Jahrgang 
1893
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Den Ausſchreitungen vorzubeugen, welche die Schule, wenn ſie eingetreten ſind, mit ihren ſchwerſten Strafen verfolgen muß, iſt Aufgabe der häuslichen Zucht der Eltern oder ihrer Stellvertreter. In die Zucht des Elternhauſes ſelbſt weiter als durch Rath, Mahnung und Warnung einzugreifen, liegt außerhalb des Rechtes und der Pflicht der Schule; und ſelbſt bei auswärtigen Schülern iſt die Schule nicht in der Lage, die unmittelbare Aufſicht über ihr häusliches Leben zu führen, ſondern ſie hat nur deren Wirkſamkeit durch ihre Anordnungen und ihre Controle zu ergänzen. Selbſt die gewiſſenhafteſten und aufopferndſten Bemühungen der Lehrerkollegien, das Unweſen der Schülerverbindungen zu unterdrücken, werden nur theil⸗ weiſen und unſicheren Erfolg haben, wenn nicht die Erwachſenen in ihrer Geſammtheit, insbeſondere die Eltern der Schüler, die Perſonen, welchen die Aufſicht über auswärtige Schüler anvertraut iſt, und die Organe der Gemeindeverwaltung, durchdrungen von der Ueberzeugung, daß es ſich um die ſittliche Geſundheit der heranwachſenden Generation handelt, die Schule in ihren Bemühungen rückhaltslos unterſtützen.

Noch ungleich größer iſt der moraliſche Einfluß, welchen vornehmlich in kleinen und mittleren Städten die. Organe der Gemeinde auf die Zucht und gute Sitte der Schüler an den höheren Schulen zu üben vermögen. Wenn die ſtädtiſchen Behörden ihre Indignation über zuchtloſes Treiben der Jugend mit Entſchiedenheit zum Ausdrucke und zur Geltung bringen, und wenn dieſelben und andere um das Wohl der Jugend beſorgte Bürger ſich entſchließen, ohne durch Denunciation Beſtrafung herbeizuführen, durch warnende Mittheilung das Lehrerkollegium zu unterſtützen, ſo iſt jedenfalls an Schulorten von mäßigem Umfange mit Sicherheit zu erwarten, daß das Leben der Schüler außerhalb der Schule nicht dauernd in Zucht⸗

loſigkeit verfallen kann. An ſämmtliche Königliche Provinzial⸗Schulkollegien. gez. Boſſe.

III. Chronik der Schule.

Am 26. April begann das neue Schuljahr mit der Prüfung der neu angemeldeten Schüler; es traten 75 Schüler neu ein.

An dem Unterricht in der Stenographie(Syſtem Gabelsberger), den der Primaner Pohl leitete, nahmen 18 Schüler aus den drei oberſten Klaſſen teil.

Den Unterricht in der engliſchen Sprache, den Herr Dr. Marx crteilte, beſuchten 27 Schüler.

Prof. Breuer, der ſchon am Schluß des vorigen Winterſemeſters heftig an der Iſchias erkrankt und längere Zeit bettlägerig war, erhielt auf ſeinen Antrag zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit einen Urlaub für das ganze Sommerſemeſter. Seine Stunden in Prima und Oberſekunda wurden von dem zu. ſeiner Vertretung vom Kuratorium berufenen Dr. Wagner aus Ems übernommen.

Im Anfang des Winterſemeſters belief ſich die Zahl der Schüler auf 262; von dieſen waren 9 neu aufgenommen..

Vom 7. bis zum 16. November war Prof. Breuer zur Schwurgerichtsſitzung in Neuwied einberufen.

Am 24. Januar erhielt das Gymnaſium durch die Güte des Herrn Forſtmeiſters Bender eine Scheibe des Stammes der großen in unſerer Gegend allbekanntenEſchelbacher Eſche, die im Herbſt ge⸗ fällt war. Der Durchmeſſer der etwa 20 em dicken Platte beläuft ſich auf 1 m 70 em; dieſe ſteht in einem der unteren Gänge des Gymnaſiums und erregt durch ihren mächtigen Umfang allgemeines Staunen. Die Länge des kerzengrade gewachſenen Stammes belief ſich auf 10,2 m ohne Aſt, der Cubik⸗ inhalt 8,83 Feſtmeter, der Cubikinhalt des ganzen Baumes 32,73 Feſtmeter.

Am 8. März wurden 3 erterne Abiturienten geprüft, die vom Königl. Provinzial⸗Schulkollegium der hieſigen Kommiſſion überwieſen waren. Den Vorſitz führte Herr Geh. Reg.⸗Rath Dr. Lahmeyer. Das Zeugnis der Reife erhielten 15 Schüler, von denen 14 von der mündlichen Prüfung befreit wurden. Das Nähere ergiebt das Verzeichnis der Abiturienten.