Kaiſer Wilhelns Gynnaſiun in Montabaur. Schulnachrichten.
I. Allgemeine Lehrverfaſſung des Gymnaſiums
während des Schuljahres von Oſtern 1893 bis dahin 1894.
Vorbemerkung.
Umſtehend iſt die frühere ſeit 1882 geltende Lehrverfaſſung und die gegenwärtige ſeit 1892 eingeführte nebeneinander geſtellt. Es iſt dies zur Kenntnisnahme der Eltern unſerer Schüler und der ſonſtigen Verwandten und Freunde derſelben geſchehen. Es geht aus der Vergleichung der neben einander ſtehenden„Überſichten“ hervor, daß namentlich das Latein im Unterricht ſehr ver⸗ kürzt iſt. Während früher in den vier oberen Klaſſen das Latein in je 8 Stunden, in allen übrigen in 9 Stunden(alſo im Ganzen in 77 Stunden) gelehrt wurde, ſind jetzt für dieſes Fach in den drei oberen Klaſſen 6 Stunden angeſetzt, in den vier mittleren 7 Stunden und in den beiden unteren nur 8 Stunden(im Ganzen 62 Stunden.) Das Griechiſche iſt nur um zwei Stunden verkürzt. Neu aufgenommen iſt das Engliſche für die drei oberen Klaſſen und zwar als facultativer Unterricht in je zwei wöchentlichen Stunden. Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß Schüler, die den gleichfalls facultativen Unterricht im Hebräiſchen mitnehmen, nicht zugleich zu dem Engliſchen zugelaſſen werden können. Es liegt die Gefahr einer Überbürdung nahe. Dieſe Gefahr iſt es ja auch hauptſächlich, die den Anſtoß zu der Beſchränkung des Lateiniſchen und Griechiſchen gegeben hat. Eben derſelben Gefahr tritt auch in angemeſſener Weiſe die Vermehrung der Turnſtunden entgegen; jede der drei Abteilungen hat jetzt wöchentlich 3 Turnſtunden, während früher nur je 2 erteilt wurden. Ich be⸗ merke hier, daß unſer Turnplatz unmittelbar hinter dem Gymnaſium liegt; da nun eine Anzahl Geräthe(z. B. Barren, Leitern, Streckſchaukeln, Klettergerüſt) den ganzen Winter draußen ſtehen bleiben, ſo werden ſie bei guter Witterung in allen Zwiſchenpauſen fleißig benutzt, ein Umſtand, der mit dazu beiträgt, unſere Schüler friſch und rüſtig zu erhalten.


