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Wir ſagten oben, daß die auf ärztlichen Forderungen beruhenden Principien der richtigen Schreib⸗, Sitz⸗ und Stehhaltung nicht allein bei der Conſtruction der Subſellien, ſondern auch bei der Haltung der Schüler ſelbſt beachtet werden müſſen. Es folgt daraus die Verpflichtung des Lehrers, gewiſſenhaft da⸗ rauf zu ſehen, daß die richtige Haltung auch beobachtet wird. Wenn die Schüler auf unrichtig conſtruierten Subſellien eine unrichtige Haltung annehmen und der Entwicklung ihres Körpers ſchaden, ſo iſt der Lehrer daran unſchuldig, denn er kann bei der ſtrengſten Disciplin gegen den Einfluß von Naturgeſetzen auf die Dauer nicht ankämpfen. Dagegen wäre der Lehrer entſchieden tadelnswerth, welcher den Schülern au richtig conſtruierten Bänken die angewöhnten ſchlechten Haltungen verzeihen, oder auf dieſelben als etwas Aeußerliches kein Gewicht legen wollte. Namentlich wird er für den Anfang mit conſequenter Aufmerk ſamkeit darauf achten müſſen, daß die Schüler in den verſchiedenen Haltungen richtig ſitzen, weil die bishe gebrauchten Bänke fehlerhafte Gewohnheiten erzeugt haben. Als ſolche wollen wir namentlich hervorheben.
1. Das Ueberſchlagen der Beine bei Schreib⸗ und Sitzhaltung.
2. Das Anlehnen der Bruſt in der Schreibhaltung. 3
3. Das ſeitliche Verſchieben in der Schreibhaltung(Drehen des Oberkörpers.)
4. Das Herunterneigen des Kopfes und das Auflegen desſelben in der Schreibhaltung.
5. Das Auflegen der Arme auf den Tiſch und das Vorneigen des Oberkörpers in der Sitzhaltung.
6. Das ſchlaffe, zuſammengeſunkene und vorüber geneigte Stehen in der Stehhaltung.
Dieſe und ähnliche Fehler der Körperhaltung wird der aufmerkſame Lehrer ſehr bald unterdrückt haben, da ihn die richtig conſtruierte Schulbank außerordentlich in ſeinem Streben unterſtützen wird. Die Schüler aber werden ſelbſt ſehr bald die Wohlthat eines bequemen Sitzens in den verſchiedenen Haltungen empfinden, ſie werden viel weniger ermüden, ohne in ihre früheren Angewohnheiten zu verfallen. Wir fordern daher von ihnen, daß ſie uns in unſeren Beſtrebungen dadurch unterſtützen, daß ſie auf ihre Hal⸗ tung recht aufmerkſam ſind.
Zur Beherzigung der vorſtehenden Forderungen glauben wir noch Folgendes zum Schluße anfüh⸗ ren zu ſollen. Man hat in richtiger Würdigung der hohen Bedeutung der körperlichen Entwicklung der Jugend nicht nur in den höheren, ſondern auch in den Volksſchulen das Turnen eingeführt; allein der richtigen Haltung der Schüler während des größten Theiles der Schulzeit widmet man noch nicht überall gleiche Beachtung. Und dennoch iſt gerade dieſe Haltung, da ſie täglich wiederkehrt, von der allergrößten Wichtigkeit und es können Fehler derſelben nimmermehr durch eine oder zwei wöchentliche Turnſtunden aus⸗ geglichen werden. Die gerügten Schulübel, die Kurzſichtigkeit, die Congeſtionen nach dem Kopfe, verbunden mit Kopfweh und Naſenbluten, die mangelhafte Eutwicklung der Bruſt⸗ und Baucheingeweide, die Ver⸗ krümmungen des Rückgrates ſind dieſen habituellen Haltungsfehlern zuzuſchreiben. Schlimm genug, daß die Schule überhaupt zu vieles Sitzen erfordert; mindeſtens ſollte ſie jedoch dafür ſorgen, daß es ein ratio⸗ nelles Sitzen iſt und der Entwicklung des Körpers keinen Schaden bringt.
Möchten dieſe Zeilen auch an dem hieſigen Orte die Aufmerkſamkeit des Publikums auf dieſe nh igeh echſeus lenken und hierdurch verbeſſerte Zuſtände zum Vortheile der heranwachſenden Jugend
herbeiführen!
Bei der Abfaſſung dieſer Arbeit ſind folgende Schriften benutzt worden: Felt de ſanitätspolizeiliche Ueberwachung höherer und niederer Schulen und ihre Aufgaben. Leip⸗ zig.. Fahrner, das Kind und der Schultiſch. Zürich. 1865. Zweite Auflage. Schildbach, die Schulbankfrage und die Kunze'ſche Schulbank. Leipzig. 1872. Zweite Auflage. Meheo bie richtige Geſtalt des menſchlichen Körpers in ihrer Erhaltung und Ausbildung. Stutt⸗ gart.. 5 Virchow, über gewiſſe, die Geſundheit benachtheiligende Einflüſſe der Schulen. Berlin. 1869. Zur Schulbankfrage, Bericht des niederrheiniſchen Vereins für öffentliche Geſundheitspflege. Verfügung des Königl. Württembergiſchen Miniſteriums des Kirchen⸗ und Schulweſens, betr. eine Inſtruction für die Einrichtung der Subſellien in den Gelehrten⸗, Real⸗ und Volksſchulen. 1868. Klenke, Schul⸗Diätetik. Praktiſche Geſundheitspflege in Schulen. Leipzig. 1871
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