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dit Treue und Eifer geleiſteten Dienſte mit Wirkung vom 1. October an in den Ruheſtand zu verſetzen.
An demſelben Tage verlieh Se. Königl. Hoheit Allergnädigſt dem Director an der Real⸗ ſau Wilhelm Becker die Krone zum Ritterkreuz I. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Groß⸗ müthigen.
Se. Königl. Hoheit der Großherzog ernannte am 26. Juli durch Allerhöchſtes Decret den Lehrer an dem Gymnaſium und der Realſchule zu Worms Dr. Friedrich Quentell zum Director an der Realſchule zu Michelſtadt mit Wirkung vom 1. October an.
Friedrich Quentell wurde am 26. April 1847 in Worms geboren, abſolvierte Oſtern 1866 das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt und beſuchte die Univerſitäten Heidelberg, Bonn und Gießen. Nach eineinhalbjährigem Acceß an der Realſchule zu Mainz wurde er durch Allerhöchſtes Decret Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs zum Lehrer an dieſer Anſtalt und im December 1874 zum Lehrer an dem Gymnaſium und der Realſchule zu Worms ernannt..
Reallehrer Kleinen wurde vom 27. Juli ab zu einer achtwöchentlichen militäriſchen Übung einberufen. Großherzogliches Miniſterium des Innern und der Juſtiz, Abteilung für Schulange⸗ legenheiten, ernannte zum Vertreter desſelben den Gymnaſial⸗ und Realſchulamts⸗Acceſſiſt Roth von Mainz. Derſelbe wurde am 9. Auguſt in ſeinen Dienſt an der Realſchule eingewieſen. Derſelbe giebt über ſeinen Lebens⸗ und Bildungsgang nachfolgende Mitteilungen:
Heinrich Roth, geboren am 1. Mai 1866 zu Babenhauſen, Sohn des Herrn Landwirts Balthaſar Roth daſelbſt, abſolvierte das Realgymnaſium zu Offenbach 1884, ſtudierte 1884— 1888 zu Gießen Mathematik, Phyſik und Chemie, machte ſeinen Acceß zu Gießen und war Mitglied des pädagogiſchen Seminars daſelbſt, wurde dann am Realgymnaſium zu Mainz verwendet bis zu ſeinen Eintritt an der hieſigen Realſchule.
Der Nachmittagsunterricht fiel an folgenden Tagen der Hitze wegen aus: Montag den 18. und Dienſtag den 19. Auguſt.
Der Sedantag wurde in herkömmlicher Weiſe Dienſtag den 2. September gefeiert.
Da Reallehrer Kleinen aus ſeiner militäriſchen übung ſchon am 6. September entlaſſen wurde, ſo konnte derſelbe ſchon am 9. September wieder in ſeinen Dienſt an der Realſchule ein⸗ breben. An demſelben Tage wurde ſein Stellvertreter aus dem Dienſt an der Realſchule ent⸗ aſſen.
Der Geburtstag Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs Ludwig VI. wurde öffentlich im Beiſein von Eltern und Angehörigen unſerer Schüler gefeiert.
Anm 25. September fand zu Ehren des ſcheidenden Herrn Wilhelm Becker eine Feſtfeier zur Einnerung an ſeine 25jährige Wirkſamkeit als Director der hieſigen Realſchule im Hotel Frie⸗ drich ſtatt. Die zahlreiche Betheiligung an dieſem Feſte war ein deutlicher Beweis der Liebe und Verehrung, die ſich Herr Director Becker während ſeiner langjährigen Amtsführung bei der ganzen Bevölkerung, beſonders aber bei ſeinen Schülern und Collegen erworben hatte. Mit dem wärmſten Danke für die aufopfernde Pflichttreue, für die zahlreichen Beweiſe der Liebe und Freundſchaft, welche der Herr Jubilar während ſeiner erfolgreichen Thätigkeit an der Anſtalt den Collegen ent⸗ gegenbrachte, ſprechen wir den Wunſch aus, daß er noch recht lange in ungetrübter Geſundheit die wohlverdiente Ruhe genießen möge. Seine zahlreichen hieſigen Bekannte inner⸗ und außerhalb der Schule werden ſtets gerne ſich des würdigen Herrn erinnern, der den Eltern ein liebenswürdiger Berater, Lehrern und Schülern immer ein treuer Freund geweſen iſt.
Am 26. September überreichten die Schüler der Realſchule ihrem ſcheidenden Director unter Anſprache eines Schülers der I. Klaſſe ein ſehr geſchmackvolles Gedenkblatt, auf welchem die Schüler der 6 Realſchulklaſſen und der Vorſchulklaſſen mit ihren Ordinarien in wohlgelungenen Photographien zuſammengeſtellt waren. Das Lehrercolleg hatte ein ſehr ſinniges Andenken anfer⸗ tigen laſſen; ein Album in künſtleriſcher Ausführung mit zwei Radierungen auf Elfenbein, auf der Vorderſeite darſtellend das hieſige Rathaus, auf der Rückſeite das Realſchulgebäude. Das Album enthielt die wohlgelungenen Photographien der Lehrer.
Sowohl bei der Feſtfeier als auch bei der Überreichung dieſer Andenken verſäumte der Ge⸗ feierte nicht, ſeinen herzlichen Dank für dieſe Beweiſe der Liebe und Anerkennung auszuſprechen.


