Jahrgang 
1907
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Bei der Feier des Geburtstages Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs hielt Oberlehrer Profeſſor Dr. Klaſſert, bei der Geburtstagsfeier Sr. Majeſtät des Kaiſers Oberlehrer Malſy die Feſtrede. Beide Feiern wurden im Kreiſe der Schule gehalten.

Am 5. September 1906 beſtanden 3 Schüler der Klaſſe II'b die fakultative Abſchlußprüfung, bei der dem Direktor die Obliegenheiten des Regierungsvertreters übertragen waren. Zu der fa⸗ kultativen Abſchlußprüfung, die am 14. März 1907 ſtattſinden ſoll, meldeten ſich acht Schüler der Klaſſe II b. Ein Schüler trat nach der ſchriftlichen Prüfung vom Examen zurück.

An dem fakultativen Unterricht in Stenographie, der nach dem Syſtem Gabelsbergers in zwei Stunden wöchentlich erteilt wurde, nahmen 16 Schüler aus den Klaſſen II a bis III a teil.

Von Erkrankungen jüngerer Schüler an Maſern, die meiſt leicht verliefen, und von der oben erwähnten Erkrankung eines Lehrers abgeſehen, war der Geſundheitszuſtand bei Schülern und Lehrern im allgemeinen gut.

Die als Erſatz für die monatlichen halbtägigen Spaziergänge am 10. Mai ausgeführten Tagesausflüge hatten teils die Umgebung Michelſtadts, teils entferntere Orte, wie Ernſtthal⸗Wald⸗ leiningen und die Tromm, zum Ziele. Am 2. September beſuchten die Schüler, die am vorher⸗ gehenden Tage auf die Bedeutung des Deutſchen Feſtes hingewieſen worden waren, das Manöver⸗ feld. Am 24. Janunar gingen die Schüler mittags unter Aufſicht der Lehrer auf die Eisbahn. Während der Monate Januar und Februar konnte für einige Turnſtunden Eislauf oder Schlitten⸗ fahren eintreten.

Zum Spielen außerhalb der Schulzeit wurde meiſt unſer Schulhof benutzt. Am Baden und Schwimmen an unſerem Badehäuschen, das auf dem Anweſen der Herren Fabrikanten Rexroth errichtet iſt, beteiligten ſich die Schüler während der Sommermonate ſehr zahlreich; einige Lehrer führten abwechſelnd die Aufſicht.

Im Laufe des Sommers 1906 wurde unſere Zentral⸗Luftheizung durch eine Niederdruck⸗ Dampfheizung erſetzt, jedoch wurde die frühere Heizungsanlage für die Lüftung in der Weiſe um gebaut, daß nunmehr die friſche Luft beim Einſtrömen in die Luftkammern an Dampf⸗Rippenrohren erwärmt werden kann und aus Waſſerbecken, die über den Rippenrohren aufgeſtellt ſind, Waſſer⸗ dampf aufnimmt, bevor ſie in die Schulräume aufſteigt. Die Lieferung und Aufſtellung des Keſſels, der Heizkörper und der Röhren mit allem Zubehör, ſowie das Anlegen der Schutzhülle gegen Wärme⸗ verluſte war der Firma E. Möhrlin, Fabrik für Zeutralheizungsanlagen in Stuttgart, die Arbeiten für die verſchiedenen Handwerke waren hieſigen Meiſtern übertragen. Dem tatkräftigen Handin⸗ handarbeiten der Meiſter und Gehilfen verdanken wir es, daß die geſtellte Zeitfriſt eingehalten und der Unterricht, ſoweit er nicht unſere Werkſtätte in Auſpruch nahm, in keiner Weiſe geſtört wurde.

Die Wohltat der neuen Heizanlage, die in allen ihren Teilen zweckmäßig und gut einge⸗ richtet iſt, lernten Schüler und Lehrer im Laufe dieſes ſtrengen Winters ſo recht ſchätzen. Auch die einfache und verhältnismäßig leichte Bedienung kam uns bei dem Pedellenwechſel während des Winters ſehr zuſtatten. Wenn ſchon im erſten Jahre des Gebrauches trotz des Wechſels in der Bedienung und trotz des ſtrengen Winters kaum eine Klage erhoben werden konnte, ſo dürfen wir hoffen, daß auch in den kommenden Jahren Störungen in der Heizung nicht eintreten werden.

Für dieſe neue Heizanlage, ſowie für eine Reihe anderer Arbeiten, die in unſerem Schulge⸗ bäude und im Schulhofe ausgeführt wurden, ſagen wir den Vertretern der Gemeinde Michelſtadt beſten Dank. Auch danken wir den Buchhändlern, die Bücher und andere Erſcheinungen ihres Verlages einſandten oder uns Freiexemplare für weniger bemittelte Schüler überließen, wie die Herren Dieſterweg, Flemming, Freytag, Gödel, Manz und Lange, Roth, Teubner, Velhagen und Klaſing, ſowie allen denen, die im Laufe dieſes Schuljahres beſonderes Intereſſe für unſere Anſtalt zeigten; an Geſchenken wollen wir hier nur eine Inſektenſammlung aus Braſilien und ein Fueß'ſches Stationsbarometer nennen.

Nach einer Verordnung Großherzoglichen Miniſteriums ſoll den Eltern aller Schüler zu Anfang eines jeden Halbjahres bekannt gegeben werden, an welchen Wochentagen ſich die Hefte mit den verbeſſerten und beurteilten ſchriftlichen Arbeiten in den Händen der Schüler befinden, damit die Eltern von den Fortſchritten ihrer Söhne durch Einſicht in deren ſchriftliche Leiſtungen fortlaufend Kenntnis nehmen können. Auf der erſten Seite der Hefte für die Klaſſenarbeiten, die in beſtimmten Zwiſchenräumen geſchrieben werden, ſind die Wochentage angegeben, an denen die Arbeit geſchrieben und den Schülern zenſiert zurückgegeben werden ſoll.