IV. Geſchichte der Anſtalt.
Das Schuljahr begann Montag, den 22. April, mit Anmeldung und Aufnahmeprüfung der eintretenden Schüler; Dienstag, den 23. April, nahm der Unterricht nach einer kurzen Schul⸗ feier ſeinen Anfang.
Durch Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums wurde dem Lehrer an unſerer Anſtalt, Ludwig Falkenhagen, mit Wirkung vom 1. April 1895 die proviſoriſche Verwaltung einer Lehrer⸗ ſtelle an dem Großh. Realgymnaſium zu Darmſtadt und durch Allerhöchſtes Dekret vom 11. Mai 1895 dieſe Stelle definitiv übertragen. Der Vertreter des im Vorjahre nach England beurlaubten Herrn Falkenhagen, Lehramtsacceſſiſt Dr. Kornmeſſer, verblieb an unſerer Anſtalt.
Das Sedanfeſt wurde in dieſem Jahre wegen der 25. Wiederkehr des deutſchen Feſtes von den Vereinen und Lehranſtalten Michelſtadts gemeinſam gefeiert und ſo zu einem Volks⸗ und Jugendfeſt erweitert.
Bei der im Kreiſe der Schule begangenen Feier des Geburtstages Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs und Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin hielt der Großh. Real⸗ lehrer Hönig die Feſtrede über den Landgrafen Philipp, den Gelehrten, von Butzbach.
Die 25. Wiederkehr des Tages der Neubegründung des deutſchen Reiches feierte die Schule öffentlich durch Geſänge und Vorträge der Schüler; die Feſtrede hielt der Direktor über die deutſchen Kaiſer Friedrich I. und Wilhelm I.—
Die Feier des Geburtstages Seiner Majeſtät des Kaiſers beging die Schule durch Geſänge und Vorträge der Schüler; die Feſtrede hielt der Großh. Reallehrer Rothermel über Kaiſer Wilhelm II. Zu der Feier waren die Eltern der Schüler eingeladen.
Die monatlichen Spaziergänge wurden in der Nähe Michelſtadts ausgeführt; nur der Tages⸗ ausflug im Juni führte die Schüler ferneren Zielen wie Bingen⸗Niederwald, Katzenbuckel⸗Eberbach, Reichelsheim⸗Neunkirchen, Schöllenbach⸗Reißenkreuz⸗Hetzbach zu.
Im Sommerhalbjahr wurde in Verbindung mit der mathematiſchen Geographie das praktiſche Feldmeſſen und Nivellieren geübt und daran anſchließend ein Geländeabſchnitt aufgenom⸗ men. Die Schüler gaben ſich dieſen Arbeiten mit großem Intereſſe hin, ſodaß der Erfolg uns veranlaßt, auch weiterhin ſolche Ubungen vornehmen zu laſſen.
Nach den Sommerferien begann der Großh. Reallehrer Kleinen einen Handfertigkeitskurſus, für welchen er ſich bei einem hieſigen Schreinermeiſter im Laufe des vorletzten Jahres vorbereitet hatte. Leider konnten ihm nur drei Hobelbänke zur Verfügung geſtellt werden, und ſo unterrichtete er denn bis jetzt in zwei Gruppen 8 Schüler der zweiten, Klaſſe in je zwei Stunden wöchentlich. Der Erfolg dieſes Unterrichts iſt nicht allein in der Übung der Hand, ſondern vielmehr noch in der Übung des Auges zu ſuchen, ſodaß dieſe Arbeiten auch dem Zeichen⸗ und Mathematikunterricht zu gute kommen.
Eine wöchentliche Schreibſtunde für Schüler der oberen Klaſſen mit ſchlechter Handſchrift ſowie der Unterricht einiger Schüler der vierten, Klaſſe im Griechiſchen brachte faſt ſämtlichen Lehrern unſerer Anſtalt im zweiten Halbjahre einige Überſtunden.
Am 7. März d. J. wurde unter dem Vorſitze des Herrn Geheimen Oberſchulrats Soldan die diesjährige Abgangsprüfung an unſerer Anſtalt abgehalten. Derſelben unterzogen ſich 17 Schüler der erſten Klaſſe; 16 derſelben konnte das Abgangszeugnis und das Zeugnis über die wiſſenſchaft⸗ liche Befähigung zum einjährig⸗freiwilligen Dienſt erteilt werden.
Mit Beginn des nächſten Schuljahres wird unſerer Anſtalt eine Progymnaſialabteilung zuge⸗ fügt und zwar vorerſt für die Klaſſen VII— III(entſprechend den Klaſſen Sexta bis Obertertia des Gymnaſiums) eingerichtet werden, ſodaß ev. an Oſtern 1899 zum erſtenmal Schüler unſerer Anſtalt in die Unterprima eines Gymnaſiums eintreten können. Väter, welche wünſchen, daß ihre Söhne edieſe Aüteilund unterrichet werden, erſuchen wir, uns davon perſönlich oder ſchriftlich in Kennt⸗ nis zu ſetzen.
Den Buchhandlungen, die in unſerem Intereſſe Bücher und andere Erſcheinungen ihres Verlages einſandten, den Herren und Damen, die in mancherlei Weiſe im Laufe dieſes Schuljahres


