— 10—
IV. Geſchichte der Anſtalt.
. Das Schuljahr begann Montag den 10. April mit Anmeldung und Aufnahmeprüfung der
futretenden Schüler. Dienstag den 11. April nahm der Unterricht nach einer kurzen Schulfeier einen Anfang.
Durch Anerhächftes Dekret vom 12. April 1899 wurde der proviſoriſche Lehrer an der Großh. Realſchule zu Michelſtadt, Lehramtsaſſeſſor Dr. Karl Hattemer, zum Lehrer an derſelben ernannt.
Am 13. April 1899 nahmen die Herren Miniſterialrat Soldan und Geh. Oberſchulrat Eiſenhuth Einſicht von den Räumlichkeiten unſerer Schule und ſtellten feſt, daß wir der ſeither von der Volksſchule benutzten Säle demnächſt bedürfen.
Vom 18. Juni bis 12. Auguſt 1899 war Dr. Kornmeſſer zu einer Studienreiſe nach Paris beurlaubt; in ſeinen Unterricht teilte ſich das Lehrerkollegium, die Verwaltung der Lehrerbibliothek übernahm Kißner, der dieſelbe auch nach Rückkehr des Dr. Kornmeſſer auf deſſen Wunſch behielt.
Die 150. Wiederkehr des Geburtstages Goethes wurde am 28. Auguſt in den zwei oberen Klaſſen durch Vorträge der Schüler und Anſprachen der Lehrer des Deutſchen gefeiert.
Durch Allerhöchſtes Dekret vom 30. Auguſt 1899 wurde der Großh. Gymnaſiallehrer Dr. Chriſtoph Wittich zu Mainz zum Lehrer an der Großh. Realſchule zu Michelſtadt mit Wirkung vom 11. d. M. ernannt.
Durch Perfügun Großh. Miniſteriums vom 4. September 1899 wurde der proviſoriſche Lehrer an der Großh. Realſchule zu Michelſtadt Lehramtsaſſeſſor Heinrich Förmes zum Dirigenten und erſten Lehrer der höheren Bürgerſchule zu Lauterbach mit Wirkung vom 11. d. M. ernannt.
Durch Verfügung Großh. Miniſteriums vom 6. September 1899 wurde dem erkrankten Dr. Wittich vom 11. September bis zum 5. November d. J. Urlaub bewilligt und derſelbe durch Verfügung vom 30. Oktober bis zum 31. Dezember 1899 verlängert.
urch Verfügung Großh. Miniſteriums vom 7. September 1899 wurde dem Lehramts⸗ acceſſiſten Dr. Adam Flechſenhaar zu Worms mit Wirkung vom 24. September d. J. zur Ver⸗ tretung des erkrankten Dr. Wittich die proviſoriſche Verwaltung einer Kehrerſtele an der Großh. Realſchule u Michelſtadt übertragen, und durch Verfügung vom 30. Oktober d. J. wurde derſelbe mit der weiteren Vertretung des Dr. Wittich bis zum Schluſſe des Jahres 1899 beauftragt.
Vom 10. Oktober 1899 ab war Herr— arrer Marguth zu einer Badereiſe für 4 Wochen beurlaubt; ſeinen Unterricht übernahm teilweiſe Herr Pfarrer Bernbeck dahier, teilweiſe wurden die Stunden durch das Lehrerkollegium vertreten. Herrn Bernbeck ſei für ſeine freundliche Aushilfe auch hier Dank geſagt.
Durch Allerhöchſtes Dekret vom 13. Nov. 1899 wurde dem Großh. Reallehrer Dr. Wittich der Charakter als Profeſſor verliehen.
Am 17. Januar 1900 beſuchte Herr Geh. Oberſchulrat Nodnagel unſere Anſtalt und wohnte dem Unterricht in den Progymnaſialabteilungen und in mehreren Klaſſen bei.
Am 10. März 1900 erlag Joſeph Strobl, Schüler der Progymnaſialabteilung der zweiten Klaſſe, nach achttägigem Krankenlager, einer Blinddarmentzündung; wir beklagen in ihm den Ver⸗ luſt eines unſerer wackerſten Schüler, der zu den ſchönſten Hoffnungen berechtigte. Seine Lehrer und die Schüler der drei oberen Klaſſen gaben ihm das letzte Geleite.—
Unter dem Vorſitze des Herrn Geheimen Oberſchulrat Nodnagel fand am 14. März 1900 die diesjährige Abſchlußprüfung ſtatt, welche die 17 Schüler der erſten Klaſſe, die zu der mündlichen Prüfung Bugelaſſen wurden, beſtanden.
ei der Geburtstagsfeier J. J. K. K. H. H. des Großherzogs und der Großherzogin hielt der Reallehrer Hilß, bei der Geburtstagsfeier S. M. des Kaiſers der Lehramtsaſſeſſor Dr. Kalbfleiſch die Feſtrede. Zur Jahrhundertwende ſprach in der letzten Stunde vor Weihnachten der Großh. Reallehrer Klaſſert.
Da die meiſten unſerer Schüler täglich weitere Wege zur Schule zurückzulegen haben, ſo wurden auch in dieſem Jahre die monatlichen halbtägigen baziergänge unterlaſſen. Am 29. Juni 1899 wurde ein Tagesausflug in die weitere Umgebung Michelſtadts ausgeführt, als deſſen Ziele unter anderen der Rodenſtein, der Katzenbuckel und Zwingenberg a. N. zu nennen ſind.


