸗ und Wirtshaustreiben. Das Programm lautete:

1. Kreppelkaffee; 2.Der Kyklop, Satyrdrama von Euripides in der Überſetzung von Eskuche; 3. Max und Moritz, eine Bubengeſchichte in ſieben Streichen von Wilh. Buſch, mit Lichtbildern; 4.Och Modder, ich well en Ding hon, Die mit Lautenbegleitung; 5.Der politiſche Hausknecht, Couplet mit Klavierbegleitung; 6. DasSchauer⸗ drama, Katilina.

Alle Darbietungen wurden von den Schülern mit großem Eifer und anerkennenswertem Geſchick gegeben. Um die Einübung und Aufführung desKyklops hatte ſich Herr Wiſſen⸗ ſchaftlicher Hilfslehrer Reichert mit großem Eifer und durchſchlagendem Erfolg bemüht, wofür ihm auch hier der verdiente Dank ausgeſprochen ſei. DenKatilina hatten die Schüler des Biſchöflichen Konvikts unter eigener Regie einſtudiert und brachten ihn zu wirkungsvoller Dar⸗ ſtellung. Man darf ſagen, daß die Feier, zu der das Lehrerkollegium mit ſeinen Angehörigen ſowie zahlreiche Angehörige der Schüler erſchienen waren, in allen ihren Teilen einen wohl⸗ gelungenen Verlauf genommen hat.

Über die Turn⸗ und Spielfeſte wird an anderer Stelle IV berichtet.

5. Beſondere Einrichtungen an der Anſtalt.

Nach einer Verfügung des Herrn Miniſters der geiſtlichen und Unterrichtsangelegenheiten vom 22. Dezember 1913 ſollen im Jahresbericht auch Mitteilungen gemacht werden von be⸗ ſonderen Einrichtungen, die an der Schule getroffen ſind, von Alumnaten uſw. und von eigen⸗ tümlichen Verſuchen im Leben der Schule. Hier wäre in erſter Linie das Biſchöfliche Konvikt zu erwähnen, das in ſeinem ſchönen, geräumigen Neubau auf luftiger Höhe unter der Leitung des hochwürdigen Herrn Regens Fiſchbach 112, d. i. mehr als die Hälfte unſerer auswärtigen Schüler, beherbergt. Man darf ſagen, daß dieſe Schüler in der Anſtalt nicht nur gut verpflegt, und nicht nur vor den mancherlei Gefahren für Leib und Seele nach Möglichkeit bewahrt werden, ſondern auch daß für ihre körperliche Ausbildung und ihre geiſtige Führung während der ſchulfreien Zeit das Mögliche getan wird, und daß ſich der wohltätige Einfluß dieſer Pflege auch in der Schule durch die Haltung und die Erfolge dieſer Schüler in angenehmer Weiſe bemerkbar macht, was wiederum auch auf die übrigen Schüler von wohltätigem Einfluß iſt. Nicht nur die dort untergebrachten Schüler und deren Eltern, ſondern auch die Schule iſt dem Herrn Biſchof von Limburg für die Unterhaltung dieſer Anſtalt zu großem Dank verpflichtet.

Die zweite ſchöne Einrichtung an unſerer Anſtalt iſt der Verein ehemaliger Schüler, der von dem Vorgänger des Berichterſtatters, Herrn Gymnaſialdirektor Profeſſor Dr. Thamm, im Jahre 1907 ins Leben gerufen wurde und gegenwärtig etwa 500 Mitglieder zählt. Dieſe Einrichtung zu pflegen, betrachtet auch der Unterzeichnete als eine ſchöne Aufgabe. Zweck des Vereins iſt nicht nur die Pflege der Jugendfreundſchaft unter ſeinen Mitgliedern,