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Samſtag den 27. September, vormittags 10 Uhr fand die feierliche Einführung des neu⸗ ernannten Directors Dr. Quentell ſtatt. Zu der Feier waren die erlauchten Herrſchaften von Erbach⸗Fürſtenau und Erbach⸗Erbach, Herr Kreisrat l)r. Breidert, Herr Schulinſpector Rückert, Herr Oberlehrer Berres, Herr Oberpfarrer Wagner als Vorſtand des Kirchenvorſtandes, Herr Pfarrer Hennig, Herr Lehrer Gottſchall und der Vertreter des Bürgermeiſters, Herr Beigeordneter Oſterheld, ſowie der geſamte Gemeinderat und das Lehrercolleg der Realſchule geladen. Bei dieſer Schulfeier hielt Herr Director Becker folgende Abſchiedsrede:
Hochgeehrte Anweſende! Liebe Schüler! Mit dem Herrn fang Alles an! Kindlich ſollſt du ihm ver⸗ trauen, nicht auf eigne Kraft nur bauen; Demuth ſchützt vor ſtolzem Wahn. Mit dem Herrn fang Alles an! Die ſich ihn zum Führer wählen, können nie das Ziel verfehlen, ſie nur gehn auf ſichrer Bahn. Mit dem Herrn fang Alles an! Mut wird dir dein Helfer ſenden, froh wirſt du dein Werk vollenden, denn es iſt in Gott gethan. Mit ſolchen Gedanken und Gefühlen trat ich vor nunmehr 25 Jahren das verantwortliche Amt eines Directors und Lehrers an der hieſigen Schule an. Der Herr ſegnete meine ſchwachen Kräfte, ihm ſei allein die Chre! Mit ſolchen Gedanken und Gefühlen will ich auch heute mein Amt wieder niederlegen in dem kindlichen Vertrauen, daß der Herr es auch fernerhin ſegnen werde, ihm ſei allein die Chre! Den Menſchen aber, die das Werk fördern halfen, gebührt mein tiegefühlteſter, ehrerbietig⸗ ſter Dank. Durch die Gnade Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs Ludwig III. an dieſe Stelle ge⸗ ſtellt, wurde ich durch ihn, ſowie durch ſeinen hohen Nachfolger Ludwig 1V durch mannigfache Er⸗ weiſungen von Huld und Fürſorge beglückt, von der höchſten Schulbehörde ſah ich das Werk der Jugendbildung und Erziehung unter den mannigfaltigſten Entwicklungen gedeihen und fortſchreiten, von den zu der Schule in Beziehung ſtehenden öffentlichen Behörden ſah ich mich unterſtützt, von hohen Gönnern und Freunden vielfach gehoben, von treuen Lehrern und Mitarbeitern in thätiger und umſichtiger Weiſe gefördert, von einem verſtändigen Publikum in meinem Thun und Laſſen wohlwollend beurteilt. Für alle dieſe Beweiſe der Förderung ſei heute der tiefgefühlteſte Dank dar⸗ gebracht. Heute ſoll ich nun Abſchied nehmen von dieſer Schule, an welcher ich vor 35 Jahren meinen Acceß gemacht habe, an welcher ich nunmehr 25 Jahre als Lehrer und Director wirke, ich ſoll Abſchied nehmen von Ihnen, hochgeehrte und liebe Herrn Collegen, die Sie mir bis dahin ſo treu und fleißig zur Seite geſtanden haben an dem Werk der Jugendbildung und Erziehung, ich ſoll Abſchied nehmen von euch, liebe Schüler, die letzten für mich, in der langen Reihe von Schülern dieſer Anſtalt während meiner langjährigen Wirkſamkeit. Gar vieles hätte ich bei dieſem Abſchiede nach dieſen drei verſchiedenen Richtungen noch zu ſagen. Ich faſſe alles kurz in folgende Worte uſammen: Fu Möge dieſe Anſtalt, die mir ſo ſehr am Herzen liegt, auch fernerhin blühen und gedeihen, möge ſie wie ſeither unter ihren Schweſteranſtalten des Landes eine würdige Stelle einnehmen, möge ſie in einer neuen Zeit all die neuen und weiteren Ziele erreichen, die eine fortſchreitende Ent⸗ wicklung dem höheren Schulweſen ſteckt.. Mögen Sie, hochgeehrte Herrn Collegen, auch fernerhin ihre höchſte geiſtige und ſittliche Aufgabe in dem Wachſen und Blühen dieſer Anſtalt finden, mögen Sie auch fernerhin ihre beſten Kräfte einſetzen, um die Ihnen anvertraute Jugend zu höherer Bildung und Sitte zu erziehen! Möget ihr, liebe Schüler, auch fernerhin durch Fleiß und Anſtrengung, vor allem aber durch muſterhaftes Betragen der Anſtalt und euren Lehrern Ehre und Freude machen. Bedenket, daß alle Aufgaben und Ziele der Schule, jegliche Beſtrebung und Anſtregung der Lehrer in euren Leiſtungen und in eurer ganzen Lebensführung zu Tag treten müſſen. Nach euch, nach euren Leiſtungen im Leben, nach eurem Thun und Laſſen in eurem Berufe, wird man im großen Ganzen
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