Jahrgang 
1911
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II. Mitteilungen

aus den Verfügungen der vorgeſetzten Behörde.

Caſſel, 28. Februar 1910. Abſchrift eines an die Generalkommandos und oberſten Militärbehörden gerichteten Schreibens betreffend die Befreiung junger Leute, die als Fahnen⸗ junker eintreten wollen, von der Fähnrichprüfung, wenn ihre Schulzeugniſſe über den einjährigen Beſuch der Prima genügen.

Caſſel, 4. Juli 1910. Der Herr Kultusminiſter hat geſtattet, bei der Abfaſſung der Reifezeugniſſe ſich auf die vorgeſchriebenen 4 Prädikate zu beſchränken. Ausführlichere An⸗ gaben ſind jedoch zu machen, wenn die Leiſtungen in der ſchriftlichen und mündlichen Prüfung ſich von den Klaſſenleiſtungen unterſchieden haben.

Caſſel, 28. September 1910. Miniſterial⸗Erlaß vom 14. Juli 1910. Abiturienten, die Seeoffiziere werden wollen, brauchen im Reifezeugnis nicht mehr das Prädikatgut im Eng⸗ liſchen aufzuweiſen; ſie müſſen aber vor ihrem Eintritt in die Marineſchule ſich einer Prüfung im Engliſchen unterziehen.

Caſſel, 14. Januar 1911 bezw. 16. März 1911. Die Ferienordnung für das Schuljahr 1911/12 lautet: Oſterferien 1911 von Sonnabend, den 8. April bis Montag, den 24. April; Pfingſtferien von Freitag, den 2. Juni bis Dienstag, den 13. Juni; Sommerferien von Frei⸗ tag, den 21. Juli bis Dienstag, den 22. Auguſt; Michaelisferien von Sonnabend, den 7. Oktober bis Donnerstag, den 19. Oktober; Weihnachtsferien von Donnerstag, den 21. Dezember 1911 bis Donnerstag, den 4. Januar 1912; Oſterferien 1912 von Sonnabend, den 30. März an.

III. Zur Geſchichte der Schule.

Dienstag, den 5. April begann das Schuljahr wie bisher mit Gottesdienſt in der Pfarr⸗ kirche und Erläuterung der Schulgeſetze in der Aula. Tags vorher waren die angemeldeten Schüler geprüft worden. In ähnlicher Weiſe wurde am 13. Oktober das Winterhalbjahr eröffnet.

In den Lehrkörper traten Oſtern 1910 die Herren Valentin Reichert und Johann Sack als Probekandidaten ein. Herr Probekandidat Eduard Reichwein wurde am 1. Oktober 1910 als wiſſenſchaftlicher Hilfslehrer nach Corbach berufen, nachdem er ein Jahr erfolgreich an hieſiger Anſtalt gewirkt hatte. Ihm ſei hier der beſte Dank für die unſerer Schule geleiſteten Dienſte ausgeſprochen.

Der Geſundheitszuſtand der Lehrer war im allgemeinen gut, und auch die Schüler blieben von der epidemiſch auftretenden Influenza ziemlich verſchont. Leider hatte die Anſtalt einen herben Verluſt zu beklagen. Der Oberprimaner Wilhelm Buſch, ein fleißiger, braver Schüler, erlag am 7. Februar einem langwierigen Leiden gerade in derſelben Morgenſtunde, in der ſeinen Klaſſenkameraden das Thema zum Prüfungsaufſatz bekannt gegeben wurde. Herr Regens Ludwig, der Unterzeichnete und mehrere Schulkameraden geleiteten den allzufrüh entſchlafenen Jüngling in Holpe(Kreis Waldbröh zur letzten Ruheſtätte.

Ein für die Limburger Diözeſe und die hieſige Schule gleich wichtiges Ereignis war die Vollendung des neuen Konviktsgebäudes. Bereits Ende Februar vorigen Jahres hatte eine berufene Feder in einigen Zeitungen eine meiſterhafte Beſchreibung des ſchönen Baues ver⸗ öffentlicht. Sie möge hier wortgetreu wiedergegeben werden:

Das neue Konvikt zu Montabaur.

Dem Wanderer, der vom Rheine her unſer Weſterwald⸗Athen betritt, fällt unmittelbar vor den Toren der Stadt ein gewaltiger Neubau ins Auge. Es iſt kein Prunkſchloß auf ſteiler Höhe, flankiert von ſtolzen Türmen, wohl aber ein Haus ſo praktiſcher Art, daß man gern auf die äußere Zierat verzichtet.Biſchöfliches Konvikt wird die Inſchrift lauten, die bald die noch freie Tafel über dem Portale zieren und urbi et orbi die Beſtimmung