Jahrgang 
1912
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anzuhalten. Dasſelbe erwartet die Schule auch von den Eltern der einheimiſchen Schüler während des ganzen Jahres. Penſionsgeber und Eltern erlaube ich mir außerdem zu erſuchen, den Leſeſtoff der heranwachſenden Jugend ſorgſam zu überwachen und die berüchtigten Kriminal und Detektiv⸗Erzählungen, ſowie zweifelhafte Romane zu beſeitigen, die durch ihren das ge ſamte Gemütsleben der Jugend aufregenden Inhalt das Nervenſyſtem der Leſer ſchwer ſchädigen können. Gar mancher auf ungeſunde Lektüre erpichte Schüler macht in den Wiſſeenſchaften Rückſchritte ſtatt Fortſchritte. Ebenſo wichtig iſt es, den jüngeren Schülern das Rauchverbot unter Umſtänden fühlbar einzuſchärfen. Jugendliche Raucher beeinträchtigen nicht nur ihre Geſundheit, ſondern ſuchen zuweilen auf unehrliche Weiſe ſich die Mittel zum Ankauf von Zigaretten ꝛc. zu beſchaffen.

Zum Zwecke eines gedeihlichen Zuſammenwirkens von Schule und Haus ſind die Lehrer der Anſtalt und der Unterzeichnete ſtets bereit, über die Klaſſenleiſtungen und das Verhalten der Schüler perſönlich Auskunft zu geben. Auswärtige Eltern und deren Stellvertreter tun gut daran, ſich einen Tag vorher ſchriftlich anzumelden, wenn es ſich um die Geſamtleiſtungen und das Geſamtverhalten eines Schülers handelt. Der Klaſſenleiter iſt dann in der Lage, ſeine Amtsgenoſſen zu fragen. Bei der Wichtigkeit vertrauensvoller, perſönlicher Ausſprache werden die Angehörigen der Schüler dringend gebeten, dieſe Beziehungen zur Schule nicht erſt kurz vor Erteilung der Zeugniſſe oder, was ſchon vorgekommen iſt, im letzten Tertial, ſondern bei ſchwachen Schülern ſofort nach Beginn des Schuljahres anzuknüpfen. Privatſtunden wirken heilſant zn rechter Zeit; im letzten Tertial koſten ſie zwar auch Geld, aber, was bedauerlicher iſt, Nerven.

Die Sprechſtunden gibt ein Anſchlag im Flur des Gymnaſialgebäudes bekannt. Be⸗ ſuche in den letzten Schulwochen ſind nicht erwünſcht; jede Auskunft über das vorausſichtliche Endergebnis des Schuljahres wird grundſätz⸗ lich vom 1. Februar ab verweigert.

Da es im Intereſſe der Eltern und ihrer Stellvertreter liegt, regelmäßig die ſchrift⸗ lichen Arbeiten ihrer Söhne einzuſehen, ſollen die Schüler an gewiſſen Tagen die Hefte zu Hauſe vorzeigen. Die üblichen Ausreden derſelben verdienen in der Regel keinen Glauben.

Entſprechend einer Verfügung vom 25. Mai 1905 rate ich den Eltern derjenigen Schüler, die ſich ſpäter der Technik, den Naturwiſſenſchaften, der Mathematik oder der Medizin zu wid⸗ men gedenken, darauf zu dringen, daß ihre Söhne an dem wahlfreien Zeichenunterricht teilnehmen.

Ebenſo empfehle ich den Schülern der oberen Klaſſen, wofern ſie nicht als künftige Theo logen das wahlfreie Hebräiſche vorziehen, die wahlfreien engliſchen Unterrichtsſtunden zu beſuchen.

Zum Schluß weiſe ich auf den wohltätigen Einfluß hin, den die Pflege der Jugendſpiele und der Sportübungen auf dem Jugendſpielplatz an Sommerabenden und freien Nachmittagen oder das ſog. Frei⸗Turnen an den ſchulfreien Nachmittagen der Winterszeit in der Gymnaſial⸗ Turnhalle oder größere Turnmärſche auf die Entwicklung der jugendlichen Körper ausüben.

Der Gymnaſialdirektor:

Prof. Dr. phil. et iur. Thamm.