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durch die gebräuchlichen Knabenſpiele, ſelbſt unter der Aufſicht des Lehrers erreicht wird, wiewohl auch ſolche Spiele, namentlich die erſt durch das Turnen richtig geleiteten Turnſpiele, ihren großen Werth haben. Eben⸗ ſowenig reichen einige Turnſtunden wöchentlich, wohl gar nur im Sommer hierzu hin, ſondern es iſt ein täglicher Unterricht und namentlich im Winter, da die Kinder in dieſer Jahreszeit den ſchädlichen Einflüſſen der verdorbenen Stubenluft beſonders ausgeſetzt ſind, nothwendig. Nach dem Unterricht ſollte an jedem Wochentage mindeſtens eine Stunde geturnt werden, im Sommer im Freien, im Winter und an regneriſchen Sommertagen in der bedeckten Halle. Bei dem Mangel einer bedeckten Halle können wir hier nur im Sommer turnen laſſen und da bei der allzu geringen Zahl von Lehrkräften die Lehrſtunden auf den größten Theil des Tages zu vertheilen ſind, ſo bleiben auch für den Sommer nur einige Tage für das Turnen übrig, die noch durch ſchlechte Witterung beſchränkt werden; hierzu kommt überdieß, daß die herrlichen tur⸗ neriſchen Uebungen, das Schwimmen und das Schlittſchuhlaufen, hierorts ungünſtiger Verhältniſſe wegen auch nicht vorgenommen werden könnnen.
Es möge noch geſtattet ſein, einige Autoritäten über die Bedeutung des Schulturnens zu hören:
Jahn ſagt darüber:
„Die Turnkunſt ſoll die verloren gegangene Gleichheit der menſchlichen Bildung wieder herſtellen, der blos einſeitgen Vergeiſtigung die wahre Leibhaftigkeit zuordnen, der Ueberfeinerung in der wieder ge⸗ wonnenen Männlichkeit das nothwendige Gegengewicht geben und im jugendlichen Zuſammenleben den ganzen Menſchen umfaſſen und ergreifen.“
An einem andern Orte:
„Jede Turnanſtalt iſt ein Tummelplatz leiblicher Kraft, eine Erwerbsſchule männlicher Ringfertig⸗ keit, ein Wettplan der Ritterlichkeit, Erziehungsnachhilfe, Geſundheitspflege und öffentliche Wohlthat; ſie iſt Lehr⸗ und Lernanſtalt zugleich in ſtetem Wechſelgetriebe.“
Spieß ſagt darüber:
„Beim Turnen kommt es darauf an, daß jeder Einzelne zum freien Gebrauch ſeiner leiblichen Kräfte gelange, die ohne Pflege, wie die geiſtigen, nur ein karges Gut bleiben; es kommt darauf an, daß jedes einzelne Glied des Leibes, je nach ſeiner natürlichen Beſtimmung, kunſtgemäß geübt werde und ſomit der ganze Leib, ebenmäßig ausgebildet, unter der Herrſchaft des Geiſtes ſtehe.“
Und der treffliche Arndt ſchließt ſich dem an, indem er ſagt:
„Aber das iſt die erſte Lehre des Turnplatzes, die Jedem, ſobald er ihn betritt, gegeben und während aller Jahre, die er ihn beſucht, ihm vorgehalten wird, daß dieſe Turnübungen keine Uebungen der Eitelkeit und Gaukelei ſind, ſondern Uebungen und Vorbereitungen für die Arbeiten des Mannes und die edelſten Forde⸗ rungen des Lebens, damit ein geſunder, ſtarker, tapferer und freudiger Mann werde, der den Beſchwerden der Märſche und den Arbeiten des Lagers und des Schlachtfeldes gewachſen ſei; denn das iſt der Jammer aller Jammer, wenn ein Mann zu ſchwach iſt, dem Vaterlande die unerläßliche Schuld zu bezahlen. Auch das bändigt die Eitelkeit und die leere Prahlerei, daß die Keuſchheit als die erſte und heiligſte Pflicht des deutſchen Menſchen und Chriſten gelehrt, daß auf jeden Weichling und Wüſtling mit Abſcheu hingewieſen wird, daß in der ſtrengen und ehreufeſten Verſammlung Keiner geduldet wird, der etwas Schändliches und Lüderliches gethan oder gelitten hätte.“
Schon aus dieſen wenigen Ausſprüchen bedeutender Männer geht das Ziel des Turnens und die Mittel und Wege zur Erreichung derſelben deutlich genug hervor. Das Turnen ſoll nicht allein den Leib geſund erhalten und den ſchädlichen Einflüſſen der ſitzenden Beſchäftigung in den engen Schulräumen begeg⸗ nen, es ſoll auch die Glieder des menſchlichen Leibes ſtufenmäßig entwickeln und kräftigen. Daher iſt es höchſt thöricht, wenn Eltern für ihre ſchwächlichen Kinder Dispenſation vom Turnen erbitten, da ja gerade durch das Turnen der Schwächliche allmählich gekräftigt wird. Das Turnen ſoll aber auch einen ſittlichen Ein⸗ fluß haben: es ſoll den Einzelnen mit Selbſtvertrauen, Muth und Entſchloſſenheit waffnen, zugleich aber als ein Glied der Geſammtheit mit williger und beſcheidener Unterordnung und freudigem Gehorſam unter das Ganze unterordnen; es ſoll endlich, mit Geſang verbunden, ein heiteres Spiel ſein, das die verderblichen und unnützen Beſchäftigungen unmöglich mache.
Wer das Turnen aber dazu machen will, der muß täglich turnen, im Winter und im Sommer. Daher iſt einer höheren Schule eine bedeckte Turnhalle ſo nothwendig, wie ein jedes Schulzimmer, damit


