Jahrgang 
1889
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glüht von Andacht und Glaubensmut, darum verzagen wir nicht, wir hoffen auf den Herrn, daß er uns in unſerem Schmerze ſeine Liebe erkennen läßt, wir hoffen, daß an der Bahre ihres erſten deutſchen Kaiſers Deutſchlands Söhne ſich in Liebe und Treue zum Vaterlande zuſam⸗ menſchließen und das Andenken des Heimgegangenen dadurch ehren, daß ſie ſein verklärtes Bild in ihren Herzen tragen und auf ihr Leben anwenden. Das treue Auge des Kaiſers wird dann freudig von den Gefilden des ewigen Friedens herniederblicken, wenn es ſieht, daß das Werk ſeines Lebens, das neue deutſche Reich, in der Tüchtigkeit ſeiner Söhne dauernd begründet iſt. Ein Choral ſchloß hierauf die erhebende Feier.

Reallehrer Kleinen wurde vom 1. Juni ab zu einer achtwöchentlichen militäriſchen Übung eingezogen. Da unſere Bemühungen um eine geeignete Vertretung desſelben erfolglos blieben, ſo wurden ſeine Unterrichtsſtunden zum Teil an den Unterzeichneten und die übrigen Lehrer verteilt.

Wegen der Hitze wurde der Nachmittagsunterricht am 4. Juni freigegeben.

Dienſtag, den 12. Juni, machten die Schüler unter Begleitung mehrerer Lehrer ihren Sommer⸗ ausflug zu dem einige Stunden entfernten, von Michelſtadt nordöſtlich gelegenen Hainhaus. Da die Schüler auch der unteren Klaſſen daran teil nahmen, ſuchte man durch teilweiſe Benützung der Bahn bis König den Weg etwas zu kürzen. Nach einer taufriſchen Nacht und bei wolkenloſem Himmel traten die Schüler mit vergnügten Geſichtern den Weg nach Kimbach zu an, der bald in einen lauſchigen Wald führte, wo es ſich herrlich lagerte und kleine Erfriſchungen genommen wurden, wo⸗ rauf dann bei fröhlichem Geplander oder hellem Geſang die Höhe erſtiegen wurde, bis der wunder⸗ volle Punkt des Hainhauſes, tief verſteckt in ſchlanken Buchen und kräftigen Eichen, erreicht war. Das Hainhaus, einſt ein römiſches Caſtel, iſt jetzt eine Förſterwohnung und ſo recht ein Haus im Hain, geeignet für den Glauben der Römer, daß das Dunkel des Waldes den Göttern zum ange⸗ nehmſten Aufenthalt diene. Hier lebten vor vielen, vielen Jahren die Römer, was Herr Stadt⸗ pfarrer Marguth zur Einleitung ſeiner Worte machte, die er an die Schüler richtete. Er erwähnte, daß ſich hier die Römerſtraße herzog; er führte aus, wie die Verhältniſſe damals in Deutſchland waren und hob hervor, daß ſchon in früheſter Zeit als heller Stern die deutſche Treue geglänzt, wie der römiſche Geſchichtsſchreiber Tacitus erzählt und forderte die Jugend auf, ſich dies koſtbare Gut zu eigen zu machen und zu bewähren die deutſche Treue, die Treue zu unſerm Kaiſer und zu unſerem deutſchen Vaterland. Begeiſterte Hurrah und wiederholte Hoch auf unſeren Kaiſer folgten dieſen Worten. Nach einſtündiger Raſt und genügender Stärkung wurde der Rückweg angetreten und friſch 3 Geiſt und wohlbehalten an Körper bereichert mit einer ſchönen Erinnerung kam man zu Hauſe an.

Freitag den 15. Juni, nachmittags 3 Uhr, erhielt der Unterzeichnete durch ein Privattele⸗ gramm die Nachricht von dem am vormittag 11 Uhr 15 Min. erfolgten Ableben Sr. Majeſtät des deutſchen Kaiſers Friedrich. Die Schüler wurden ſofort, nachdem ihnen dieſe traurige Nachricht mit⸗ geteilt worden war, entlaſſen. Durch Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern und der Juſtiz, Abteilung für Schulangelegenheiten wurde in Folge einer allerhöchſten Anordnung die Trauerfeier an allen Schulen des Landes Montag den 18. Juni, dem Tage der Beiſetzung ange⸗ ordnet. Nach Abſingung des Chorales:Chriſtus, der iſt mein Leben und Sterben mein Ge⸗ winn ec. ſchilderte der Unterzeichnete in eingehender Weiſe das reiche Heldenleben des heimgegange⸗ nen Kaiſers und ermahnte die Jugend, ſein herrliches Lebensbild in den Herzen zu tragen und in der Nachahmung ſeiner Eigenſchaften zu gleicher Mannhaftigkeit und Tüchtigkeit heranzureifen. Er ſchloß im Hinblicke auf die ſchweren Prüfungen, welche die kaiſerliche Familie und das ganze deutſche Volk durch die Erkrankung unſeres Kaiſers erfahren mußte, mit den Worten:Schwere Leiden wurden unſerem Kaiſer, der kaiſerlichen Familie und dem ganzen deutſchen Volke auferlegt durch die tückiſche Krankheit, welche ſchon im Jahr 1887 nur als Heiſerkeit auftrat, ſich aber bald als ein unheilbares Leiden erwies, das alle Kunſt der Ärzte und der Aufenthalt in dem lieblichen San Remo nicht beſeitigen konnte. Mitten in dieſem Leiden, bereits von den Folgen desſelben in ſeiner Manneskraft gebrochen, wurde er auf den Thron berufen und hat, trotzdem er nicht mehr ſprechen durfte und unſägliche Qualen durch Atemnot, Huſten und Schlingbeſchwerden zu erdulden hatte, trotzdem er in der letzten Zeit faſt keine Nacht mehr ruhig ſchlafen konnte, mit feſtem, klarem Geiſte

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