Jahrgang 
1884
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Drittens möchte ich eure Aufmerkſamkeit auf das Hiſtoriſche lenken.

Keine Wanderung der Schule ſoll ohne Bezugnahme auf die Menſchengeſchichte ſein. Unſere Wanderuna führt uns aber in die allerälteſte Zeit unſerer Geſchichte, wenn es wahr iſt, daß auf dem Ohrsberg Steinwälle und Ringgräben vorhanden ſind, denn dieſe deuten auf altgermaniſche Opferſtätten und Anſiedlungen, wie ſie in den Steinwällen im Taunus entdeckt worden ſind.

Wir erinnern uns aber auch, daß die alte Römerſtraße über dieſe Höhen des Odenwaldes zog, von Heſſelbach über Eulbach, Würzberg, bis hin nach dem Breuberg, geſchützt durch Kaſtelle und zahlreiche Rückzugslinien, wie wir ſie an der Gebhardtshütte am Krähenberg geſehen und Sammelkaſtelle, wie ein ſolches bei Hummetroth gefunden wurde. Dieſe Erinnerungen führen uns in die Zeit der größten Ausdehnung des Römerreiches. Eberbach aber, früher eine freie Reichsſtadt, kam unter den ſächſiſchen und fränkiſchen Kaiſern an die Pfalz und an das Bistum Worms, und erſt die Hohenſtaufen, an deren Aufenthalt verſchiedene Baureſte erinnern ſollen, bekamen die Stadt wieder zurück. Droben auf der Burghalde mögen die Steintrümmer die Reſte jener Kaiſerburg darſtellen, die einſt den Kaiſern zur vorübergehenden Wohnſtätte gedient haben. Heutzutage knüpft ein gemeinſames Band alle deutſchen Städte wieder an das gemeinſame Vaterland, ein Band, das von unſeren glorreichen Kaiſergeſchlechte in ſchwerer Zeit geknüpft worden iſt. Sind auch die alten Kaiſerburgen zerfallen, ſo erheben ſich in den Herzen aller guten Deutſchen neue Burgen unſerem Kaiſer, zu welchen die Liebe und Verehrung des Volkes die feſten Bauſteine liefern.

Am 8. October 1883 wurde Dr. Hermann Reutzel, am 25. October Ludwig Falkenhagen in

den Dienſt an der Realſchule eingewieſen. Der Bildungs⸗ und Lebensgang dieſer beiden Lehrer iſt be⸗ reits in der Geſchichte der Realſchule angegeben worden. Sonntag den 11. Februar hatte der Realſchüler IV. Klaſſe, Heinrich Fitzky von Dorf⸗Erbach, das Unglück, beim Spiele mit dem rechten Arm in eine Futterſchneidmaſchine zu geraten, die ihm den Unterarm ſo ſchwer verletzte, daß der Arzt denſelben abnehmen mußte. Die tiefgebeugten Eltern und Angehörigen des braven und tüchtigen Schülers haben von allen Seiten die aufrichtigſte und tiefſtem⸗ pfundene Teilnahme gefunden; möge der gläubige Aufblick zu dem Lenker des Schickſals der Menſchen ihnen den rechten Troſt in ihrem ſchweren Leide geben und ſie mit Kraft und Ausdauer, mit Geduld und Ergebung ausrüſten!

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Im Laufe des Schuljahres erhielten wir folgende Geſchenke, für welche wir unſeren wärmſten Dank hiermit ausſprechen:.

1. Von Großherzoglichem Miniſterium des Innern und der Juſtiz, Abteilung für Schulangelegenheiten: a) Die Jahresberichte der Realgymnaſien zu München, Augsburg, Speyer, Nürnberg und Würzburg. b) Verhandlungen der Commiſſion zur Prüfung der Frage der Überbürdung der Schüler höherer Lehr⸗ anſtalten des Großherzogtums.(Berichte und Protokolle). Darmſtadt 1883. 2. Von Großherzoglichem Miniſterium des Innern und der Juſtiz, Abteilung für Geſundheitspflege: Zuſammenſtellung der wichtigeren Ergebniſſe der Augenunterſuchungen in dem Großherzoglichen Gym⸗ nafiddeund der Großherzoglichen Realſchule zu Mainz, ſowie in dem Großherzoglichen Gymnaſium zu Gießen. 3. Von Großherzoglicher Centralſtelle für die Landesſtatiſtik: Mitteilungen der Großherzoglich Heſſiſchen Centralſtelle für die Landesſtatiſtik. Jahrgang 1883. . Von Sr. Erlaucht dem Grafen von Erbach⸗Fürſtenau: Einen Turmfalken(Falco tinnunculus.) Einen Taubenhabicht(Falco palumbarius.) Einen Mäuſebuſſard(Falco buteo.) .Von Herrn Karl Fröhlich in London: Zwei Magnete in Hufeiſenform mit Anker.