17
ſo daß die Kaiſerkrone Barbaroſſas unſerm Kaiſer Wilhelm I. von den deutſchen Regierungen und den Vertretern des Volkes zuerkannt wurde. Er wies dann nach, daß die Nachfolger des erſten deutſchen Kaiſers, Kaiſer Friedrich und Wilhelm II. bemüht waren, den inneren Ausbau dieſes Reiches zu vollenden und Deutſchlands Macht und Größe weit über die Grenze Deutſchlands hinaus zu vermehren, Deutſchlands Gewerbfleiß und Handel durch Gründung von Kolonien zu be⸗ fördern und neue Bahnen zu eröffnen. Zu Schluß forderte er die Schüler auf, unſerm Kaiſer Wilhelm II. im geeinten Vaterlande ein dreifaches Hoch zu bringen, worin die Schüler kräftig ein⸗ ſtimmten. Nachdem die Schüler hierauf ein patriotiſches Lied geſungen hatten, las der Unterzeichnete ein Gedicht aus der Sammlung von Gedichten von Lang„Deutſchland iſt mein Vaterland“ vor:
Weißt du's, deutſcher Knabe? Weißt du, wie die Väter fanden Deines Vaterlandes Gaun?— Wild und rauh und waldbeſtanden; Doch ſie ſchufen goldne Auen.
Wo der Ur trat die Spur, Iſt nun Dorf und Stadt zu ſchauen.
Weißt du, wie ſie deiner Sprache Reichen, edlen Inhalt gaben, Daß ſich Poeſie und Sage, Eng mit ihr verſchwiſtert haben? Geiſteskraft, Wiſſenſchaft Birgt ſie, Wiſſensdurſt zu laben.
Weißt du, wie ſie jüngſt noch thaten, Als die wälſchen Feinde drohten? Schwerter tauſchten ſie um Spaten, Und die Siegesflammen lohten. Sonnengleich ſtieg das Reich Aus dem Blutmeer edler Toten.
Weißt du, was du deinen Ahnen Schuldeſt, weißt du's deutſcher Knabe? Halte hoch die alten Fahnen!
Wahre treu der Väter Gabe! Und vermehr deutſche Ehr Deutſchen Geiſt und deutſche Habe!
Der Sedantag wurde in der herkömmlichen Weiſe Montag den 2. September gefeiert. Der Geburtstag Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs wurde öffentlich im Beiſein von Eltern und Angehörigen unſerer Schüler nach folgendem Programm gefeiert: 1. Geſang: Herr deine Güte reicht ſo weit, Motette von Grell. 2. Rede: Hermann der Gelehrte, Landgraf von Heſſen. 3. Geſang: Heil unſerm Fürſten Heil. 4. Geſang: Hinaus, hinaus, es ruft das Vaterland.“ Kurz vor Ablauf des Sommerhalbjahres erkrankte Reallehrer Kleinen und ſuchte um einen Urlaub zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit nach. Großh. Miniſterium des Innern und der Juſtiz, Abteilung für Schulangelegenheiten gewährte ihm den gewünſchten Urlaub durch Verfügung vom 24. September 1889. Durch weitere Verfügung derſelben hohen Behörde wurde zum Stellver⸗ treter des erkrankten Lehrers der Gymnaſial⸗ und Realſchullehramts⸗Acceſſiſt, Karl Wißner, ernannt. Derſelbe trat ſeinen Dienſt bei Beginn des Winterhalbjahres am 7. October an und führte ihn bis Ende Januar fort. Am 1. Februar trat Reallehrer Kleinen wieder in ſeinen Dienſt ein. Am 27. Januar wurde der Geburtstag unſeres Kaiſers Wilhelm II. in herkömmlicher Weiſe durch Geſang und eine Anſprache an die Schüler gefeiert. Die diesjährigen öffentlichen Prüfungen, ſowie die Schlußfeier ſollen auf Antrag der Lehrerconferenz dieſes Jahr ausfallen, da die verſchiedenen Unterbrechungen des Unterrichtes durch
3


