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mit Pflichttreue und Eifer an dem hieſigen Gymnaſium gewirkt hatte und überhaupt ſeit Oſtern 1870 im öffentlichen Schuldienſte tätig geweſen war, wegen eines Augenleidens auf ſeinen Antrag in den verdienten Ruheſtand ein. Von Sr. Majeſtät dem Kaiſer und Könige wurde ihm bei dieſer Gelegen— heit der Rote Adlerorden IV. Klaſſe Allergnädigſt verliehen. Das Königl. Provinzial⸗Schulkollegium ſprach ihm für ſeine langjährige treue und gewiſſenhafte Wirkſamkeit im hieſigen Schuldienſte ſeine Anerkennung und ſeinen Dank aus, und unſer Lehrerkollegium wünſcht dem langjährigen Amtsgenoſſen, daß er ſeine wohlverdiente Ruhezeit noch viele Jahre glücklich genießen möge.
In die durch das Ausſcheiden des Prof. Bloemer frei gewordene Oberlehrerſtelle trat zum 1. Oktober der bisherige wiſſenſchaftliche Hülfslehrer Dr. Müller ein, der ſeit Oſtern d. Is. an unſerer Schule wirkt. Über ſeinen Lebensgang diene folgende Angabe: Julius Müller, geboren am 7. September 1872 zu Darmſtadt, katholiſcher Konfeſſion, beſuchte das Kaiſer Friedrichs Gym⸗ naſium zu Frankfurt a. M. und nach erlangtem Reifezeugniſſe die Univerſität zu Marburg, wo er ſich dem Studium der klaſſiſchen Philologie und Geſchichte widmete. Am 21. Januar 1898 beſtand er die Staatsprüfung in Marburg und promovierte daſelbſt am 1. März 1898 zum Dr. phil. Das Seminar⸗ jahr legte er an dem Gymnaſium zu Wiesbaden vom 1. April 1898—1899 und das Probejahr an dem Realgymnaſium zu Wiesbaden und dem Goethe⸗Gymnaſium zu Frankfurt a. M. vom 1. April 1899— 1900 ab. Von Oſtern 1900— 1901 war er Hülfslehrer am Goethe⸗Gymnaſium zu Frank⸗ furt a. M.; darauf erhielt er einen einjährigen Urlaub, den er während des Sommerſemeſters in Berlin und in den letzten 7Monaten in Grenoble und Paris auf das Studium der franzöſiſchen Sprache verwandte.
Die Verwaltung der durch die Beförderung des Dr. Müller zum Oberlehrer erledigten Hülfs— lehrerſtelle wurde vom 1. Oktober ab dem Kandidaten des höheren Schulamts Karl Metzen aus Limburg a. d. L. übertragen, der von demſelben Termin ab von dem Königlichen Provinzial⸗Schul⸗ kollegium zur Ablegung des geſetzlichen Probejahres dem hieſigen Gymnaſium überwieſen wurde.
Am Sonntag den 12. Oktober nachmittags fand eine Muſik⸗Aufführung von Schülern des Gymnaſiums in der Aula ſtatt, die ſich eines zahlreichen Beſuches von ſeiten der Bewohner der Stadt und Umgegend zu erfreuen hatte. Der Reinertrag in der Höhe von 250 Mark wurde der Werneke⸗ Stiftung zur Unterſtützung unbemittelter Schüler zugeführt.
Am 16. Februar nahm im Auftrage des Herrn Biſchofs von Limburg der Biſchöfliche General⸗ vikar und Domdekan Herr Prälat Hilpiſch eine Reviſion des katholiſchen Religionsunterrichtes vor, die ſich auf alle Klaſſen der Anſtalt erſtreckte.
Der Geſundheitszuſtand war bei Lehrern und Schülern im allgemeinen befriedigend; doch mußte Oberlehrer Wurm wegen eines Augenleidens mit Beginn des Winterſemeſters auf 3 Monate beurlaubt, und für deſſen Unterrichtsſtunden eine beſondere Vertretung eingerichtet werden; ebenſo erkrankte kurz vor Weihnachten der techniſche Lehrer Kaempfer'; die Vertretung übernahm das Lehrer⸗ kollegium. Wegen Teilnahme an einer militäriſchen Ubung mußte Oberlehrer Dr. Müller vom 4.—14. Auguſt und Profeſſor Dr. Marx wegen Teilnahme an einem franzöſiſchen Kurſus in Frank⸗ furt a. M. vom 13.—25. Oktober in ihren Unterrichtsſtunden durch das Lehrerkollegium vertreten werden.
Am 27. Januar beging die Anſtalt den Geburtstag Seiner Majeſtät des Kaiſers und Königs durch eine öffentliche Feier in der Aula mit Muſik, Geſang und Deklamationen. Die Feſtrede hielt Ober⸗ lehrer Eiſel. Auch die übrigen vaterländiſchen Gedenktage, die Geburts⸗ und Todestage der in Gott ruhenden Kaiſer Wilhelm I. und Friedrich, ſind in der vorgeſchriebenen Weiſe feſtlich begangen worden.
Die mündliche Reifeprüfung fand am 27. und 28. Februar unter dem Vorſitze des Herrn Geheimen Regierungsrats Dr. Pähler, ſowie am 2. März unter dem Vorſitze des Direktors, der zum Vertreter des Königlichen Kommiſſars an dieſem Tage beſtellt war, ſtatt. Von 30 Ober⸗ primanern erhielten 29 das Zeugnis der Reife, 9 von dieſen wurden von der mündlichen Prüfung befreit.


