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Aufmerkſamkeit der zahlreichen Zuhörer. Mit dem Te Deum und der Erteilung des Biſchöf⸗ lichen Segens endete die erhebende kirchliche Feier.— Beim Feſteſſen, das darauf im„Naſſauer Hof“ ſtattfand, wurde Herr Pfarrer Spring in Anerkennung der Verdienſte aller Konvikts⸗ regenten und Subregenten um die vortreffliche Heranbildung der Jugend zum Geiſtlichen Rat ernannt. Der hochwürdigſte Herr Biſchof feierte die höchſten Vertreter der geiſtlichen und welt⸗ lichen Macht, Papſt Pius X. und Kaiſer Wilhelm II. Der Unterzeichnete berichtete auf Grund der Akten über die vor 40 Jahren erfolgte Gründung des Konvikts, wodurch ein guter Schüler⸗ erſatz dem Gymnaſium geſichert worden ſei, hob mit Worten der Dankbarkeit hervor die weiſe Fürſorge des hochwürdigſten Herrn und des Domkapitels um die Diözeſe und die Schule durch Errichtung des allen hygieniſchen Anforderungen der Neuzeit entſprechenden Gebäudes und ſchloß mit einem Hoch auf den Herrn Biſchof und die Herren Domkapitulare von Limburg.
Mögen die in obigem Februar-⸗Aufſatz und in allen Feſtreden am 3. Mai ausgeſprochenen guten Wünſche für das Konvikt und ſeine Zöglinge in Erfüllung gehen!
Der Direktor des Königlichen Provinzial⸗Schulkollegiums, Herr Ober⸗ und Geh. Reg.⸗Rat Dr. Paehler, beſichtigte das neue Gebäude am 20. Dezember, nachdem er vormittags dem Unterrichte der Probekandidaten beigewohnt hatte. Am 22. März beſuchte der genannte Herr Dezernent 4 Klaſſen des Gymnaſiums und übernahm dann den Vorſitz bei der Reifeprüfung, zu der ſich 24 Oberprimaner gemeldet hatten. An dem folgenden Tage wurde der Unterzeichnete zum Stellvertreter des Königl. Prüfungskommiſſars ernannt. 23 Prüflinge erhielten das Reife⸗ zeugnis. Die feierliche Entlaſſung fand am 24. März ſtatt. Nach der Rede des Direktors und dem Abſchiedsliede:„Ade, Ade, nun zieht hinaus!“ gab Abiturient Honikel dem Empfinden der Scheidenden in herzlichen Dankesworten Ausdruck.
Schulfeſte verſchiedener Art unterbrachen das ziemlich lange Schuljahr.
Bei patriotiſchen Anläſſen trugen der gemiſchte Chor und der Männerchor geeignete Lieder, Schüler verſchiedener Klaſſen einſchlägige Gedichte vor. Am 12. Juli entwarf der Berichter⸗ ſtatter ein Lebensbild von Preußens edler Königin Luiſe, am 2. September ſchilderten ein Unterprimaner und ein Unterſekundaner die bei dem Beſuche der Schlachtfelder von Spichern und Metz empfangenen Eindrücke, und der Unterzeichnete brachte nach dem Hinweis auf die Bedeutung des Sedantages das Kaiſerhoch aus; am 18. Januar behandelte der Berichterſtatter die Bedeutung der Kaiſerproklamation zu Verſailles, am Vorabend des Kaiſersgeburtstages hielt Herr Prof. Wurm die Feſtrede, und der Direktor überreichte dem Unterſekundaner Martin ein Prämienbuch als Geſchenk Sr. Majeſtät des Kaiſers.
Der Geburts⸗ und Todestage unſerer verewigten Kaiſer Wilhelm I. und Friedrich III. wurde durch Anſprachen in den einzelnen Klaſſen gedacht. Am 19. Dezember verſammelten ſich Lehrer, Schüler und Freunde der Anſtalt in der reichgeſchmückten Turnhalle zur Weihnachtsfeier. Beim hellen Lichterglanz zweier Tannenbäume verſetzten Gedichte und die von Herrn Chriſte trefflich ausgewählten Weihnachtslieder, bei denen Herr Konzertſänger Carl Meiſter und Herr Carl Siebert mit rühmlich bekannter Bereitwilligkeit als Soliſten mitwirkten, die Zuhörer in eine weihevolle Stimmung.
Fritz Reuters hundertſten Geburtstag ließ die Schule nicht vorübergehen, ohne den be⸗ liebten Dichter im Kreiſe der älteren Schüler in angemeſſener Weiſe zu feiern.
Der Unterzeichnete veranſtaltete teils in der Turnhalle, teils in der Aula einen Zyklus von Lichtbildervorträgen als Ergebnis ſeiner ſechsmonatigen Studienreiſe durch Kleinaſien, Griechen⸗ land und Italien.
Turnmärſche, Wanderungen in Gottes freier Natur, Kriegsſpiele in der waldreichen Um⸗ gegend, Tennis⸗ und Fußballwettſpiele, ſowie ein Ausflug zu den Dreifelder Weihern während des großen Fiſchzuges verſchafften die nötige Ausſpannung von geiſtiger Arbeit.
Verſchiedene Ziele winkten am 14. Juni den einzelnen Abteilungen bei der Sommer⸗ turnfahrt. Sextaner und Quintaner wanderten zur Schaumburg, nach Fachingen und Oranien⸗ ſtein, die Quartaner fuhren nach dem Stolzenfels und Ems, die Untertertianer nach Boppard, die Obertertianer zur Lorelei, die Unterſekundaner nach Coblenz, die Oberſekundaner nach St. Goarshauſen und Oberweſel, die Primaner zum Drachenfels.
Am 17. Juli 1911 ſind 40 Jahre ſeit der denkwürdigen Huldigungsfahrt verfloſſen, die


